Spezielle Betreuung für Patienten mit Ess-Störungen vereinbart

STUTTGART (mm). Einen neuartigen Vertrag mit dem "Netzwerk Essstörungen im Ostalbkreis" hat die AOK Baden-Württemberg abgeschlossen. 20 Hausärzte, Fachärzte, Psychologen und Therapeuten gehören dem Netz an.

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Ziel der neuen Kooperation ist es, Patienten mit Magersucht, Ess-Brech-Sucht oder auch Fettsucht nicht nur ein individuelles Behandlungskonzept anzubieten. Es gelte auch, die Kooperation und Kommunikation aller beteiligten Ärzte, Betreuer und der AOK zu verbessern, berichten Dr. Ulrich Brickwedde und Dr. Martin von Wachter, die beiden Vorsitzenden des neu gegründeten Vereins.

"Ein Arzt des Vertrauens" betreue den betroffenen Patienten primär, ergänzt Dr. Christopher Hermann, stellvertretender AOK-Vorstandschef in Baden-Württemberg. Dieser Vertrauensarzt werde engmaschig vom interdisziplinären Team des Netzwerkes unterstützt. Klinikeinweisungen sollen dabei soweit möglich vermieden, AOK eigene Gesundheitsangebote, wie zum Beispiel zur Ernährungsberatung, mit einbezogen werden.

"Die Erkrankung, die vor allem zu Beginn von Betroffenen und deren Angehörigen nur selten erkannt wird, nimmt oft einen dramatischen, chronischen Verlauf", macht Neurologe Brickwedde deutlich. Mit niedrigschwelligen Angeboten solle hier entgegen gewirkt werden.

Für seine Einschreibung in den Vertrag erhält der "Arzt des Vertrauens" einmalig 50 Euro, für jede weitere Einschreibung eines Patienten zehn Euro, und für deren Betreuung pro Quartal weitere zehn Euro. Die Teilnahme an Qualitätszirkeln wird dem Mediziner mit 50 Euro pro Quartal von der Kasse honoriert.

"Wir zahlen zudem an das Netzwerk weitere Pauschalen, so zum Beispiel für Patienten in der Motivationsphase 1400 Euro pro Jahr, oder für Kranke in der Trainingsphase jährlich 2400 Euro", so Hermann. Für die Nachsorge gingen dann weitere 1375 Euro pro Jahr an das Netzwerk. Der Verein verteile dieses Honorar an seine Mitglieder entsprechend der von ihnen erbrachten Leistungen. Hermann erwartet von dem neuen IV-Vertrag für die AOK eine Kostenersparnis von über 50 Prozent der bisherigen Aufwendungen für diese Patientengruppe.

"Werden diese Patienten nicht bereits frühzeitig betreut, so kommt es bei schlecht verlaufenden Krankheitsfällen sehr schnell zu einem Klinikaufenthalt von drei bis vier Monaten, berichtet Hermann. Pro Patient entstünden schnell Kosten in Höhe von 20 000 Euro.

Das Konzept basiert auf der aktuellen nationalen Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.

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