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Aufgedeckt

Ursache für hereditäres Angioödem entschlüsselt

Forscher klären die Ursache des hereditären Angioödems auf. Dadurch eröffnet sich auch eine neue Therapieoption für Ödeme.

Veröffentlicht:

HAMBURG. Ein zur Behandlung von Thrombosen entwickelter Antikörper hilft möglicherweise auch gegen das seltene aber lebensbedrohliche Hereditäre Angioödem.

"Wahrscheinlich haben wir sogar ein generelles Prinzip entdeckt, mit dem man Ödeme behandeln kann; auch solche, die als Folge von Allergien oder unfallbedingten Verletzungen wie einem Schädel-Hirn-Trauma entstehen", wird Professor Thomas Renné, Leiter des Instituts für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) in einer Mitteilung des UKE zitiert.

Das von Renné geleitete internationale Forscherteam gewann seine Erkenntnisse am Hereditären Angioödem Typ 3 (J Clin Invest 2015; 125). Dabei konnten sie in Modellen den molekularen Mechanismus der Krankheit aufklären.

"Wir haben herausgefunden, dass die Krankheit die Folge einer Punktmutation in einem Gen für ein Eiweiß der Blutgerinnung, den Faktor XII, ist", sagt Renné.

Dadurch fehle diesem Protein an einer einzigen Stelle ein wichtiger Baustein: die Aminosäure Threonin. Diese ist jedoch der Anheftungspunkt für eine Zuckerstruktur (Glykan), welche normalerweise die Oberfläche des Blutgerinnungsfaktors bedeckt.

Molekülstruktur ändert sich

Weil sich das Glykan nicht mit dem Protein verbinden kann, ändere sich die gesamte Molekülstruktur des Faktors.

"Dadurch ist der mutierte Faktor hundert- bis tausendfach leichter aktivierbar als normalerweise." Die Folge: Bradykinin, das Hormon, das ja die zur Entstehung einer Schwellung notwendigen Abläufe einleitet, wird im Übermaß gebildet.

Die Entdeckung, dass Hereditäre Angioödeme vom Typ 3 Folge des fehlerhaften Gerinnungsfaktors XII sind, öffnet nach Ansicht von Renné die Tür für eine mögliche neue Therapie: Bereits im vergangenen Jahr hatte eine von ihm geleitete Arbeitsgruppe zeigen können, dass der Faktor XII entscheidend an der Bildung von Thrombosen beteiligt ist.

Die Wissenschaftler konnten mit dem "3F7" bezeichneten Antikörper auch erstmals einen Wirkstoff herstellen, der den Gerinnungsfaktor XII blockiert und so Blutgerinnsel verhindert, ohne dabei die Blutungsneigung zu erhöhen, heißt es in der UKE-Mitteilung.

"Und nun zeigte sich: Mit derselben Therapie kann man zukünftig auch Hereditäre Angioödeme und möglicherweise andere Schwellungserkrankungen behandeln", so der Forscher. Eine erste klinische Prüfung dieses neuen Therapieprinzips sei innerhalb der nächsten zwei Jahre geplant. (eb)

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