Spezialfett soll bei Colitis Schleimhaut stärken

HEIDELBERG (bd). Patienten mit Colitis ulcerosa können auf eine neue Behandlungsoption hoffen. Mit Spezialfetten, die im Lecithin enthalten sind, soll die Schleimbarriere im Darm bei ihnen wieder besser gegen Bakterien und Entzündungsauslöser gewappnet werden. Das Spezialfett namens Phosphatidylcholin wird jetzt in einer Zulassungsstudie bei kortisonpflichtigen Colitis-Patienten getestet. Für die Studie können Patienten angemeldet werden.

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Die Heidelberger Wissenschaftler um Professor Wolfgang Stremmel, ärztlicher Direktor der Abteilung Gastroenterologie an der Uni Heidelberg, verfolgen seit Jahren die Hypothese, dass eine nicht intakte Schleimbarriere im Darm die Ursache für chronische Entzündungsprozesse im Dickdarm sein könnte. Sie haben entdeckt, dass Phosphatidylcholin tatsächlich ein wichtiger Bestandteil für eine intakte Schleimbarriere zu sein scheint.

Die meisten Colitispatienten produzieren offensichtlich zu wenig davon - bis zu 70 Prozent weniger im Vergleich mit Gesunden. Bei den Patienten ist die Schleimschicht des Darmes unzureichend gegen eindringende Bakterien geschützt. Die Folge: Es kommt zur Entzündung.

Als Therapie-Option geprüft wird jetzt Phosphatidylcholin in einer Magensaft-resistenten Kapsel verpackt. Sie zerfällt erst im Dünndarm, und die Wirksubstanz wird im terminalen Ileum freigesetzt. Die Schleimhaut wird dadurch stabilisiert und die Entzündung geht zurück.

Der klinische Effekt dieser Therapie konnte in einer Pilotstudie belegt werden. Bei 54 von 60 Patienten (90 Prozent) mit einer kortisonpflichtigen Colitis ulcerosa besserte sich die Entzündung innerhalb von drei Monaten deutlich, in der Placebo-Gruppe waren es nur zehn Prozent.

"Jetzt wollen wir die Zulassung erreichen", sagte Stremmel. Er stellt den Effekt der Lecitintherapie dem des Kortisons gleich - jedoch ohne unerwünschte Wirkungen.

Patienten mit Colitis ulcerosa werden für die Studie angemeldet bei: wolfgang.stremmel@med.uni-heidelberg.de



Operations-Technik bei Colitis

An der chirurgischen Uniklinik Heidelberg wird in einer weiteren Studie mit CED-Patienten geprüft, ob eine notwendige Entfernung des Dickdarms auch minimal-invasiv möglich ist. Und ob minimal-invasiv oder mit konventionellem Bauchschnitt die besseren Ergebnisse erzielt werden können. An der Studie sind Zentren in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter der Ägide des Interdisziplinären Zentrums für chronisch entzündliche Darmerkrankungen (CED) der Uni Heidelberg beteiligt. (bd)

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