Studie mit Langzeitüberlebenden

Sind Spätfolgen einer Krebstherapie vorhersagbar?

Ein EU-Projekt zu Langzeitüberlebenden von Krebs im Kindesalter wird an der Universitätsmedizin Mainz koordiniert.

Veröffentlicht:

MAINZ. Lassen sich mögliche Spätfolgen nach einer Krebsbehandlung anhand genetischer Untersuchungen vorhersagen?

Dies ist die zentrale Frage eines EU-weiten Forschungsprojekts, das am Deutschen Kinderkrebsregister vom Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik (IMBEI) der Universitätsmedizin Mainz koordiniert wird.

Schwerpunkte sind Fertilität und Schwerhörigkeit

Im Fokus der Untersuchungen steht das Auftreten von Fertilitätsproblemen und Ototoxizität infolge einer Krebsbehandlung im Kindes- und Jugendalter. Darüber hinaus gilt es herauszufinden, welchen generellen Einfluss diese Spätfolgen auf die Lebensqualität der ehemaligen Patienten haben.

Die Europäische Union fördert das EU-weite Forschungsprojekt mit rund 6 Millionen Euro, teilt die Universitätsmedizin Mainz mit.

In den zurückliegenden Jahrzehnten hat sich die Überlebensprognose nach einer Krebserkrankung im Kindesalter deutlich verbessert: Rund 80 Prozent der Erkrankten werden - je nach Diagnose - geheilt.

Mit der Zahl der Langzeitüberlebenden steigt allerdings auch die Zahl derer, die an potenziellen Spätfolgen leiden.

Diese können vielfältig sein: Organschädigungen (zum Beispiel Herz, Nieren oder Gehör), Einschränkung der Lebensqualität (beispielsweise Wachstumsprobleme, körperliche Behinderungen, intellektuelle Einschränkungen, Probleme der sozialen Integration) oder das Auftreten von weiteren Tumoren.

An dem EU-Forschungsprojekt PanCareLIFE sind Wissenschaftler aus acht europäischen Nationen beteiligt: Dänemark, Deutschland, Frankreich, Irland, Italien, Niederlande, Schweiz, Tschechische Republik.

 In das Projekt fließen die Daten von etwa 12.000 Betroffenen aus allen beteiligten Ländern ein, heißt es in der Mitteilung.

Suche nach genetischen Risikofaktoren

Anhand der Daten wollen die Forscher genetische wie auch nicht-genetische Risikofaktoren identifizieren, die möglicherweise im Zusammenhang mit Fruchtbarkeitsproblemen und Schwerhörigkeit stehen.

Die Wissenschaftler wollen dazu die DNA untersuchen, um festzustellen, welche genetischen Varianten potenziell mit diesen Spätfolgen verbunden sind. Die gewonnenen Daten werden zentral am Deutschen Kinderkrebsregister am IMBEI zusammengeführt.

Das Deutsche Kinderkrebsregister in Mainz erfasst seit 1980 alle in Deutschland auftretenden Krebsneuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Von den etwa 50.000 bereits erfassten Erkrankungsfällen sind mehr als 30.000 der früheren Patienten in der Langzeitnachbeobachtung.

Aufgrund der langen Erfahrungen mit der Krebsregistrierung bei Kindern und der Ursachen- und Spätfolgenforschung sowie der internationalen Vernetzung wurde das Deutsche Kinderkrebsregister gebeten, als Koordinator für ein von der europäischen Kommission ausgeschriebenes multinationales Forschungsvorhaben zu fungieren. (eb)

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