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Testosteron punktet bei Herzschwäche

Testosteron verbessert die Belastbarkeit sowie metabolische Parameter bei Herzinsuffizienz. Die Zeit sei reif, das Hormon in einer Endpunktstudie zu testen, schreiben die Autoren einer Meta- Analyse.

Von Dirk Einecke Veröffentlicht:

VANCOUVER. Der altersbedingte Rückgang der Testosteron-Spiegel geht bei Männern mit einem Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft einher.

Oftmals sinken die Testosteron-Werte im Alter unter den Normbereich. Leiden Betroffene an Herzinsuffizienz oder an KHK, dann reduziert das Testosteron-Defizit Belastbarkeit und Lebenserwartung.

Die Pumpleistung des Herzens wird verbessert

Die Frage ist nun, ob eine Testosteron-Substitution bei kardiovaskulären Erkrankungen sinnvoll ist. Dafür gibt es Anhaltspunkte: Testosteron erhöht die Muskelmasse bei Gesunden. Bei Herzschwäche bessert Testosteron i.v. die Pumpleistung und reduziert den peripheren Gefäßwiderstand. Bei KHK bessert transdermales Testosteron den koronaren Blutfluss.

Klinische Studien, in denen Testosteron bei Herzschwäche untersucht wurde, sind rar, klein und von kurzer Dauer. Kanadische Forscher aus Vancouver haben vier qualitativ ausreichende, randomisierte, kontrollierte Studien mit in Summe etwa 200 Patienten gefunden und deren Ergebnisse in einer Meta-Analyse zusammengefasst (Circ Heart Fail 2012; 5: 315-321).

In zwei der Studien wurde das Hormon transdermal appliziert, in zweien intramuskulär. Die Behandlungsdauer variierte zwischen 12 und 52 Wochen. Das Ergebnis ist positiv: Die Testosteron-Therapie bessert die maximale Sauerstoffaufnahme sowie die körperliche Belastbarkeit - gemessen anhand von Gehtests - in einem signifikanten und nach Ansicht der Autoren klinisch relevanten Ausmaß.

Die gefundene Gehstrecken-Verlängerung im 6-Minuten-Gehtest von im Schnitt 54 Metern sei größer als die unter ACE-Hemmern oder Betablockern, die Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme um 2,7 ml/kg/min sei ausgeprägter als unter einer kardialen Resynchronisations-Therapie, argumentieren die Autoren.

35 Prozent der Patienten mit Testosteron-Therapie im Vergleich zu 10 Prozent in der Kontrollgruppe verbesserten zudem ihre NYHA-Klasse. Zudem besserten sich die Werte für Nüchtern-Glukose, Insulin und Insulin-Resistenz.

Lassen sich auch klinische Komplikationen verhindern?

Dies alles sind Surrogat-Parameter. Lassen sich auch klinische Komplikationen verhindern? Die Autoren plädieren dafür, dies nun in einer Endpunktstudie zu untersuchen.

Sie verweisen aber darauf, dass eine Testosteron-Substitution auch bei anderen Indikationen wie Krebs, Nieren- oder Lungenerkrankungen sowie bei HIV-Infektion die Werte von Surrogat-Parametern besserte, jedoch niemals klinische Endpunkte reduzierte.

Schließlich ist bekannt, dass hohe Dosen von Anabolika auch das Herz schädigen und die Prognose verschlechtern. Testosteron führt zu Wasser- und Salz-Retention.

Die 2010 publizierte TOM-Studie mit etwa 200 immobilen älteren Patienten musste vorzeitig abgebrochen werden, weil Testosteron das kardiale Risiko erhöhte: 23 versus 5 Patienten der Kontrollgruppe erlitten kardiovaskuläre Komplikationen.

Allerdings seien deutlich höhere Dosen verwendet worden als etwa in den Studien der Meta-Analyse, so die Autoren.

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