Diabetes-Therapie

Selbstmessung bei Typ-2-Diabetes: Wie süß darf‘s denn sein?

Veröffentlicht: 07.10.2010, 05:00 Uhr
Selbstmessung bei Typ-2-Diabetes: Wie süß darf‘s denn sein?

Radfahren ist günstig bei Typ-2-Diabetes: Sport am Abend kann die Stoffwechsellage am nächsten Morgen deutlich verbessern.

© LifeScan

Die Selbstmessung der Blutglukose kann Menschen mit Typ-2-Diabetes dazu motivieren, ihren Lebensstil zu optimieren und die Therapie im Dialog mit dem Arzt selbst anzupassen. Die Blutzuckerselbstmessung ist dabei keine Therapie, sondern ein diagnostisches Verfahren. Die Messungen sind daher nur sinnvoll, wenn die Patienten sie für eine eigene Therapie-Strategie nutzen, betont Professor Stephan Martin von der Sana Kliniken Düsseldorf GmbH.

Einheitliche Empfehlungen zur Selbstmessung bei Typ-2-Diabetes gibt es in Deutschland nicht. In Anlehnung an Konsensus-Leitlinien der Internationalen Diabetes Federation wird in der Regel bei neu diagnostiziertem Typ-2-Diabetes oder bei erhöhten HbA1c-Werten dazu geraten. Der Blutzuckerwert sollte dabei vor und etwa 1,5 bis 2 Stunden nach den Hauptmahlzeiten bestimmt werden.

Zudem wird eine ereignisgesteuerte Blutzuckermessung vorgeschlagen. Dabei kontrolliert der Patient, wie bestimmte Mahlzeiten oder auch Bewegung die Blutzuckerwerte beeinflussen. Wie oft gemessen wird, hängt von individuellen Gegebenheiten ab, betont der Diabetologe. Patienten sollten die Ergebnisse in eine Tabelle eintragen und in einem Tagesprofil grafisch darstellen.

Zusätzlich sollten die Patienten an einer strukturierten Schulung teilnehmen. Blutzuckertagesprofile vor und nach der Schulung dienen der Erfolgskontrolle. Patienten ermitteln dabei selbst die Wirkung von Nahrungsmitteln auf den Blutzuckerspiegel. Dabei wird der Blutzucker jeweils vor und nach den Mahlzeiten kontrolliert. Ziel ist es, den Einfluss alltäglicher Situationen zu erkennen. So kann zum Beispiel Sport am Abend die Stoffwechsellage am nächsten Morgen deutlich verbessern. Aus vielen Studien ist zudem der positive Effekt bereits geringer Gewichtsabnahmen bekannt.

Selbstmessung bei Typ-2-Diabetes: Wie süß darf‘s denn sein?

Die Wirkung von Mahlzeiten auf den Blutzuckerspiegel selbst zu ermitteln motiviert zu Lebensstiländerungen.

© M&S Fotodesign / fotolia.com

"Wenn Patienten diese Zusammenhänge selbst erkennen, motiviert dies für einen gesundheitsförderlichen Lebensstil", so Martin. Die Patienten benötigen anschließend in der Regel nur noch zwei bis drei Nüchternmessungen pro Woche. Manche verzichten nach einiger Zeit komplett darauf. Wichtig ist, die gemessenen Werte im Arzt-Patient-Gespräch zu diskutieren und die Testfrequenz auf die individuellen Bedürfnisse abzustimmen. Die Stiftung "Motivation zur Lebensstil- Änderung - Chance bei Diabetes" der Deutschen Diabetes-Stiftung hat eine Broschüre mit praxisnahen Anleitungen und Anregungen für mehr körperliche Aktivität, Ernährungs- und Motivationstipps über einen Zeitraum von zwölf Wochen erstellt.

Das Programm hat sich nach den Ergebnissen in der ROSSO-Praxisstudie bewährt. Unter Alltagsbedingungen wurde dabei untersucht, welche Auswirkungen die strukturierte Blutzuckerselbstkontrolle auf die Stoffwechseleinstellung von Patienten mit Typ-2-Diabetes hat.

Die 327 Teilnehmer erzielten mit dem 12-Wochen-Programm im Durchschnitt folgende Ergebnisse: 2,3 kg weniger Gewicht, 4,2 cm weniger Taillenumfang, Steigerung der Schritte um 2000 auf 8000 pro Tag und eine Reduktion des HbA1c-Werts von 6,7 auf 6,4 Prozent. (eis)

Die Broschüre gibt es als Download im Internet (www.chance-bei-diabetes.de). Sie kann auch telefonisch (0800 / 99 88 783) bei der Stiftung angefordert werden.

Nur für Fachkreise: Zu dem Modul "Wie süß darf´s denn sein? Blutzuckerselbstmessung bei Typ-2-Diabetes"

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