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Nach Insult

Statine zur Anfallsprophylaxe?

Durch Statintherapie in der Akutphase eines ischämischen Hirninfarkts können möglicherweise epileptische Frühanfälle verhindert werden.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:

CHENGDU. Patienten mit ischämischem Schlaganfall könnten von dem frühen Beginn einer Statintherapie gleich zweifach profitieren: CSE-Hemmer senken nicht nur das Risiko eines erneuten Insults, sie können möglicherweise auch vor epileptischen Frühanfällen schützen.

Darauf deutet eine prospektive Kohortenstudie aus China hin (Neurology 2015; 85(8): 701-707). Der Anteil der Patienten, die zwei Jahre nach dem Hirninfarkt an Epilepsie erkrankten, war jedoch statinunabhängig.

1832 Patienten untersucht

An der Studie beteiligten sich 1832 Patienten mit einem erstmaligen Schlaganfall, aber ohne Epilepsie in der Vorgeschichte. 1391 erhielten in der akuten Phase ein Statin (meist Atorvastatin), darunter 114 Patienten, die schon vorher lipidsenkend behandelt worden waren.

In den ersten sieben Tagen nach dem Schlaganfall erlitten 63 Patienten (3,4 Prozent) einen epileptischen Anfall, meist ereignete er sich bereits in den ersten 24 Stunden. Die Betroffenen hatten im Vergleich zu Patienten ohne epileptischen Anfall schwerere Hirninfarkte erlitten und wiesen häufiger eine Hypertonie auf.

52,4 Prozent der Patienten mit Frühanfall waren Statinanwender - von den in der ersten Woche anfallsfreien Patienten waren es 77,6 Prozent. Die Anwendung der Lipidsenker ging also mit einer geringeren Häufigkeit von Frühanfällen einher.

Der Unterschied war auch dann noch signifikant, wenn der Einfluss anderer Faktoren wie Alter, Ätiologie und Schweregrad des Schlaganfalls, Bluthochdruck und Serumcholesterin berücksichtigt wurde (Odds Ratio, OR 0,35).

Epilepsierate statinunabhängig

Eine Epilepsie entwickelten in der mittleren Nachbeobachtungszeit von 2,5 Jahren 91 Patienten (5 Prozent). Anders als bei den Frühanfällen war hier jedoch nach dem Abgleich von anderen Einflussfaktoren kein Zusammenhang mit einer Statintherapie zu erkennen.

Eine mögliche Schutzwirkung war nur bei Patienten mit Frühanfällen festzustellen (von denen keiner nach dem ersten Anfall ein Antiepileptikum erhalten hatte): Von den 33 Statinanwendern erkrankten 6 an einer Epilepsie, bei den 30 Nichtanwendern waren es 14 und damit signifikant mehr.

Laut den Studienautoren um Jiang Guo von der Universität Chengdu sprechen die Ergebnisse für eine antiepileptogene Wirkung von Statinen bei Patienten mit ischämischem Schlaganfall: "Statine in der akuten Phase gegeben könnten das Risiko von Frühanfällen reduzieren. Darüber hinaus könnten sie bei Patienten, die einen Frühanfall erleiden, das Risiko für eine Epilepsie mindern."

Statine verfügen neben der LDL-Cholesterin-senkenden Wirkung über pleiotrope neuroprotektive Effekte. Für eine Schutzwirkung gegenüber Frühanfällen postulieren Guo und Kollegen drei Mechanismen: CSE-Hemmer mindern die exzitatorische Wirkung des durch die akute Ischämie vermehrt freigesetzten Glutamats, verkleinern das Infarktvolumen und / oder setzen die Permeabilität der Blut-Hirn-Schranke herab.

Die chinesischen Neurologen hatten allerdings erwartet, durch die Lipidsenker auch in der Gesamtgruppe die Häufigkeit einer Epilepsie reduzieren zu können.

Dass dies nicht der Fall war, könnte ihrer Ansicht nach mit einem Verdünnungseffekt zu tun haben, weil die überwiegende Anzahl der Patienten ohne Frühanfall eine niedrige Erkrankungshäufigkeit hatte (4 vs. 32 Prozent mit Frühanfall).

Guo und Kollegen betonen allerdings, dass es sich bei ihren Befunden nur um "anfängliche Evidenz" handele. Wegen des Beobachtungscharakters der Studie müssten die Ergebnisse durch größere Studien validiert werden.

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