Ebola

So schwer, so ernst, so komplex

Experten aus aller Welt beraten in diesen Tagen, wie die Ebola-Epidemie in Westafrika gestoppt werden kann. Im Mittelpunkt des WHO-Treffens stehen Therapien und Impfungen. Unterdessen steigt die Zahl der Todesfälle auf über 1900. Und Nigeria droht die nächste Infektionswelle.

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Eine Pflegekraft von "Ärzte ohne Grenzen" in Guinea prüft den Sitz ihrer Schutzbrille, bevor sie Ebola-Patienten betreut.

Eine Pflegekraft von "Ärzte ohne Grenzen" in Guinea prüft den Sitz ihrer Schutzbrille, bevor sie Ebola-Patienten betreut.

© Sam Taylor / Ärzte ohne Grenzen / dpa

GENF. Bei einer zweitägigen WHO-Konferenz, die noch bis Freitag in Genf hinter verschlossenen Türen stattfindet, diskutieren Experten, welche der noch nicht zugelassenen Blutprodukte, Immuntherapien, Medikamente und Impfstoffe angewandt werden könnten.

Die WHO hatte es Mitte August für ethisch vertretbar erklärt, Ebola-Wirkstoffen einzusetzen, die noch nicht am Menschen getestet sind.

Bei der Konferenz beraten Forscher, die Ebola-Wirkstoffe prüfen, Politiker aus West-Afrika, Ethiker, Kliniker, Wissenschaftler und Patientenvertreter, wie die WHO mitteilt.

Auf der Teilnehmerliste, die 146 Namen - ohne die WHO-Sekretäre - umfasst, stehen auch drei Deutsche: Professor Marylyn Addo, die seit Oktober 2013 am Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) in Hamburg-Eppendorf daran arbeitet, wie neu auftretende Infektionskrankheiten rechtzeitig erkannt und bekämpft werden können.

Die Arbeitsgruppe von Dr. Stephan Becker, Direktor am Institut für Virologie in Marburg, erforscht die Struktur und Funktion viraler Proteine. Dr. Christoph Conrad gehört zur Organisationseinheit Medizinische Grundsatzfragen, Internationale Beziehungen am Paul-Ehrlich-Institut in Langen.

Mehr als 1900 Ebola-Todesopfer

Nach jüngsten Angaben der WHO sind in Westafrika bislang mehr als 3500 Ebola-Erkrankungen registrier, 1900 Menschen starben. Am dramatischsten ist die Lage in Guinea, Sierra Leone und Liberia. Dessen ungeachtet handele es sich bei Ebola nicht um eine afrikanische Krankheit, sondern um eine globale Krise, erklärte WHO-Chefin Margaret Chan.

"Wir sollten nicht Afrika stigmatisieren", sagte Chan. "Das ist keine afrikanische Krankheit, das ist eine globale Krise. Und deshalb brauchen wir auch eine globale Lösung." Jedes Land müsse sich beteiligen, am besten durch Experten, zumindest aber mit Material oder Geld. Chan lobte dabei die USA als größten Helfer.

Die meisten Fälle gebe es in Guinea, Sierra Leone und Liberia. "In diesen Ländern ist die Epidemie schneller, als die Gesundheitsbehörden sie kontrollieren können. In der 40-jährigen Geschichte von Ebola war noch keine Epidemie so schwer, so ernst und so komplex wie diese", sagte die Ärztin.

Erkrankte gebe es auch in anderen Ländern. Das seien aber individuelle Fälle, die auf einzelne Reisende zurückgeführt werden könnten. Auch im Kongo gebe es Ebola, das sei aber ein anderer Krankheitsherd. "Ebola hat sich nicht von West- auf Zentralafrika ausgeweitet. Das sind zwei unterschiedliche Fälle."

"Es gibt derzeit einige sehr vielversprechende Experimente mit Impfstoffen", sagte Chan. "Wir hoffen, damit in Kürze auf die Überholspur gehen zu können. "

Infizierter Arzt operierte weiter

Weil die Ebola-Epidemie alle medizinische Hilfe beansprucht, sterben in Sierra Leone, Liberia und Guinea immer mehr Menschen an anderen Krankheiten. Viele Gesundheitsstationen seien unbesetzt, weil örtliche Kräfte sich selbst mit Ebola infiziert hätten oder aus Angst vor Ansteckung nicht zur Arbeit gingen, berichtete die Organisation "Ärzte ohne Grenzen".

Nun befürchtet die WHO eine Ebola-Erkrankungswelle im Südosten von Nigeria. Entscheidend für die Verbreitung war demnach die Infektion eines Arztes, der nach seiner Erkrankung noch Patienten operierte und vermutlich mit Dutzenden Menschen Körperkontakt hatte.

Der Ausbruch in der Hafenstadt habe das Potenzial, sich schneller zu verbreiten als die Welle in der Metropole Lagos, wo das Virus zuerst auftrat, warnte die WHO.

Bei dem Arzt, seiner Frau und einem Menschen in seiner Klinik wurde der Ebola-Erreger bestätigt. Mehr als 200 Kontaktpersonen stünden unter Beobachtung, schreibt die WHO. Bei 60 davon besteht demnach ein hohes bis sehr hohes Infektionsrisiko.

Das Ebola-Virus hatte Nigeria, das bevölkerungsreichste Land Afrikas, am 20. Juli mit einem Mann aus Liberia erreicht, der am Flughafen von Lagos zusammenbrach und fünf Tage später starb. Eine Kontaktperson des Mannes floh aus der Quarantäne in Lagos nach Port Harcourt, wo sie Anfang August in einem Hotel behandelt wurde.

Der behandelnde Arzt ist laut WHO eine Schlüsselperson für den weiteren Verlauf: Er kam am 16. August in eine Klinik und starb sechs Tage später. Bestätigt wurde seine Ebola-Infektion erst Ende August.

Der Mediziner könnte Dutzende Menschen angesteckt haben, befürchtet die WHO. Nach den ersten Krankheitssymptomen behandelte er noch zwei Tage lang Patienten in seiner Privatklinik. (eb, dpa)

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Dr. Horst Grünwoldt

Ebola-Eindämmung

Wozu führen die gespenstischen Auftritte der WHO-Ebola-Kämpfer? - Gewiß nicht zur Eindämmung einer ansteckenden Krankheit!
Die zum Aberglauben neigende Bevölkerung Schwarzafrikas verbindet mit den verpuppten weißen (warum nicht grünen?) "Alien" grundsätzlich das Böse und Gefährliche, und sogar den Tod. Insbesondere lassen sich die bewegungsfreudigen, klinisch gesunden Menschen nicht in irgendeine geartete "Quarantäne" wegsperren oder isolieren.
Vielmehr sollte die Bevölkerung landesweit aufgerufen werden, sich bei bestimmten Anzeichen einer hämorhagischen Krankheit in Gesundheits-Stützpunkten (Infirmieres oder health points) zu melden, um ggf. Ebola diffentieldiagnostisch ausschließen zu lassen.
Mit einem schlichten Attest über eine klinische Untersuchung und über einen negativen Ebola-Test werden die Afrikaner mit Hilfe der "Buschtrommel" im Pallaver auch andere animieren, sich das wertvolle Papier zu besorgen.
Nach m.E. berücksichtigt der bisherige "Seuchenkampf" südlich der Sahara in keiner Weise ethnologische Verhaltensweisen der betroffenen Bevölkerung.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt, Rostock


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