„Meilenstein-Studie“

Tiefe Hirnstimulation bei Parkinson besser als Schein-Stimulation

US-Forscher stärken die tiefe Hirnstimulation als Therapieoption bei Parkinson. In einer Studie haben sie die Technik einer Schein-Stimulation gegenübergestellt.

Veröffentlicht: 02.06.2020, 16:23 Uhr
Die stereotaktische Implantation von Elektroden für die tiefe Hirnstimulation ist eine etablierte Behandlung von Parkinson-Patienten.

Die stereotaktische Implantation von Elektroden für die tiefe Hirnstimulation ist eine etablierte Behandlung von Parkinson-Patienten.

© RFBSIP / stock.adobe.com

Berlin. Mehrere Studien haben bereits belegt, dass Parkinson-Patienten von einer tiefen Hirnstimulation (THS) profitieren. Dabei sei die THS aber immer mit der bestmöglichen Pharmakotherapie verglichen worden, so dass Placeboeffekte nie eingeschätzt werden konnten, erinnert die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN).

US-Forscher haben jetzt die THS mit einer Schein-Stimulation verglichen (Lancet Neurol 2020; 19: 491–501). „Im Ergebnis profitierten die Patienten klar von der ,echten’ Therapie, sie hatten mehr tägliche symptomfreie Zeit und eine deutlich höhere Lebensqualität“, fasst die DGN die Ergebnisse der Studie INTREPID zusammen.

313 Parkinson-Patienten nahmen teil

Die doppelblind randomisierte, Sham-kontrollierte Studie INTREPID an 23 Behandlungszentren der USA berücksichtigte im Zeitraum 2013 bis 2017 insgesamt 313 Parkinson-Patienten zwischen 22 und 75 Jahren, deren Erkrankungsdauer mindestens fünf Jahre betrug und die seit mindestens 28 Tagen stabil auf Medikamente eingestellt waren.

Eingesetzt wurde die neuere MICC-Technologie („multiple independent contact current-controlled“), mit der die Stromstöße kontrollierter appliziert werden können als mit der herkömmlichen Methode, berichtet die DGN in ihrer Mitteilung zur Veröffentlichung der Studie.

Allen Teilnehmern seien beidseitig THS-Elektroden in den Nucleus subthalamicus implantiert worden. Nach einer Zufallsverteilung sei die elektrische Stimulation über drei Monate entweder aktiv mit therapeutischer Dosierung der Stromdosis erfolgt (Verumgruppe) oder mit einer subtherapeutischen Stimulationsdosis (Sham-/Kontrollgruppe), so die DGN.

Nach den drei Monaten habe die fünfjährige Studienphase begonnen, in der alle Patienten eine Stimulation im therapeutischen Bereich erhalten.

Täglich drei Stunden mehr in „On-Phasen“

Die vorliegende Zwischenanalyse basiert auf den ersten 160 randomisierten Patienten nach insgesamt einem Jahr. 121/160 Patienten (76 Prozent) waren in der aktiven- und 39/160 (24 Prozent) in der Kontrollgruppe.

Nach der dreimonatigen Verblindungsphase sei der Unterschied hinsichtlich der Symptomkontrolle (primäres Studienziel, gemessen in Stunden der „On-Phasen“ gegenüber „Off-Phasen“) signifikant gewesen, fasst die DGN zusammen: Er habe in der Verumgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe mehr als drei Stunden täglich betragen. Und: Die Studie habe auch keine neuen Sicherheitssignale erbracht.

„Die Patienten zeigten einen deutlichen Nutzen dieser Therapie hinsichtlich der Verbesserung der Parkinson-spezifischen Bewegungsstörungen und der Lebensqualität. Die Studie stellt somit einen Meilenstein dar und wird dazu beitragen, die tiefe Hirnstimulation weltweit weiter zu etablieren“, wird Professor Günther Deuschl, Universität zu Kiel, in der Mitteilung der DGN zitiert.

Wichtig sei nun, die 5-Jahres-Ergebnisse abzuwarten und den Langzeiteffekt zu evaluieren. Weitere Studien seien darüber hinaus wichtig, um den Effekt und die Sicherheit verschiedener Stromstärken zur Stimulation zu untersuchen. (eb)

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