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Unklarer Gesichtsschmerz - Ursache kann Knochensporn sein

HALLE/SAALE (ner). Wer bei zunächst unklaren Gesichts- und Kauschmerzen sowie Schluckbeschwerden und Globusgefühl auch an das seltene Eagle-Syndrom denkt, kann Betroffene etwa vor unnötigen Zahnextraktionen oder Psychotherapien bewahren. Ursache der Beschwerden bei dem nach einem Arzt benannten Syndrom ist ein abnorm langer Griffelfortsatz (Processus styloideus). Therapie-Optionen sind NSAR, Antikonvulsiva und Operationen.

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Seit 27 Jahren litt eine 47jährige Frau unter ständigen Gesichtsschmerzen. Sie reagierte empfindlich auf Berührungen am Kieferwinkel sowie am Kinn und klagte über ein Globusgefühl. Das berichten Dr. Charly Gaul von der Klinik für Neurologie an der Universität Halle-Wittenberg und seine Kollegen (Nervenarzt 4, 2006, 478).

Außerdem hatte die Patientin Migräne mit vier Attacken monatlich. Sie nahm 30 bis 40 Tabletten eines Analgetikums monatlich, ohne daß Migräne und Gesichtsschmerzen wesentlich reduziert werden konnten.

Erst bildgebende Verfahren führten zur Diagnose

Nach Beginn der Therapie mit Valproinsäure sank die Attackenfrequenz der Migräne um die Hälfte, so Gaul. Die Dauerschmerzen und die Berührungsempfindlichkeit blieben. Im Orthopantomogramm, einer Röntgenschichtaufnahme zur Panoramaabbildung des gesamten Kieferbereichs, und in der Computertomographie entdeckten die Radiologen dann beidseits die zum Schläfenbein gehörenden verlängerten Griffelfortsätze. Der rechte Processus erreichte fast das Zungenbein.

Damit war die Diagnose Eagle-Syndrom gestellt. Das Syndrom ist nach dem HNO-Arzt Watt Weems Eagle aus den USA benannt, der das Syndrom 1937 erstmals beschrieb. Die Symptome sind variabel und erklären sich aus der Anatomie. Dorsal des Griffelfortsatzes treten durch das Foramen jugulare die Hirnnerven IX (N.glossopharyngeus), X (N.vagus) und XI (N. accessorius), dorsolateral durch das Foramen stylomastoideum der VII. Hirnnerv (N. facialis).

Ventromedial befindet sich der dritte Ast des V. Hirnnerven (N. trigeminus), der N. mandibularis. Ganz in der Nähe verläuft außerdem die Arteria carotis interna, die von einem sympathischen Plexus umgeben ist. Am Processus styloideus entspringen drei Muskeln: der Stylohyoideus, der Styloglossus und der Stylopharyngeus. Die enge Nachbarschaft von Nerven und Muskeln erklären die Probleme, die beim Schlucken, Kauen und Sprechen auftreten können.

Nach Angaben von Gaul und seinen Kollegen haben zwei bis vier Prozent der Bevölkerung verlängerte Processus styloidei. Eagle selbst habe als Normwert für die Länge des Processus styloideus 25 bis 30 mm angegeben. Die Inzidenz des Eagle-Syndroms sei dagegen sehr niedrig, was dazu führe, daß oft nicht daran gedacht würde. Bei der klinischen Untersuchung kann man die verlängerten Processus in der Tonsillenloge tasten. Gesichert wird die Diagnose durch bildgebende Verfahren.

Bei hohem Leidensdruck ist bei Patienten oft Op indiziert

Die Behandlung erfolgt mit nichtsteroidalen Antirheumatika und Antikonvulsiva. Bei hohem Leidensdruck und progredienten Schluckbeschwerden werden die Griffelfortsätze operativ gekürzt. Die Patientin der Hallenser Kollegen war jedoch froh, die Ursache ihrer jahrelangen Beschwerden nun zu kennen und ihre Migräne besser als vorher im Griff zu haben. Eine Operation lehnte sie ab.



STICHWORT

Eagle-Syndrom

Das Syndrom geht mit neuralgiformen Schluckbeschwerden, Ohren-, Hals-, Kopf und Nackenschmerzen, insbesondere bei einseitigen Kopfbewegungen, einher. Grund ist ein verlängerter Processus stylohyoideus oder ein verknöchertes Ligamentum stylohyoideum. Druckempfindlichkeit bei der Untersuchung und eine Röntgenaufnahme dieses Areals können die Verdachtsdiagnose bestätigen. Zur Therapie der Patienten mit Eagle-Syndrom werden NSAR und Antikonvulsiva verordnet. Bei Persistenz der Beschwerden muß operiert werden.

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