Malaria

Sechs-Tages-Kombi gegen Artemisinin-Resistenz

In Südostasien sind Experten alarmiert: Dort nehmen Resistenzen des Malaria-Erregers gegen das Standardmittel Artemisinin zu. Womöglich hilft eine andere Therapiestrategie.

Veröffentlicht:
Cave Malaria-Überträger: In Südostasien werden immer mehr P. falciparum mit Resistenzen nachgewiesen.

Cave Malaria-Überträger: In Südostasien werden immer mehr P. falciparum mit Resistenzen nachgewiesen.

© iamporpla / iStock / Thinkstock

BANGKOK. Resistenzen des Malariaerregers Plasmodium falciparum gegen das Antiprotozoikum Artemisinin nehmen zu. Vor allem Südostasien ist davon betroffen. Experten sehen darin letztlich aber ein globales Problem im Kampf gegen Malaria. Nun berichten Forscher, dass ein angepasstes Therapieschema resistente P. falciparum dennoch in Schach halten kann.

Nach den jetzt veröffentlichen Ergebnissen der internationalen "Tracking Resistance to Artemisinin Collaboration" (TRAC) besserte eine sechstägige statt einer dreitägigen Kombinationstherapie die Heilungschancen bei resistenten P. falciparum (N Engl J Med 2014; 371(5): 411).

Das Problem bei den resistenten Erregern beruht auf Mutationen der sogenannten "Propellerregion" im kelch-Gen auf Chromosom 13 (auch kelch13 oder K13 genannt). Schon einzelne Polymorphismen lassen den Erreger resistent gegen Artemisinin werden.

In der Studie zeigte sich das dadurch, dass sich die Parasitenclearance (gemessen an der Halbwertzeit) deutlich verlängerte. Nach Angaben der Forscher gab es hier eine "starke Assoziation" zu den kelch13-Mutationen. In ihrer Studie mit 1241 Malaria-Patienten aus 10 Ländern fanden die Wissenschaftler die Mutationen in Vietnam, Kambodscha, Laos, Thailand und Myanmar.

Durch die verlangsamte Parasitenclearance nahm außerdem die Prävalenz der Patienten zu, die eine Gametozytämie entwickelten. Damit wiederum steigt das Risiko einer Malariatransmission.

Eine gering dosierte Artesunat-Therapie (2 mg pro Kilogram) oder eine Kurzzeittherapie mit Artemether/Lumefantrin (AL) über drei Tage zeigte in der Studie nur eine verringerte Wirksamkeit. Bei zahlreichen Patienten trat die Malaria mit resistenten P. falciparum erneut auf.

Dementgegen sank die Rate der Therapieversager nach 42 Tagen Nachbeobachtung auf nur zwei Prozent, wenn eine sechstägige Kombinationstherapie eingesetzt wurde. So wurden etwa die Patienten im kambodschanischen Pailin zunächst drei Tage mit Artesunat (4 mg/kg) und anschließend drei weitere Tage mit der Kombination aus Dihydroartemisinin und Piperaquin (DP) behandelt.

Auch andere Kombinationen wie Artesunat/Sulfadoxin/Pyrimethamin (AS-SP) oder Artesunat/Mefloquin (AS-MQ) kamen zum Einsatz, je nach lokalem Behandlungsprotokoll. Die sechstägigen Kombinationen erwiesen sich den Forschern zufolge als sicher und unter dem Strich als wirksam gegen Artemisin-resistente P. falciparum.

Eine verlängerte Therapiedauer sei daher "eine Option" bei gegen Artemisin resistenter Malaria. Allerdings müssten die bislang bekannten Therapieregime in weiteren Studien neu bewertet werden. (nös)

Schlagworte:
Mehr zum Thema

Urogenitale Malignome

Akute Zystitis kann auf künftigen Krebs hinweisen

Hotline Impfen

Stellen Sie Ihre Fragen zum Impfen!

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Pharmakokinetik von Rezafungin bei einer Dosierung von 400mg, gefolgt von 200mg einmal wöchentlich

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [10]

Invasive Candida-Infektionen

Modernes Echinocandin – optimierte Eigenschaften und klinische Vorteile

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Mundipharma Deutschland GmbH & Co. KG, Frankfurt/Main

Ist das AMNOG bereit für HIV-Innovationen?

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Podiumsdiskussion von Gilead Sciences beim DÖAK 2025 von links: Dr. Nazifa Qurishi, Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie, Gemeinschaftspraxis Gotenring Köln; Kelly Cavalcanti, HIV-Aktivistin und Referentin für Gesundheit und Empowerment, Köln, und Martin Flörkemeier, Senior Director Public Affairs, Gilead Sciences, München

© Gilead

Unternehmen im Fokus

HIV-Versorgung: Vertrauen in unruhigen Zeiten

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Gilead Sciences GmbH, Martinsried
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikoadaptiertes Vorgehen

Lungenkrebs-Screening: Nach Rauchstopp erst später ins CT?

Lesetipps
Ein Mann mit naßgeschwitztem Gesicht und Hemd tupft sich mit einem Tuch die Stirn ab.

© Creatas / Thinkstock

Stufenschema

Das große Schwitzen: Strukturiert gegen Hyperhidrose vorgehen

Spritze zum Impfen mit Schriftzug

© Fiedels / stock.adobe.com

Hotline Impfen

Stellen Sie Ihre Fragen zum Impfen!