Demenz

Vier-Sterne-Urlaub für Demenzkranke und deren pflegende Angehörige

Von Friederike Krieger Veröffentlicht:

In Winterberg hat die Arbeiterwohlfahrt Westliches Westfalen ein Urlaubsdomizil speziell für an Demenz erkrankte Menschen und deren pflegende Angehörige eröffnet.

Die Betreuung eines an Demenz erkrankten Familienmitglieds hinterlässt Spuren. Neben körperlichen Leiden wie Rückenschmerzen machen psychische Belastungen den Angehörigen zu schaffen.

Einen Urlaub gönnen sich aber längst nicht alle Betroffenen. Denn vor dem Schritt, ein demenzkrankes Familienmitglied in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung unterzubringen, schrecken viele zurück - aus Angst, dass sich der gesundheitliche Zustand des Patienten verschlechtern könnte. Eine Reise zusammen mit dem Pflegebedürftigen verbietet sich meist aus Mangel an behindertengerecht eingerichteten Hotels.

Keine Vollzeitpflege, sondern Verbringen gemeinsamer Zeit

Hier setzt das Angebot des Landhauses Fernblick an. "Bei uns können dementiell Erkrankte und Pflegende zusammen im beschützten Rahmen ihren Urlaub verbringen", erklärt Eckhard Roth, Leiter des Hauses. Statt Vollzeitpflege soll das Erleben gemeinsamer Zeit mit dem Erkrankten im Mittelpunkt stehen.

Deshalb nehmen die Mitarbeiter des Landhauses den Angehörigen die Pflege auch nicht völlig aus der Hand. "Die begleitenden Gäste pflegen hier ihre Angehörigen wie zu Hause", sagt Roth. Wer gewohnt ist, dabei die Hilfe eines ambulanten Pflegedienstes in Anspruch zu nehmen, kann das auch beim Urlaub im Sauerland tun. Das Landhaus kooperiert mit diversen Anbietern vor Ort. Die Angehörigen haben andererseits aber auch die Möglichkeit, ihre Familienmitglieder bis zu vier Stunden täglich im Landhaus von Fachkräften betreuen zu lassen. Die Kosten dieser Betreuung übernimmt in der Regel die Pflegekasse.

"So können sich die Pflegenden einmal Zeit für sich selbst nehmen, eine Runde Schach spielen, ein Buch lesen oder einfach mal in Ruhe spazieren gehen", so Roth. Zudem verfügt das Landhaus als Hotel der Vier-Sterne-Kategorie über Sauna, Schwimmbad sowie einen Sport- und Massagebereich.

Damit auch die Demenzkranken einen entspannten Urlaub verbringen können, versuchen die Mitarbeiter des Landhauses deren Bedürfnissen bestmöglich entgegen zu kommen. Spezielle Fußbodenbeläge, indirekte Beleuchtung und gezielt platzierte Möbel und Dekoartikel sollen die Orientierung im behindertengerecht gestalteten Haus erleichtern.

Besonderes Highlight ist der "Sinnesgarten". Er ist mit besonders duftintensiven Blumen und Kräutern bepflanzt. "Mit fortschreitender Demenz gewinnt das Langzeitgedächtnis immer mehr an Bedeutung, und schließlich erinnern sich die dementiell Erkrankten nur noch an ganz ursprüngliche Erfahrungen wie Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Fühlen", erklärt Roth. Der Garten soll diese Sinne wecken. Auf dem gesicherten Areal können die Pflegebedürftigen auch auf eigene Faust auf Entdeckungstour gehen.

Gedächtnistraining und Gymnastik

Neben Freizeitangeboten wie das Gestalten mit Stoff und Farbe, Gedächtnistraining und Gymnastik sind auch organisierte Ausflüge zu lokalen Sehenswürdigkeiten möglich. Sollte es zu gesundheitlichen Komplikationen kommen, stehen kooperierende Ärzte vor Ort bereit.

Die Resonanz auf das im September 2005 gestartete Urlaubsangebot sei bisher sehr gut gewesen, so Roth. Vor allem im vergangenen Sommer sei das etwa 55 Personen fassende Landhaus bereits gut ausgelastet gewesen. Die Kosten für einen Urlaubstag mit Vollpension sind mit 45 Euro pro Person vergleichsweise günstig.

Landhaus Fernblick, Wernsdorfer Str. 44, 59955 Winterberg, Tel. 02981 / 898-0, Fax 02981 / 898-299, E-Mail: landhaus-fernblick@aw-kur.de

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