Krebserkrankung im Kindesalter

Studie zu Spätfolgen gestartet

Mit dem Ziel, die Spätfolgen von im Kindes- und Jugendalter erlittenen Krebserkrankungen besser zu verstehen, startet an der Universitätsmedizin Mainz jetzt eine Forschungskooperative. Die Ergebnisse sollen helfen, Prävention und Therapien zu verbessern.

Veröffentlicht: 17.09.2013, 10:04 Uhr

MAINZ. Wer im Kindes- und Jugendalter eine Krebserkrankung hatte, ist im Erwachsenenalter sehr gefährdet, einen Zweittumor oder ein Spätrezidiv zu bekommen. Zudem zeigen ausländische Krebsregisterdaten bei dieser Personengruppe ein erhöhtes Risiko für eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Mit dem Ziel, diese Spätfolgen besser zu verstehen, startet an der Universitätsmedizin Mainz jetzt eine interdisziplinäre Forschungskooperative. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert dieses Projekt mit knapp 600.000 Euro, heißt es in einer Mitteilung der Universitätsmedizin.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Erkrankungs- und Todesursache in den westlichen Industriestaaten. Gemäß den Daten des Statistischen Bundesamtes verstarben 2011 rund 342.200 Frauen und Männer an einer Erkrankung des Herz-Kreislauf-Systems. Das ist nahezu jeder zweite Todesfall in Deutschland.

Jedes Jahr erleiden in Deutschland fast 300.000 Menschen einen Herzinfarkt, über 170.000 sterben an dessen Folgen. Eine britische Studie stellte fest, dass als Kind an Krebs erkrankte Erwachsene - mindestens bis zum Alter von etwa 50 Jahren - etwa viermal häufiger an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sterben als erwachsene Personen ohne vergleichbare Vorerkrankung.

Herz-Kreislauf-System im Blickpunkt

Das von der Pädiatrischen Hämatologie/Onkologie des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsmedizin Mainz, dem Deutschen Kinderkrebsregister am IMBEI und der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz gemeinsam durchgeführte Projekt trägt die Bezeichnung "Cardiac and vascular late sequelae in long-term survivors of childhood cancer (CVSS)".

Es richtet den Fokus auf die Untersuchung von rund 1.000 Erwachsenen, die im Zeitraum von 1980 bis 1990 an Krebs erkrankt waren.

Das Forschungsinteresse zielt auf ein besseres Verständnis der Spätfolgen von Krebserkrankungen und der Auswirkungen von Therapien im Kindes- und Jugendalter auf das Herz-Kreislauf-System ab.

Auf der Grundlage neuer Forschungserkenntnisse erhoffen sich die beteiligten Wissenschaftler zudem, zur Prävention dieser Spätfolgen beitragen zu können.

Professor Thomas Münzel wird hierzu in der Mitteilung zitiert: "Die Infrastruktur der Gutenberg-Health-Study (GHS) schafft ideale Voraussetzungen für eine hochstandardisierte Untersuchung und Charakterisierung der Studienteilnehmer.

Mit der CVSS-Studie werden wir die Spätfolgen von Krebserkrankungen und ihren Therapien auf das Herz-Kreislauf-System sehr viel besser verstehen und daraus Empfehlungen für gezielte Vorsorgeuntersuchungen ableiten können."

Was die CVSS-Studie von vorangegangenen Studien unterscheidet: Bislang wurden Erkenntnisse zum Sachverhalt hauptsächlich aus Daten von Befragungen oder der Untersuchung von kleinen Patientenkohorten (ein paar hundert Patienten) gewonnen.

Im Gegensatz dazu führen die Wissenschaftler bei CVSS ausführliche klinische Untersuchungen durch, die es ermöglichen eine subklinische - also vom Patienten noch nicht bemerkbare - Erkrankung zu erkennen. Weltweit wird dies die größte Untersuchungsstudie mit Patienten mit einer vorangegangenen Krebserkrankung im Kindesalter sein.

Für die Durchführung des Projektes werden die Wissenschaftler das Studienzentrum und die Logistik der Gutenberg-Gesundheitsstudie (GHS) nutzen. (eb)

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