US-Analyse

So werden Amputate richtig aufbewahrt

Kommen Patienten mit amputierten Gliedmaßen in die Klinik, sind die Amputate meist nicht richtig aufbewahrt.. Häufigster Fehler laut Studie: Sie werden direkt auf Eis gelegt. Wie es besser geht.

Thomas MüllerVon Thomas Müller Veröffentlicht:
Versorgung eines amputierten Fingers: Zumidest in den USA wird das einer Studie zufolge wohl häufig nicht richtig gehandhabt.

Versorgung eines amputierten Fingers: Zumidest in den USA wird das einer Studie zufolge wohl häufig nicht richtig gehandhabt.

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Das Wichtigste in Kürze

Frage: Wie häufig kommen Patienten nach traumatischen Amputationen mit korrekt versorgten Amputaten in eine Klinik?

Antwort: In einer US-Untersuchung waren die Amputate nur bei einem Drittel richtig gelagert.

Bedeutung: Offenbar besteht sowohl bei Ärzten als auch Patienten eine gewisse Unkenntnis über die richtige Versorgung von amputierten Gliedmaßen.

Einschränkung: Kleine Studie, möglicherweise wurden viele Amputate nicht richtig versorgt, weil die Verletzung eine Replantation unwahrscheinlich machte. Unklar, ob sich die Ergebnisse auf Deutschland übertragen lassen.

Hershey. Um amputierte Gliedmaßen erfolgreich zu replantieren, sind viele Voraussetzungen nötig: eine chirurgisch günstige Abtrennung, eine möglichst kurze Ischämiezeit sowie ein guter Zustand des Patienten. Zu den wichtigsten beeinflussbaren Faktoren zählt jedoch die adäquate Versorgung des Amputats, berichten Chirurgen um Dr. Haley Sinatro vom Penn State Hershey Medical Center in Hershey, USA.

Daran hapert es jedoch häufig: Eine retrospektive Untersuchung an ihrer Klinik ergab, dass nur bei einem Drittel der Patienten mit traumatischen Amputationen die mitgebrachten Amputate richtig aufbewahrt waren (Am J Emerg Med 2022; 52: 155-158).

Akten von 91 Patienten in den USA analysiert

Die Ärzte um Sinatro haben in ihren Akten 91 Patienten (80 Prozent Männer) identifiziert, die zwischen 2015 und 2019 mit traumatischen Amputationen und mitgebrachten Amputaten in ihre Klinik aufgenommen worden sind. Bei allen waren der Zustand der Amputate und die Konservierungsmethode dokumentiert worden. Als leitliniengerecht versorgt galten Amputate, die mit einem sterilen Kompressionsverband eingewickelt wurden, wobei der Verband möglichst mit physiologischer Kochsalzlösung angefeuchtet sein sollte. Die eingewickelten Amputate mussten sich in einem wasserdichten Beutel befinden, und dieser wiederum in einem Beutel mit Eiswasser.

Diese Voraussetzungen erfüllten jedoch nur 31 der Patienten (34 Prozent). Bei jedem Fünften lag das Amputat direkt auf Eis, oder es fehlte der Verband (17 Prozent). Einige kamen auch mit in Kleidungsstücken eingewickelten oder in Wasser liegenden Amputaten. Meist handelte es sich bei den Amputaten um Finger (zu 80 Prozent) oder Zehen (15 Prozent).

40 Patienten wurden von anderen Ärzten oder Kliniken überwiesen, 18 davon kamen mit ordnungsgemäß versorgten Amputaten (45 Prozent), dies war jedoch nur bei einem Viertel der 51 Patienten der Fall, die direkt in die chirurgische Klinik gelangten. Von den 39 Patienten, die direkt mit einem Rettungswagen in die Klinik kamen, hatte ebenfalls nur ein Viertel richtig aufbewahrte Amputate.

Bei falscher Lagerung kaum Chance auf erfolgreiche Op

Die Chirurgen versuchten eine Replantation bei 18 Patienten (58 Prozent) mit adäquat versorgten und 14 (23 Prozent) mit nicht optimal gelagerten Amputaten. Die Erfolgsquoten waren in beiden Gruppen ähnlich (33 Prozent und 29 Prozent), entscheidend war jedoch, dass die Chirurgen bei falsch konservierten Amputaten eine Replantation oft gar nicht erst versuchten, weil das Amputat für die Prozedur nicht mehr infrage kam. Letztlich gelang bei 19 Prozent der Patienten mit korrekt versorgten Amputaten eine Replantation, aber nur bei 7 Prozent mit falsch gelagerten Gliedmaßen.

Da es sich um eine retrospektive Analyse handelt, ist nicht klar, weshalb viele der Amputate nicht ordnungsgemäß versorgt wurden. Neben einer gewissen Unkenntnis der erstversorgenden Personen könnte auch der verletzungsbedingt schlechte Zustand der Amputate oder der Patienten dazu geführt haben, dass die Priorität nicht auf der Amputatversorgung lag.

Allerdings deuteten auch Untersuchungen in anderen Ländern auf eine gewisse Unkenntnis bei Ärzten, geben die Chirurgen um Sinatro zu bedenken. So waren bei einer Befragung britischer Ärzte in Notaufnahmen 42 Prozent überzeugt, dass abgetrennte Körperteile auch direkt auf Eis gelagert werden könnten, 32 Prozent hielten die Lagerung in einer Salzwasserlösung für eine gute Idee, nur 18 Prozent kannten das richtige Aufbewahrungsprotokoll.

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