Bluthochdruck

Selbstmessung bringt's!

Beim Blutdruck macht's die Kombi aus Praxis- und Selbstmessung: Hypertonie lässt sich stärker senken, wenn Patienten selbst messen. Das ist das Ergebnis einer Studie mit knapp 1200 Patienten.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Patienten, deren Selbstmessung bei der Blutdruckeinstellung berücksichtigt worden war, hatten einen um 3,5mmHg niedrigeren Blutdruck als Patienten mit alleiniger Praxismessung.

Patienten, deren Selbstmessung bei der Blutdruckeinstellung berücksichtigt worden war, hatten einen um 3,5mmHg niedrigeren Blutdruck als Patienten mit alleiniger Praxismessung.

© Peter Maszlen / Fotolia

OXFORD. Viele Ärzte berücksichtigen bei Behandlungsentscheidungen in der Hochdrucktherapie auch Blutdruckwerte, die die Patienten selbst ermitteln.

Der Nutzen dieser Vorgehensweise wird nun durch eine randomisierte kontrollierte Studie bestätigt: Nach einem Jahr war der Blutdruck besser eingestellt als bei Patienten, deren Therapie nur anhand von Praxismessungen nachjustiert wurde (Lancet 2018; 391: 949–959) .

An der Studie waren 1182 Patienten beteiligt, die trotz medikamentöser Therapie einen Blutdruck über 140/90 mmHg hatten und die willens waren, ihren Blutdruck regelmäßig selbst zu messen.

Sie wurden drei Gruppen zugeteilt: mit Selbstkontrollen (395 Patienten), mit Selbstkontrollen plus Telemonitoring (393 Patienten) oder mit der üblichen Versorgung mit Praxismessungen (Kontrollgruppe mit 394 Patienten).

Die Patienten, mittleres Alter 66 Jahre, etwas über die Hälfte Männer, hatten im Schnitt vor zehn Jahren die Diagnose erhalten und wiesen einen Blutdruck von 153,1/85,5 mmHg auf. 85 Prozent von ihnen beendeten die Studie planmäßig nach einem Jahr, die Ausfallquote war in den Interventionsgruppen mit 17 Prozent etwas höher als in der Kontrollgruppe mit zwölf Prozent.

Primärer Endpunkt nach zwölf Monaten

Der systolische Druck nach zwölf Monaten, der als primärer Studienendpunkt definiert war, betrug mit Selbstmessungen 137,0 mmHg, mit zusätzlichem Telemonitoring 136,0 mmHg und mit dem Standardvorgehen 140,4 mmHg.

Bereinigt hatten Patienten mit Selbst- beziehungsweise Telemonitoring einen um 3,5 beziehungsweise 4,7 mmHg und damit statistisch signifikant niedrigeren systolischen Druck als die Kontrollpatienten; zwischen alleinigen Selbstkontrollen und zusätzlichem Telemonitoring zeigte sich dagegen keine signifikante Differenz.

Mit Telemonitoring wurde die stärkere Blutdrucksenkung jedoch etwas schneller erreicht als mit Selbstmessungen allein, der Unterschied zur Kontrollgruppe war hier schon nach sechs Monaten signifikant.

Die Überlegenheit der Selbstmessungen mit und ohne Teleüberwachung nach einem Jahr war in allen Patientengruppen zu beobachten, unabhängig von Geschlecht, Alter, Blutdruckziel oder kardiovaskulären Vorerkrankungen.

Ausschlaggebend für die niedrigeren Drücke in den Interventionsgruppen war offenbar eine stärkere Intensivierung der Pharmakotherapie: Im Vergleich zur Kontrollgruppe wurden 0,11 (Selbstkontrollen) beziehungsweise 0,13 (Telemonitoring) zusätzliche Medikamente mehr verordnet. Auf die Therapieadhärenz oder andere nichtpharmakologische Parameter hatten die Selbstkontrollen dagegen keine Auswirkungen.

Keine Unterschiede bei Nebenwirkungen

Auch hinsichtlich der Nebenwirkungen ließen sich keine Unterschiede feststellen. Die Selbstmessungen führten auch nicht zu mehr Ängsten bei den Patienten. Die Zahl der Hausarztbesuche nahm ebenfalls nicht zu. Zur Bewertung kardiovaskulärer Endpunkte war die Studie zu klein und zu kurz.

Die Studienteilnehmer in den Interventionsgruppen hatten jeweils in der ersten Woche jedes Monats morgens und abends mit einem validierten Messgerät zweimal am nicht dominanten Arm den Blutdruck ermittelt und die Werte am Ende der Woche per Post an ihren Hausarzt geschickt.

In der Telemonitoring-Gruppe waren die Werte per SMS und in aufbereiteter Form an den Arzt übermittelt worden, das System schlug außerdem bei fehlenden oder extremen Werten Alarm. Die Ärzte waren aufgefordert, die Messwerte monatlich zu checken. Als Grenzwerte für die Messungen zu Hause galten jeweils um 5 mmHg niedrigere Werte als für die jeweilige Patientengruppe in den Leitlinien festgelegt.

Der Erfolg der Selbstkontrollen zur Therapietitration zeigt nach Ansicht der Autoren, dass die Technologie reif sei für einen breiteren Einsatz: "Hausärzte sollten selbst gemessene Werte in die Titration von Blutdruckmedikamenten mit einbeziehen", fordern Richard McManus von der Uni Oxford und seine Kollegen.

Das Ziel für die häuslichen Messungen müsse allerdings 5 mmHg unter den anzustrebenden Zielwerten liegen. Zwei frühere Studien zu Selbstmessungen zum Zweck der Therapieanpassung hatten dies nicht beachtet – und in den Gruppen mit Selbstmessung am Ende eine schlechtere Blutdruckeinstellung erreicht.

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