Schlafstörungen

Vierfach erhöhte Apoplexie-Rate bei Schlafapnoe-Syndrom

BERLIN (gvg). In den vergangenen Monaten ist durch mehrere Studien bestätigt worden, daß ein obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (SAS) die kardiovaskuläre Sterblichkeit stark erhöht. In den Studien war die Schlaganfallrate bei SAS-Patienten zum Teil vierfach höher als bei Patienten ohne SAS.

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So hat eine prospektive Kohortenstudie von Ärzten der Universität Toronto ergeben, daß sich bei Patienten mit schwerem SAS, die einen Apnoe-Hypopnoe-Index von mindestens 20 Episoden pro Stunde haben, das Risiko, innerhalb von vier Jahren einen Schlaganfall zu erleiden, fast vervierfacht. Darauf hat Professor Jan Hedner von der Universität Göteborg auf dem Weltkongreß der Schlafmediziner in Berlin hingewiesen.

Der Unterschied zu Kontrollpersonen ohne SAS sei auch nach Adjustierung für bekannte kardiovaskuläre Risikofaktoren noch signifikant gewesen, so Hedner. In derselben Untersuchung traten bei den SAS-Patienten auch erstmalige Schlaganfälle dreimal häufiger auf, was nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren nicht ganz statistisch signifikant war (American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine, online im September publiziert).

Eine weitere kürzlich veröffentlichte, prospektive Untersuchung mit über 1600 Teilnehmern verglich Schnarcher, Menschen mit mildem SAS, solche mit schwerem SAS, aber ohne Therapie und solche mit schwerem SAS, die eine nasale Überdruckbeatmung (CPAP) erhielten (Lancet 365, 2005, 1046).

Über zehn Jahre war das Risiko, ein nicht-tödliches, kardiovaskuläres Ereignis zu bekommen, in der Gruppe mit schwerem SAS ohne Therapie nach Berücksichtigung der bekannten Risikofaktoren 3,2 mal höher als bei gesunden Kontrollpersonen. Das Risiko für tödliche Ereignisse war 2,9fach erhöht. Die Wissenschaftler aus Saragoza in Spanien wiesen auch nach, daß die CPAP-Behandlung das kardiovaskuläre Risiko zwar nicht normalisiere, aber doch stark reduziere, wie der Schlafmediziner aus Dänemark betonte.

Einen direkten, kausalen Zusammenhang zwischen SAS und kardialem Risiko legt schließlich eine Studie von Ärzten der Mayo Clinic nahe (New England Journal of Medicine 352, 2005, 1206). Es handelte sich um eine retrospektive Analyse von 112 Todesfällen durch plötzlichen Herztod bei SAS-Patienten.

Untersucht wurde die Häufigkeit des plötzlichen Herztods in Abhängigkeit von der Tageszeit. Anders als in der allgemeinen Bevölkerung, bei der das Herztod-Risiko zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens am geringsten ist, sei es bei SAS-Patienten in dieser Zeit am höchsten, so Hedner. Das Risiko korrelierte zudem direkt mit dem Apnoe-Hypopnoe-Index. Mit anderen Worten: Je schwerer das SAS, desto wahrscheinlicher wird ein plötzlicher Herztod während des Schlafs.

Vor dem Hintergrund dieser Studien äußerte sich Hedner selbstkritisch zu den bisherigen Therapieerfolgen der Schlafmediziner. Nur etwa zehn Prozent der Patienten mit schwerem SAS würden derzeit mittels CPAP-Beatmung adäquat behandelt. "Wir müssen unbedingt unsere Behandlungsquote erhöhen", so sein Fazit.

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