Direkt zum Inhaltsbereich

Trubel um Pradaxa: Vier Fachgesellschaften beziehen Stellung

Die Medienberichte über Todesfälle in Zusammenhang mit Pradaxa® haben viele Patienten, die einen Gerinnungshemmer nehmen, verunsichert. Vier deutsche Fachgesellschaften schätzen jetzt in einer gemeinsamen Erklärung die Risiken von Dabigatran ein.

Veröffentlicht:
Studiendaten belegen: Der Gerinnungshemmer Dabigatran hat Vorteile gegenüber Vitamin-K-Antagonisten.

Studiendaten belegen: Der Gerinnungshemmer Dabigatran hat Vorteile gegenüber Vitamin-K-Antagonisten.

© dpa

NEU-ISENBURG (ob). Berichte in der Tagespresse über Todesfälle und vermehrte Herzinfarkte in Zusammenhang mit der Einnahme des neuen Gerinnungshemmers Dabigatran (Pradaxa®) haben viele Patienten in Deutschland, die eine Antikoagulation benötigen, verunsichert.

Das konstatieren die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung (DGK), die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Herzstiftung (DHS) in ihrer aktuellen Stellungnahme.

"Deutliche Vorteile gegenüber den Vitamin-K-Antagonisten"

Nach sorgfältiger Prüfung der vorliegenden Studiendaten raten sie den Patienten dringend dazu, "diese Behandlung fortzuführen und - falls erforderlich - eine Änderung des Medikaments nur in enger Absprache mit ihrem behandelnden Arzt vorzunehmen".

In der Mitteilung wird die Einschätzung bekundet, dass die neue Generation oraler Antikoagulanzien wie Dabigatran und Rivaroxaban "deutliche Vorteile gegenüber den bereits länger als 50 Jahren eingesetzten Vitamin-K-Antagonisten" besitzen.

Danach weisen neue Gerinnungshemmer wie Dabigatran "in großen Studien bei gleicher Wirksamkeit ein geringeres Blutungsrisiko als Warfarin auf, bei besserer Wirksamkeit ein gleiches Blutungsrisiko".

Jährliche Todesrate deutlich geringer als prognostiziert

Nach Prüfung der vorliegenden Studiendaten sind die vier Fachgesellschaften zu der Schlussfolgerung gelangt, dass die in den Medienberichten zu Dabigatran genannte jährliche Rate an tödlichen Blutungen (63 pro 100.000 Patienten) "deutlich geringer (ist) als in der zulassungsrelevanten Studie (RE-LY) mit 0,23 Prozent (230 je 100 000 Patienten pro Jahr) prognostiziert".

Bei einer Behandlung mit dem in Deutschland gebräuchlichen Vitamin-K-Antagonisten Marcumar® "wäre eine Blutungsrate von 0,33 Prozent (330 je 100.000 Patienten pro Jahr) zu erwarten", heißt es in der Stellungnahme. Diese Daten seien von den Zulassungsbehörden bestätigt.

"Kein Grund anzunehmen, dass Dabigatran die Häufigkeit von Herzinfarkten steigert"

Die analysierten Studiendaten bieten den Fachgesellschaften zudem "keinen Grund anzunehmen, dass Dabigatran die Häufigkeit an Herzinfarkten im Vergleich zur Normalbevölkerung steigert".

In der RE-LY-Studie sei eine nicht signifikante Verminderung von Myokardinfarkten unter gut eingestellter Therapie mit Warfarin im Vergleich zu Dabigatran beobachtet worden.

Eine Überlegenheit des Vitamin-K-Antagonisten in der Infarktprävention sei mit den vorliegenden Daten aber nicht zu begründen.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

© William / Generated with AI / Stock.adobe.com

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Ofatumumab zeigt günstiges 8-Jahres-Sicherheitsprofil

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: WAYPOINT-Studie: schnelle und signifikante Reduktion des SNOT-22-Scores über 52 Wochen

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [6]

Schwere, unkontrollierte CRSwNP

Wirkansatz an epithelialen Alarminen

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Abb. 1: Signalkaskade der kardiovaskulären Inflammation

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [9]

Sekundärprophylaxe nach Herzinfarkt

Therapie der kardiovaskulären Inflammation senkt das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APONTIS PHARMA Deutschland GmbH & Co. KG
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Tipps

Sommerhitze: Das ist wichtig bei älteren Patienten

Deutsche Gesellschaft für Nephrologie

Post-COVID-Syndrom: Blutwäsche in Studie ohne Nutzen für Betroffene?

Lesetipps
Es muss nicht immer die ganze Packung sein. Bei Abklingen der Symptome reicht oft eine kürzere Dauer der Antibiotikatherapie.

© umang / stock.adobe.com

Kürzer ist oft besser

Wann ein Antibiotikum früher abgesetzt werden kann

Frau mit Restless-Legs-Syndrom liegt im Bett und wackelt mit den Beinen.

© Andrey Popov / stock.adobe.com

Achtung vor RLS-Mimics

Restless-Legs-Syndrom: Mit 5 Kriterien zur Diagnose

Mehrere Menschen im Gespräch

© Jacob Lund / stock.adobe.com

Wohlbefinden stärken

Wie sich psychische Erkrankungen im Praxisteam vorbeugen lassen