Reißender Schmerz

So verliert die Biopsie ihren Schrecken

Berechtigt oder nicht - die Knochenmarkbiopsie wird von vielen Patienten gefürchtet. Polnische Forscher haben jetzt ein Maßnahmenpaket vorgeschlagen, mit dem sich nicht nur die Angst, sondern auch die Schmerzen reduzieren lassen.

Veröffentlicht: 24.01.2013, 07:32 Uhr
Hat's wehgetan?

Hat's wehgetan?

© Caboclin / istockphoto.com

WARSCHAU. Eine Knochenmarkbiopsie ist ein Routineeingriff mit geringer Komplikationsrate, trotzdem wird sie von vielen Patienten gefürchtet. Tatsächlich sind die Schmerzen beim Eindringen der Nadel in den Beckenkamm in der Regel nur leicht bis mäßig.

In Einzelfällen können sie jedoch als sehr stark empfunden werden, gerade wenn sich Schwierigkeiten beim Zugang ergeben. Allerdings kann gerade die ruckartige Aspiration des Knochenmarks einen "reißenden Schmerz" verursachen.

Um der Prozedur den Schrecken zu nehmen, schlagen polnische Wissenschaftler jetzt ein Bündel von Maßnahmen vor, die sich in Studien bewährt haben (Annals of Hematology 2013; 92(2): 145).

An erster Stelle steht laut Nikolaj Hjortholm und Kollegen die sorgfältige Aufklärung: Ehrliche Aussagen schaffen Vertrauen, so die Forscher von der Universität Warschau. Eine genaue und leicht verständliche Beschreibung der Abläufe nehme dem Patienten die Angst vor dem Eingriff.

Eine negative Erwartungshaltung hatte in zwei Studien erheblichen Einfluss auf das Risiko, bei einem Folgeeingriff "unerträgliche" Schmerzen zu empfinden. Vor allem wenn es sich für den Patienten um die erste Knochenmarkbiopsie handelt, sollte daher ein erfahrener Kollege ans Werk.

Dieser erledigt den Eingriff in kürzerer Zeit als ein Biopsieneuling und kann technische Probleme besser meistern.

Neues Webtool für Ärzte

Dies hatte in der Literatur auch Einfluss auf die Schmerzen: Zog sich die Prozedur nicht länger als zehn Minuten hin, gaben die Probanden auf einer visuellen Analogskala deutlich weniger Schmerzen an als bei einem längeren Eingriff.

Patienten, die schon einmal schlechte Erfahrungen gemacht haben, könne man eine Sedierung anbieten, so die Forscher. Wirkstoffe wie Lorazepam, Midazolam oder Diazepam reduzieren nicht nur Schmerzwahrnehmung und Angst, sondern bewirken auch eine retrograde Amnesie.

Allerdings erfordert die Sedierung einen längeren Aufenthalt in der Klinik sowie entsprechendes Personal. Zudem müsse man das Risiko von Nebenwirkungen bedenken.

Wer zu besonders starkem Schmerzempfinden neigt, profitiert am ehesten von einem zentral wirksamen Opioid, dies verringert vor allem den Schmerz während der Aspirationsphase. Hjortholm et al. empfehlen dabei Tramadol, da es keine kardiovaskulären und respiratorischen Nebenwirkungen hat.

Für Kollegen gibt es jetzt ein Internet-Tool zum schmerzarmen Biopsieren: Die Website www.painlessbiopsy.wordpress.com bietet neben Lehrmaterial auch die Möglichkeit, an einer "Challenge" teilzunehmen und das eigene Können bewerten zu lassen, Ideen einzubringen und sich mit erfahrenen Kollegen auszutauschen.

Fazit: Patienten, denen eine Knochenmarkbiopsie bevorsteht, sollten im Vorfeld gut über die Abläufe aufgeklärt werden. Darin besteht, neben dem Einsatz von Analgetika und Sedativa, eine wichtige Maßnahme, um Angst und Schmerzen zu reduzieren.

Die erste Biopsie an einem Patienten sollte wann immer möglich einem erfahrenen Kollegen vorbehalten sein. (EO)

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