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Aktiv gegen Polypharmazie

Überflüssige Medikamente absetzen? So ziehen Patienten mit

Polypharmazie lässt sich vermeiden, wenn man aktiv auf die Patienten zugeht. Die meisten Patienten und auch die Personen, die sie betreuen, möchten gerne Medikamente absetzen, wann immer dies möglich ist.

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:
Es ist sinnvoll, regelmäßig alle Medikamente zu überprüfen, die ein Patient einnimmt. Überflüssig gewordene Präparate sollten abgesetzt werden. Dabei ist es am besten, den Patienten mit einzubeziehen.

Es ist sinnvoll, regelmäßig alle Medikamente zu überprüfen, die ein Patient einnimmt. Überflüssig gewordene Präparate sollten abgesetzt werden. Dabei ist es am besten, den Patienten mit einzubeziehen.

© nensuria / Getty Images / iStockphoto (Symbolbild mit Fotomodell)

Bandar Sunway / Malaysia. Je mehr Medikamente ein Patient einnimmt, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Risiken durch die Medikamente irgendwann größer werden als ihr Nutzen. Mit der Polypharmazie (fünf oder mehr Medikamente täglich) steigt die Gefahr von Stürzen, Nebenwirkungen, Klinikeinweisungen und Tod. Um derartige Auswirkungen zu reduzieren, ist es deshalb sinnvoll, regelmäßig alle Medikamente, die ein Patient einnimmt, auf ihre aktuelle Notwendigkeit hin zu überprüfen und überflüssig gewordene Präparate gegebenenfalls abzusetzen.

Inwieweit Patienten und ihre Betreuungs- beziehungsweise Pflegepersonen mit einer solchen Maßnahme einverstanden sind, haben jetzt Yee Lin Chock von der Monash University Malaysia, Bandar Sunway, und Kollegen untersucht, indem sie 29 Studien zu dem Thema mit insgesamt 11.049 Patienten ausgewertet haben (J Gen Intern Med 2021, online 25. Juni). Sieben von ihnen hatten auch die Einstellung der Betreuungspersonen berücksichtigt. Die befragten Patienten waren im Schnitt 74, ihre Versorger 68 Jahre alt. Die Studien wurden mit Teilnehmern aus Ambulanzen, kommunalen Apotheken, Kliniken, Pflegeheimen sowie der Allgemeinbevölkerung durchgeführt. Die Bereitschaft der Patienten zum Absetzen der Medikamente wurde per Fragebogen (PATD, rPATD oder PPoD) eruiert.

Medikamentenversorgung als kommunikativer Prozess

Insgesamt zeigten sich 88 Prozent der Patienten damit einverstanden, eine Medikation auf den Vorschlag ihres Arztes hin zu beenden, wann immer dies möglich sei. Dabei war das Ergebnis der Befragung unabhängig von den Patienteneigenschaften, der Art des Studiensettings oder dem sozialwirtschaftlichen Status des Landes, in dem die Untersuchung stattfand. Gleichzeitig machten die Befragungen deutlich, dass die Patienten Wert darauf legten, in den Entscheidungsprozess und das Medikationsmanagement einbezogen zu werden. Deshalb, so Chock und Kollegen, sei es wichtig, vom ersten Rezept an kontinuierlich mit den Patienten über die Medikation zu sprechen, um sowohl über Risiken und Vorteile des Wirkstoffs zu informieren als auch die Präferenzen des Patienten kennenzulernen. Bei denen die Patienten versorgenden Personen lag der Anteil derer, die mit dem Absetzen einer Medikation gegebenenfalls einverstanden wären, bei 75 Prozent.

Da so viele Patienten Interesse daran hätten, weniger Medikamente einzunehmen, so Chock und Kollegen, sollten Ärzte nach Prüfung umfangreicher Medikamentenlisten den Absetzversuch des einen oder anderen Präparats vorschlagen, wann immer dies möglich erscheine. In dieser Phase seien Patienten und Versorger allerdings eng zu begleiten, um die Sicherheit des Patienten zu gewährleisten.

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