Dänische Studie

Tendinopathie – Injektionen ergänzen Training

Bei einer chronischen Tendinopathie der Achillessehne profitieren Patienten mehr von einer zusätzlichen Injektion von thrombozytenreichem Plasma oder einer kortisonhaltigen Lösung als von einem exzentrischen Training allein.

Von Peter LeinerPeter Leiner Veröffentlicht: 21.07.2017, 06:21 Uhr
Tendinopathien der Achillessehne: Die Ferse schmerzt.

Tendinopathien der Achillessehne: Die Ferse schmerzt.

© cirquedesprit / Fotolia

KOPENHAGEN. Aus Fallserien gibt es Hinweise, dass sich durch großvolumige Steroidinjektionsbehandlungen bei chronischen Tendinopathien der Achillessehne Symptome wie Schmerzen lindern lassen. Über Erfolge wird auch mit der Injektion von autologem thrombozytenreichem Plasma berichtet.

In bisherigen randomisierten kontrollierten Studien wurde jeweils nur eine Injektion verabreicht. Dänische Sportmediziner um Dr. Anders Ploug Boesen unter anderem vom Bispebjerg Hospital in Kopenhagen haben deshalb in einer doppelblinden randomisierten prospektiven Studie den Nutzen der verschiedenen Strategien mit teils mehrfachen Injektionen überprüft.

An dieser Studie nahmen 60 Patienten des Instituts für Sportmedizin in Kopenhagen im Alter zwischen 18 und 59 Jahren teil (Am J Sports Med 2017; online 22. Mai).

 Die ansonsten gesunden Männer hatten eine klinisch und per Ultraschall bestätigte chronische Tendinopathie der Achillessehne, und zwar im mittleren Abschnitt zwei bis sieben Zentimeter proximal zum Sehnenansatz an der Ferse. Symptome bestanden mindestens seit drei Monaten.

Regelmäßiges Training der Studienteilnehmer

Ergebnisse einer dänischen Studie

- Die VISA-A-Verbesserungen waren nach 24 Wochen in der Steroidgruppe und auch nach Plasmainjektionen signifikant stärker als in der Placebogruppe. Mit dem VISA-A-Fragebogens werden Schmerzen und Sehnenfunktion beurteilt.

- Auch die Schmerzen während körperlicher Aktivität wurden in den Verumgruppen stärker gelindert als in der Placebogruppe.

Alle Studienteilnehmer unternahmen regelmäßig ein exzentrisches Training, und zwar zweimal täglich über zwölf Wochen nach dem Alfredson-Programm mit einbeiniger exzentrischer Sprunggelenks-Dorsalextension, 180 Wiederholungen pro Tag auf zwei Einheiten verteilt. Direkt nach den Injektionen waren zwei Tage Pause erlaubt. In jeder Studiengruppe befanden sich 20 Teilnehmer.

In der Gruppe mit Steroidinjektion wurde ultraschallgeführt eine Lösung aus 10 ml 0,5%igem Bupivacain und etwa 20 mg Methylprednisolon (Depo-Medrol®) injiziert, gefolgt von viermal 10 ml Kochsalzlösung, bei einem Gesamtvolumen von 50 ml.

Die Kochsalzlösung wurde rasch injiziert, um einen mechanischen Effekt zu erzielen. Die Injektionen erfolgten nur zu Studienbeginn, gefolgt von drei Placeboinjektionen im Abstand von zwei Wochen.

Das autologe Plasmapräparat schließlich wurde kurz vor der Injektion aus 10 ml venösem Blut zubereitet und ohne Lokalanästhesie viermal im Abstand von jeweils zwei Wochen gespritzt (jeweils 4 ml). Patienten der dritten Gruppe wurde nur Kochsalzlösung injiziert.

Primärer Studienendpunkt waren Schmerzen und Sehnenfunktion, beurteilt mithilfe des VISA-A-Fragebogens mit maximal 100 Punkten (schmerzlos und vollständig funktionsfähig).

Als sekundäre Endpunkte wählten die Ärzte unter anderem Schmerzen während körperlicher Aktivität, beurteilt anhand der visuellen Analogskala (VAS), Sehnendicke und -vaskularisierung.

Vorteile in beiden Gruppen gegenüber dem Placebo

Wie Boesen und seine Kollegen berichten, waren die VISA-A-Verbesserungen nach 24 Wochen sowohl in der Steroidgruppe als auch nach Plasmainjektionen signifikant stärker als in der Placebogruppe.

In der Steroidgruppe stieg der VISA-A-Wert um 22,2 ± 4,6 Punkte, in der Plasmagruppe um 19,6 ± 4,5 Punkte und in der Placebogruppe nur um 8,8 ± 3,3 Punkte, und zwar bei einem jeweils ähnlichen Ausgangswert von 52,5, 58,1 bzw. 59,2 Punkten.

Auch die Schmerzen wurden in den Verumgruppen stärker gelindert als in der Placebogruppe. Nach 24 Wochen hatte sich in der Steroidgruppe der VAS-Wert um 34,1 ± 6,5 mm verringert, in der Plasmagruppe um 37,1 ± 6,2 mm und in der Placebogruppe nur um 18,1 ± 6 mm verringert.

Schließlich wurde im Vergleich zur Placebogruppe eine signifikante Verringerung der per Ultraschall gemessenen Sehnendicke in beiden Verumgruppen nach 24 Wochen festgestellt.

Nach Angaben der Wissenschaftler liefert die Studie Hinweise darauf, dass die Steroidinjektion kurzfristig – also nach sechs bis zwölf Wochen – bessere Ergebnisse liefert als mittelfristig (nach 24 Wochen). Dies gelte für die Schmerzlinderung, die Funktionsverbesserung und die Zufriedenheit der Patienten.

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Kommentare
Veröffentlichte Meinungsäußerungen entsprechen nicht zwangsläufig der Meinung und Haltung der Ärzte Zeitung.
Frank Weinert

Hochvolumen-Injektion, nicht Kortisonspritze

Sehr geehrter Herr Leiner,

bevor die Leser Ihres Artikels falsche Schlussfolgerungen aus der so von Ihnen zitierten Therapieformen ziehen:
HVI (= high volume injection) ist eine Injektion mit einer Mischung aus Lokalanaesthetikum und Kochsalz. Es werden einmalig insgesamt 50 ml Volumen anterior zwischen Sehne und umgebendes Gewebe injiziert um eine mechanischen Effekt zu erzielen. Kortison ist dieser Lösung nur beigemischt und nicht die Hauptwirkkomponente. Unterschiedliche Studien konnten bislang nachweisen, dass der Therapieeffekt einer Hochvolumeninjektion auch ohne die Beimischung von Kortison erzielt wird.
HVI als Steroidinjektion zu bezeichnen ist definitiv nicht korrekt und fordert fast dazu auf beim nächsten Patienten lediglich Kortison an die Achillessehne zu spritzen.
Davor kann ich nur ausdrücklich warnen, da die alleinigen Effekte von Kortison allenfalls kurz sind (4-6 Wochen), mittel bis langfristig die Nachwirkungen bis zur Rupurgefahr nicht absehbar sind.


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