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Neurologie

Smartphone-Gebrauch prägt das Hirn

Tippen, Streichen, Wischen: Der tägliche Gebrauch eines Smartphones verändert das Gehirn in einem Ausmaß, das Forscher überrascht hat, wie eine Schweizer Studie nun zeigt.

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Der tägliche Smartphone-Gebrauch hinterlässt Spuren in unserem Gehirn.

Der tägliche Smartphone-Gebrauch hinterlässt Spuren in unserem Gehirn.

© moggara12 / fotolia.com

ZÜRICH. Tippen, Streichen, Wischen - Nutzer von Smartphones haben flinke Daumen und Zeigefinger.

Der tägliche Gebrauch der mobilen Technik formt jedoch nicht nur die Fingerfertigkeit, sondern verändert auch das Gehirn, melden Forscher der Universitäten Zürich und Fribourg.

Im somatosensorischen Cortex haben bekannterweise alle Körperbereiche von der Zehe bis zum Kiefer und der Zunge festgelegte Verarbeitungsareale.

Diese Areale sind flexibel und können sich verändern. Bei Geigenspielern etwa sei das Areal, das den instrumentführenden Finger repräsentiert, größer als bei anderen Menschen, erinnert die Universität Zürich in einer Mitteilung.

Fingerfertigkeit und ihre Folgen

Wie sich die Fingerfertigkeit von Smartphone-Benutzern auf das Gehirn auswirkt, wollte Arko Ghosh vom Institut für Neuroinformatik der Universität und der ETH Zürich wissen.

"Smartphones bieten uns die Chance zu verstehen, wie das normale Leben die Gehirne von ganz normalen Menschen prägt", wird Ghosh in einer Mitteilung der Universität Zürich zitiert.

Zusammen mit Kollegen der Universität Fribourg hat er die Aktivierung im sensomotorischen Cortex untersucht, die durch Fingerbewegungen ausgelöst werden.

Bei 37 Rechtshändern, davon 26 Smartphone-Benutzer mit Touchscreen und elf Benutzer von alten Handys, wurde mittels Elektroenzephalografie (EEG) die kortikale Hirnaktivität gemessen.

62 Elektroden am Kopf der Probandinnen und Probanden zeichneten dieses Potenzial aufgrund von Bewegungen des Daumens, des Zeige- und Mittelfingers auf.

Starkes Signal im Areal des Daumens

Dabei habe sich herausgestellt, dass sich die kortikale Repräsentation bei Nutzerinnen und Nutzern von Touchscreen-Smartphones im Vergleich zu Personen mit herkömmlichen Handys unterscheidet (Current Biology 2014; online 23. Dezember), heißt es in der Mitteilung zur Veröffentlichung der Forschungsergebnisse.

Ghosh habe außerdem zeigen können, dass die Häufigkeit des Smartphone-Gebrauchs die kortikale Aktivität beeinflusst.

Je mehr das Smartphone in den vergangenen zehn Tagen benutzt worden war, desto größer war das Signal im Gehirn. Dieser Zusammenhang war am stärksten, nämlich proportional, im Areal, das den Daumen repräsentiert.

Unterschiede zu Geigenspielern

"Auf den ersten Blick scheint dieser Befund vergleichbar zu sein mit dem, was bei Geigenspielern geschieht", so Ghosh. Zwei Unterschiede konnten die Forscher jedoch festmachen: Zum einen spielt bei Smartphone-Nutzern keine Rolle, wie lange sie ein Gerät schon besitzen und benutzen.

Bei Geigenspielern hingegen war die Aktivität im Gehirn abhängig vom Alter, in dem sie zu spielen begannen.

Zum anderen besteht ein linearer Zusammenhang zwischen der Aktivierung im Hirn und der letzten Nutzung des Smartphones, während dies bei Geigenspielern in früheren Studien nicht nachgewiesen werden konnte.

"Die digitale Technik, die wir im Alltag nutzen, formt die Sinnesverarbeitung in unserm Gehirn und zwar in einem Ausmaß, das uns überrascht hat", fasst Ghosh in der Mitteilung zusammen. (eb)

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