Direkt zum Inhaltsbereich

Neuartiger Antikörper

Therapie-Durchbruch bei Blasenkrebs?

Forschungsergebnisse aus den USA machen Hoffnung: Ein neuartiger Antikörper hilft Patienten mit metastasiertem Blasenkrebs, die auf Chemotherapie nicht mehr ansprechen. Für das Präparat gilt jetzt ein beschleunigtes Zulassungsverfahren.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Blasenkrebs: Haben Betroffene bereits Metastasen, ist die Chemotherapie wenig wirksam

Blasenkrebs: Haben Betroffene bereits Metastasen, ist die Chemotherapie wenig wirksam

© Sebastian Kaulitzki / fotolia.com

LONDON. Mit dem neuartigen Antikörper MPDL3280A von Genentech lassen sich bei Patienten mit metastasiertem Blasenkrebs, die auf eine Chemotherapie etwa mit Cisplatin nicht mehr ansprechen, noch hohe Ansprechraten erzielen.

Es handelt sich um ein gentechnisch hergestelltes monoklonales Immunglobulin G1, das die Wechselwirkung zwischen dem Eiweißmolekül PD-L1 (programmed death ligand 1) und dem Rezeptor PD1 sowie dem Zelloberflächenmarker CD80 (B7.1) auf T-Lymphozyten unterbindet.

Der Antikörper richtet sich gegen PD-L1. Dieser Ligand ermöglicht es Tumorzellen, die zelluläre Immunabwehr gewissermaßen zu unterwandern.

PD-L1 lässt sich in Tumoren (außer auf Krebszellen) auch auf den tumorinfiltrierenden Immunzellen nachweisen und bremst die Immunabwehr gegen den Tumor aus. Der Antikörper verhindert das.

Patienten in schlechter körperlicher Verfassung

An einer Phase-1-Studie dazu nahmen 68 von über 200 getesteten Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung teil. 30 Patienten hatten PD-L1-positive Tumoren, wie Onkologen um Dr. Thomas Powles von der Universität London berichten (Nature 2014; 515: 558).

Fast 93 Prozent der Patienten hatten zuvor eine Cisplatin- oder Carboplatinbehandlung erhalten. Bei 42 Prozent waren vor der Immuntherapie mindestens zwei systemische Krebsbehandlungen vorgenommen worden.

Die meisten Patienten waren in schlechter körperlicher Verfassung. 75 Prozent hatten viszerale Metastasen, bei jedem Fünften lag der Hb-Wert unter 10 g/dl und bei jedem Dritten die Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min.

Ergebnis: Nach sechs Wochen Follow-up hatten 43 Prozent der Patienten mit PD-L1-positiven Tumoren auf die Therapie angesprochen (13 von 30). Beurteilt wurde dabei eine Abnahme des Tumorvolumens nach den RECIST-Kriterien (Response Evaluation Criteria in Solid Tumors).

Von den PD-L1-negativen Patienten sprachen elf Prozent an (4 von 35 Patienten). Nach zwölf Wochen betrug die Ansprechrate bei den PD-L1-positiven bereits 52 Prozent. Die Patienten sprachen rasch auf die Behandlung an, im Median nach 42 Tagen.

Bei zwei Patienten ließ sich mit bildgebenden Verfahren auch im Verlauf der Studie kein Tumorgewebe nachweisen. Insgesamt sei die Behandlung gut vertragen worden, häufigste unerwünschte Wirkungen seien mit je 12 Prozent Fatigue und Appetitmangel gewesen, so die Onkologen.

Beschleunigtes Zulassungsverfahren

Andere Studien hatten bereits gezeigt, dass auch Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkrebs oder mit einem Melanom von einer Behandlung mit dem monoklonalen Antikörper profitieren.

Wegen der positiven Daten hat die US-Zulassungsbehörde FDA dem Präparat den "breakthrough designation"-Status verliehen.

Bei Präparaten mit diesem Status zur Behandlung von Patienten mit schweren oder lebensbedrohlichen Erkrankungen wird das Zulassungsverfahren beschleunigt.

Ein Kriterium für den Status in einer frühen Phase der klinischen Entwicklung ist, dass das Präparat wenigstens in einem klinischen Endpunkt besser ist als bisher verfügbare Therapien.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Studie MajesTEC-3: progressionsfreies Überlebenc

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Neue Therapieoption beim rezidivierten oder refraktären Multiplen Myelom (RRMM)

Teclistamab-Daratumumab erzielt bislang unerreichten PFS-Vorteil bei RRMM ab dem 1. Rezidiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Janssen-Cilag GmbH, a Johnson & Johnson company, Neuss
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Akute Belastung versus chronische Schäden

Marathonläufer sollten ihren Nierenstatus kennen

Lesetipps
Koloskopie, Blick auf den Monitor

© Issara - stock.adobe.com

Anstoß zur Diskussion

Darmkrebs: Ist die koloskopische Überwachung falsch aufgestellt?

Ein Arzt zählt mit den Fingern bis Drei.

© Arnéll Koegelenberg/peopleimages.com/stock.adobe.com

Regionaler Multimorbiditäts-Vergleich

Wo es relativ viele Ü-50-Jährige mit drei oder mehr chronischen Erkrankungen gibt