Direkt zum Inhaltsbereich

Telestroke

Thrombolyse so sicher wie bei Diagnostik vor Ort

Patienten mit ischämischem Schlaganfall profitieren von einer intravenösen Thrombolyse auf Basis von Telestroke so gut wie Patienten in einem Schlaganfallzentrum mit der Diagnostik vor Ort.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
In ländlichen Regionen ist der Weg zur nächsten Stroke Unit häufig immer noch sehr weit.

In ländlichen Regionen ist der Weg zur nächsten Stroke Unit häufig immer noch sehr weit.

© SDSH

DRESDEN. Die virtuelle Betreuung gewinnt auch in der Neurologie an Bedeutung, um die Versorgung bei akutem Schlaganfall in Regionen ohne entsprechende Kliniken zu verbessern. Neurologen um Dr. Jessica Kepplinger von der Universitätsklinik in Dresden haben zur Überprüfung der Sicherheit und Effektivität der Telestroke-Diagnostik bei akutem ischämischem Schlaganfall für ihre Metaanalyse insgesamt sieben aus mehr als 500 wissenschaftlichen Publikationen ausgewertet (Neurology 2016; online 26. August).

Zwei Studien waren randomisiert kontrolliert, fünf waren nicht randomisierte Beobachtungsstudien, alle waren prospektiv. Bei den randomisierten Studien erfolgte in der Kontrollgruppe nur eine telefonische Beratung mit dem jeweiligen Schlaganfallzentrum, in den übrigen Studien wurden die Patienten in spezialisierten Schlaganfallzentren behandelt.

Mehr als 1800 Patienten untersucht

Insgesamt wurden 1863 Schlaganfallpatienten mit tPA (tissue plasminogen activator) behandelt. Studien mit Patienten, bei denen die intravenöse Thrombolyse später als drei Stunden nach dem Ereignis vorgenommen worden war, wurden von der Metaanalyse ausgeschlossen, ebenso Studien mit nicht prospektivem Design.

Studienendpunkte waren symptomatische intrazerebrale Blutungen, Mortalität und funktionelle Unabhängigkeit, beurteilt mithilfe der modifizierten Rankin-Skala.

Wie die Ärzte berichten, gab es beim Parameter Blutungsrate keinen signifikanten Unterschied zwischen den Patienten, die mit Unterstützung der Telestroke-Technik versorgt worden sind, und jenen, die tPA in einer Stroke-Unit erhalten hatten (Risk Ratio [RR]: 1,01, 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,37 und 2,80; p = 0,978).

Auch in puncto Mortalität (RR: 1,04; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,74 und 1,48; p =0,806) und funktionelle Unabhängigkeit (RR: 1,11; 95%-Konfidenzintervall zwischen 0,78 und 1,57; p = 0,565) drei Monate nach der Behandlung gab es keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Fokus auf Drei-Stunden-Fenster

Die Neurologen betonen, dass der Fokus der berücksichtigten Studien auf dem Drei-Stunden-Zeitfenster lag und damit keine Aussagen darüber gemacht werden können, wie sicher und effektiv die Thrombolyse innerhalb eines Telestroke-Netzwerkes im Zeitfenster drei bis viereinhalb Stunden nach dem Schlaganfall ist.

Alle sieben Studien liefen vor oder während der Veröffentlichung der ECASS-III-Studie (European Cooperative Acute Stroke Study III), in der die Sicherheit und der Nutzen der intravenösen Thrombolyse mit tPA innerhalb von drei bis viereinhalb Stunden nach Symptombeginn belegt worden ist (NEJM 2008; 359: 1317–1329).

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Hinweise aus Fall-Kontroll-Studie

Koffein als Trigger früher kryptogener Schlaganfälle?

Datenbankstudie

Wann DOAK wieder ansetzen nach Darmspiegelung?

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

162 Studien ausgewertet

Häufigkeit von zerebralen Aneurysmata nimmt zu

Lesetipps
Körpersprache ist stärker als das gesprochene Wort. Man kann aufgebrachten Patienten daher durchaus auch die Handfläche zeigen, also leicht ausgestreckter Arm, man zeigt die Handfläche und signalisiert dem Patienten „Stopp“, so Praxisberaterin Christiane Fleißner-Mielke.

© Doodeez / Stock.adobe.com

Praktische Tipps

Aufgebrachte Patienten? Wie Praxisteams sicher deeskalieren

Ärztin untersucht Schilddrüse

© Peakstock - stock.adobe.com

Systematische Ursachensuche

Therapierefraktäre Hypothyreose: Was steckt dahinter?