Bluthochdruck

Therapie in Eigenregie nützt Risikopatienten

Die Bluthochdruck-Behandlung anzupassen - das ist bislang Sache des Arztes. Dabei hat Selbstmanagement bei geeigneten Risikopatienten durchaus Vorteile, wie eine britische Studie zeigt.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Zum Hypertonie-Selbstmanagement eignen sich nach Erfahrungen 20 Prozent der Risikopatienten.

Zum Hypertonie-Selbstmanagement eignen sich nach Erfahrungen 20 Prozent der Risikopatienten.

© Maszlen / fotolia.com

OXFORD. Hochdruckpatienten mit gravierender kardiovaskulärer Komorbidität können die antihypertensive Medikation auf der Basis von Selbstmessungen und einem Stufenplan selbstständig anpassen. Das hat jetzt die TASMIN-SR-Studie ergeben.

Danach haben Patienten mit einem solchen Selbstmanagement nach einem Jahr einen signifikant niedrigeren Blutdruck (diastolisch und systolisch) als Patienten mit üblicher Versorgung durch Hausärzte.

Die Studienautoren um Richard J. McManus von der Universität Oxford haben die beiden Vorgehensweisen bei jeweils 276 Patienten in einer randomisierten Studie verglichen (JAMA 2014; 312: 799).

Probanden 70 Jahre alt im Mittel

Es handelte sich dabei um Risikopatienten im mittleren Alter von 70 Jahren mit Zustand nach Schlaganfall oder KHK oder auch mit Diabetes oder Niereninsuffizienz.

Ihr Blutdruck war mit Antihypertensiva auf 143,1/80,5 bzw. 143,5/80,2 mmHg eingestellt (Selbstmanagement-Gruppe: im Mittel 2,4 Tagesdosen, Kontrollgruppe: 2,2 Tagesdosen).

Beim Selbstmanagement sollte der Blutdruck in der ersten Woche eines Monats täglich zweimal gemessen werden. Lagen vier dieser Messungen in zwei aufeinanderfolgenden Monaten über den Zielvorgaben, sollte die antihypertensive Therapie gemäß einem individuellen Schema intensiviert werden; bei sehr hohen Werten (über 180/100 mmHg) war ein Arzt hinzuzuziehen.

Als Blutdruckziele waren 120/75 mmHg (Selbstmessung ) und 130/80 mmHg (Praxismessung) definiert. Nach zwölf Monaten hatten die Patienten der Selbstmanagement-Gruppe einen mittleren Wert von 128,2/73,8 mmHg.

Unter Berücksichtigung des Ausgangsblutdrucks lag der systolische Druck damit um 9,2 und der diastolische um 3,4 mmHg niedriger als in der Kontrollgruppe (137,8/76,3 mmHg).

Ein signifikanter Vorteil des Selbstmanagements war schon nach sechs Monaten zu erkennen - die Werte waren dann bereits im Mittel 6,1 mmHg (systolisch) und 3,0 mmHg (diastolisch) niedriger.

Keine Unterschiede bei Nebenwirkungen

Die Verordnung von Antihypertensiva hatte während des Jahres in beiden Gruppen zugenommen, in der Interventionsgruppe mit einem Plus von 0,91 definierten Tagesdosen mehr als in der Kontrollgruppe mit 0,41 zusätzlichen Tagesdosen.

Bei den Nebenwirkungen gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Strategien. Auch Schwindel, Impotenz oder Hautausschlag (Rash) traten ähnlich häufig auf. Die Lebensqualität wurde von den Patienten beider Gruppen ebenfalls gleich gut bewertet.

Dass Selbstmanagement die Blutdruckkontrolle verbessern kann, ist bereits belegt. Erstmals wurde jedoch gezeigt, dass davon auch kardiovaskuläre Hochrisiko-Patienten profitieren.

Der Nutzen sollte bei ihnen sogar deutlich größer sein. Laut McManus und Kollegen ist der nach einem Jahr erzielte Vorsprung gegenüber der normalen Versorgung mit einem etwa 30-prozentigen Rückgang des Schlaganfallrisikos verbunden.

Bei schlecht kontrollierten Hypertonikern mit kardiovaskulären Begleiterkrankungen sollte daher ein Selbstmanagement in Erwägung gezogen werden. Nach den Erfahrungen kämen etwa 20 Prozent dieser Patienten dafür infrage.

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