Direkt zum Inhaltsbereich

Üben für das Gespräch mit Krebspatienten

Diagnose Krebs: Das Gespräch darüber ist nicht nur für Patienten schwer. An der Uniklinik Heidelberg wird daher ein spezielles Training angeboten.

Von Marion Lisson Veröffentlicht:
Das Training soll Ärzte für schwierige Gesprächssituationen in der eigenen Praxis fit machen.

Das Training soll Ärzte für schwierige Gesprächssituationen in der eigenen Praxis fit machen.

© Foto: bilderboxwww.fotolia.de

Um Medizinern zu helfen, die richtigen Worte im Umgang mit Krebspatienten zu finden, bietet das Universitätsklinikum Heidelberg niedergelassenen Ärzten und Klinikern aktuell Kommunikationstrainingsprogramme an. "Wichtige, häufig wiederkehrende Themen sind zum Beispiel das Überbringen schlechter Nachrichten in allen Phasen von Krebserkrankungen, die Angst des Patienten vor bestimmten Therapieformen oder der Umgang mit Sterben und Tod", berichtet Dr. Monika Keller, Leiterin der Sektion Psychoonkologie an der Klinik für Psychosomatische und Allgemeine Klinische Medizin des Universitätsklinikums Heidelberg. Ziel der Initiative sei es außerdem, nicht nur die kommunikative Kompetenz von Ärzten in der Onkologie zu verbessern, sondern auch deren Belastung im Beruf spürbar zu vermindern.

Seit 2008 wird in Heidelberg trainiert

KoMPASS heißt das Projekt. Der Name steht für: Kommunikative Kompetenz zur Verbesserung der Arzt- Patienten-Beziehung durch strukturierte Fortbildung. Das Programm läuft in Heidelberg seit Frühjahr 2008. Das Projekt wurde von Ärzten und Psychologen des Universitätsklinikums Heidelberg initiiert. Deutschlandweit wird es insgesamt in sechs weiteren Krebszentren angeboten (siehe Kasten unten). Unterstützt wird es durch die Deutsche Krebshilfe.

Das Kommunikationstraining erfolge in kleinen Gruppen über zweieinhalb Tage mit erfahrenen Trainern, so Keller. Speziell ausgebildete Schauspieler übernehmen die Rolle von Patienten oder Angehörigen. Die Gespräche werden gefilmt und ausgewertet.

"Wichtig ist der hohe Anteil an praktischen Übungen sowie das Feedback der Trainer und der Gruppe, um an realistischen Szenarios zu arbeiten", sagt Keller. Dabei könnten ganz überraschende Erfahrungen gemacht werden. So könne zum Beispiel eine Situation, die der Arzt als unangenehm, oder eine Äußerung, die er als ungeeignet ansehe, vom Schauspieler-Patienten als wohltuend oder erleichternd empfunden werden.

Ärzte lernen, die Situation besser einzuschätzen

"Oder man erfährt, dass ,der Patient‘ ab einem bestimmten Moment aus dem Gespräch ausgestiegen ist und ihn viele Informationen nicht mehr erreicht haben", erzählt Kelller. In vielen Ländern gehörten solche Kommunikationstrainings bereits zur Facharztweiterbildung, so Projektgründerin Keller.

Die Erfolge des Heidelberger Trainingsprogramms würden im übrigen in einer wissenschaftlichen Begleituntersuchung ermittelt. Vor, unmittelbar im Anschluss und sechs Monate nach dem Kurs werde das Kommunikationsverhalten der Teilnehmer etwa per standardisiertem Fragebogen sowie Video-Dokumentation von Arzt-Patienten-Gesprächen analysiert. Können die Experten die Wirksamkeit von KoMPASS nachweisen, sollen Kommunikationstrainings künftig als obligatorischer Bestandteil der Facharztausbildung in der Onkologie etabliert werden.

Weitere Infos unter: www.klinikum.uni-heidelberg.de/KoMPASS.111389.0.html www.kompass-o.de

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Geldschein, teilweise bedeckt von Stethoskop

© photocrew / stock.adobe.com

Kostenstrukturanalyse

Privatanteil an den Einnahmen geht leicht zurück

Logo Beyond Imaging

© Beyond

Beyond Imaging

KI-gestützte Prostata- und Kopf-MRT

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Logo Diagnostic Results

© Diagnostic Results

Bioeksen

Molekulare PCR-Diagnostik am PoC

Kooperation | In Kooperation mit: Tag der Privatmedizin
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Abb. 1: MS-Krankheitsdynamik: Patientinnen und Patienten bewegen sich von frühen Stadien über Phasen fokaler Entzündung in fortgeschrittene, meist irreversible Stadien

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [4]

Multiple Sklerose heute

Praxisrelevante Daten im Fokus

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Risikopatienten identifizieren

Osteoporose: So verhindern Sie die (nächste) Fraktur

Ein Jahr ePA

Hausarzt berichtet: „ePA gehört zum Praxisalltag“

Lesetipps
Schematische Darstellung der Lunge mit Bakterienbesiedlung.

© Working Moments / stock.adobe.com

Mikrobiomforschung

Atemwegs-Dysbiose befeuert Lungenerkrankungen