Prophylaxe

Vier neue Antikörper gegen Migräne in Sicht

Ein neues Therapieprinzip sorgt für Hoffnungen auf dem Feld der Migräneprophylaxe: Mehrere biologische Hemmstoffe gegen CGRP könnten demnächst auf den Markt kommen.

Von Dr. Thomas MeißnerDr. Thomas Meißner Veröffentlicht: 15.11.2017, 05:11 Uhr
Drei Wirkstoffe gegen CGRP und einen gegen den Rezeptor: Damit können Ärzte in Zukunft möglicherweise Migräne behandeln.

Drei Wirkstoffe gegen CGRP und einen gegen den Rezeptor: Damit können Ärzte in Zukunft möglicherweise Migräne behandeln.

© Bernd Leitner / Fotolia

Vier Antikörper gegen das Neuropeptid CGRP (Calcitonin-Gene-Related Peptide) sind für die Migräneprophylaxe entwickelt worden, für drei davon sind bereits Zulassungsanträge bei der FDA und der EMA eingereicht worden.

CGRP wirkt stark gefäßerweiternd und kommt überall im Körper vor, besonders auch im Zentralnervensystem. "Der Schmerzbotenstoff wird aktiviert, wenn im Rahmen einer Migräneattacke das Kerngebiet des Nervus trigeminus gereizt wird", erklärt Dr. Astrid Gendolla, Neurologin und Kopfschmerzspezialistin aus Essen.

Auf der Internationalen Kopfschmerzkonferenz (ICH) im kanadischen Vancouver wurde im September dieses Jahres bekannt, dass alle vier in der Entwicklung befindlichen Hemmstoffe des CGRP in teils noch laufenden Phase-III-Studien die primären Endpunkte erreicht haben.

Das teilte Professor Uwe Reuter von der Charité Berlin mit (DNP 2017;18:15).

Kopfschmerztage eines Patienten gehen zurück

Die Zahl der Migräne-Kopfschmerztage pro Monat wird mithilfe der Biologika bei Patienten mit episodischer oder chronischer Migräne reduziert, und zwar in ähnlichen Größenordnungen wie bei bisherigen Prophylaktika.

Bei erfolgloser Vortherapie erwies sich der Nutzen als vergleichsweise am größten. Auffällig war jedoch die erhebliche Anzahl von Patienten, die ausgesprochen gut und sofort angesprochen haben.

Nach Reuters Angaben reduzierte sich bei einem Fünftel bis einem Viertel der Studienteilnehmer die Attackenfrequenz im Vergleich zu Placebo um mindestens 50 Prozent. Bei einigen Patienten war eine Verringerung der monatlichen Migränekopfschmerztage um 75 bis 100 Prozent beobachtet worden.

Schnelles Ansprechen

Dauert es mit bisherigen Prophylaxe-Medikamenten Wochen bis Monate, ehe ein Ansprechen spürbar wird, sind es bei der CGRP-Antikörper-Therapie nur Tage. "Das ist ein Phänomen, das wir so noch bei keiner Prophylaxe-Studie gesehen haben", bemerkt Gendolla dazu.

Drei der Antikörper, Galcanezumab, Fremanezumab und Eptinezumab, richten sich direkt gegen CGRP, Erenumab richtet sich gegen den CGRP-Rezeptor. Eptinezumab wird alle drei Monate intravenös injiziert, die anderen Antikörper werden entweder monatlich oder im Abstand von drei Monaten subkutan injiziert.

Sowohl die Applikationsform als auch der rasche Wirkungseintritt könnten sich günstig auf die ansonsten oft schlechte Therapieadhärenz auswirken. Hinzu kommt, dass die Verträglichkeit nach bisher vorliegenden Informationen gut ist. Das scheint auch auf die kardiovaskuläre Sicherheit zuzutreffen, hieß es beim ICH-Kongress.

Die Rate der Studienabbrüche lag nach Reuters Angaben bei zwei bis vier Prozent.

Lesen Sie dazu auch: Interview mit Kopfschmerzspezialistin: "Migräne kann man nicht davonlaufen"

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