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HINTERGRUND

Spritzen gegen Sucht - Impfstoffe für Raucher sind in Sicht

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Von Miriam Bandar</</b>

Millionen Süchtigen winkt Hilfe: Forscher von Firmen aus den USA, Großbritannien und der Schweiz arbeiten an Impfstoffen gegen gängige Süchte, allen voran gegen das Rauchen. "In spätestens drei Jahren ist das erste Produkt auf dem Markt", sagt der Leiter des US-National Institute on Drug Abuse, Dr. Frank Vocci. Impfstoffe gegen Rauchen werden bereits in großen klinischen Studien getestet. Doch nicht alle glauben an den Erfolg der Spritzen. Denn die Abhängigkeit sei weit mehr als nur ein körperliches Phänomen, sagen Suchtexperten.

Allein in Deutschland sterben nach dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht jährlich 140 000 Menschen an den Folgen des Rauchens, 33 Prozent der Bevölkerung gelten als nikotinabhängig. Hinzu kommen bis zu 300 000 Menschen, die illegale Drogen konsumieren. Auch ihnen will Vocci mit Impfungen gegen Kokain und Heroin helfen. Gegen die Volksdroge Alkohol, die allein in Deutschland geschätzte 10 Millionen Menschen in riskanter Weise konsumieren, ist aber keine Impfung in Sicht.

Der Durchbruch beim Rauchen gelang den Forschern mit einer ungewöhnlichen Paarung: Sie verbanden das Nikotinmolekül mit dem Eiweiß eines Krankheitserregers (etwa dem Cholerabakterium). Damit waren die Testpersonen nach der Impfung mit dem neuen Partnermolekül nicht nur gegen Cholera immun, sondern Antikörper blockierten auch die Wirkung des Nikotins.

Hausärzte könnten Raucher künftig monatlich impfen

In der ersten Phase sollen mit der Spritze Abhängige behandelt werden. Ein Raucher könnte sich dann monatlich von seinem Hausarzt impfen lassen, damit sein Körper immer mehr Antikörper gegen Nikotin bildet. Raucher könnten dadurch nach Angaben der Forscher ohne Entzugserscheinungen in wenigen Monaten vom Glimmstängel loskommen. Dabei hat die Impfung einen entscheidenden Vorteil gegenüber gängigen Entzugsmethoden: Wird ein Raucher nach der Spritze rückfällig, spürt er die Wirkung des Nikotins nicht mehr. "Das Verlangen nach einer Zigarette ist weg", sagt Vocci.

Erweist sich die Behandlung als wirksam, kann sich der Experte auch die präventive Impfung beispielsweise von Jugendlichen gegen Drogen vorstellen. Bislang muss der Schutz allerdings alle drei Monate aufgefrischt werden: "Das ist noch ein Problem." Außer den üblichen unerwünschten Reaktionen bei einer Impfung - etwa ein Brennen der Einstichstelle oder ein Grippegefühl - verursache die Anti-Drogen-Spritze keine Probleme.

Präparate beeinflussen die Psyche von Abhängigen nicht

Suchtexperten warnen jedoch vor überzogenen Hoffnungen. "Ich denke nicht, dass ein rein pharmakologisches Mittel helfen kann", sagt die Leiterin des Bereichs Suchtforschung und Suchttherapie an der Medizinischen Universität Wien, Dr. Gabriele Fischer. Bei Süchten spiele die Psyche eine mindestens genauso große Rolle wie der Körper. Selbst wenn die Spritze kurzfristig gegen eine Drogensucht hilft, fürchtet Fischer, dass die Betroffenen in eine andere Abhängigkeit wie Magersucht abgleiten könnten. "Wir müssen die Patienten im Gesamten sehen und behandeln." Wissenschaftliche Erkenntnisse stützen diese Einwände: Mediziner haben herausgefunden, dass bei jeder Art von Sucht ähnliche Prozesse im zentralen Nervensystem ablaufen - egal ob der Patient von Heroin oder von Computerspielen abhängig ist. Auch löst nicht nur der Drogen-Wirkstoff im Körper etwas aus, allein der Glaube oder der Akt des Konsums reichen für einen "Kick". "Wenn jemand ein Mittel einnimmt und dabei glaubt, dass es therapeutisch wirkt, werden allein durch diese Vorstellung im Gehirn Dopamin und Endorphine ausgeschüttet und über das Opioidsystem das erwartete Wohlgefühl erzeugt", erklärt der Mediziner an der US-Universität Michigan, Professor Jon-Kar Zubieta.

Selbst für Vocci sind die Impfungen nicht das einzige Mittel im Kampf gegen die Sucht. Auch er hält eine psychologische Begleitung des Süchtigen für notwendig. "Wir wollen dem Patienten nicht einfach ein Medikament geben und dann ist alles gut", sagt er. Dennoch seien die Impfstoffe eine große Hilfe bei der Behandlung von körperlichen Entzugserscheinungen.

(dpa)

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.aerztezeitung.de Schnellsuche mit "Rauchen".

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