Direkt zum Inhaltsbereich

"Vor Thrombosetherapie Nieren-Check"

WIESBADEN (ner). Werden Patienten mit tiefer Venenthrombose mit niedermolekularem Heparin (NMH) behandelt, sollte vorher die Nierenfunktion geprüft werden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion sind NMH mit hohem Molekulargewicht, etwa Tinzaparin empfehlenswert.

Veröffentlicht:

Etwa jeder dritte Patient mit Thromboembolie habe eine eingeschränkte Nierenfunktion, sagt Professor Helmut Schinzel von der Universität Mainz. Bereits eine moderate Funktionseinschränkung mit einer Kreatinin-Clearance von 30 bis 50 ml/min könne eine Anhäufung von NMH und eine erhöhte Anti-Xa-Aktivität bewirken. Darauf wies Schinzel bei einem Satellitensymposium der Unternehmen CSL Behring und Leo Pharma beim Thrombose- und Hämostasekongress in Wiesbaden hin. Dies hänge mit der dann deutlich verlängerten Eliminationshalbwertszeit der Medikamente zusammen.

Schinzel empfiehlt deshalb, besonders bei alten Patienten, vor Beginn der antithrombotischen Behandlung die Nierenfunktion zu überprüfen. Dazu stehen verschiedene Formeln zur Berechnung der glomerulären Filtrationsrate zur Verfügung. In die vereinfachte MDRD*-Formel etwa gehen die Parameter Serumkreatinin, Alter und Geschlecht ein.

Ist die Nierenfunktion eingeschränkt, sollte man NMH mit hohem Molekulargewicht wie Dalteparin oder Tinzaparin bevorzugen, da es sonst zu Blutungen kommen könne.

Dosen von 175 mg/kg Körpergewicht Tinzaparin (Innohep®) täglich führen auch bei erheblicher Niereninsuffizienz zu keiner Akkumulation der Anti-Xa-Aktivität, wie Schinzel berichtete. Er zitierte eine Studie mit Tinzaparin bei 200 alten Patienten, die diese Dosis bis zu 30 Tage lang erhalten hatten. Mehr als die Hälfte von ihnen hatte eine Kreatinin-Clearance von weniger als 49 ml/min. Schwere Blutungen wie subdurale Hämatome hatten 1,5 Prozent der Patienten, was jedoch auch auf zusätzlich verabreichte orale Antikoagulanzien zurückgeführt wurde. Die gewichtsadaptierte Applikation von NMH wie Tinzaparin sei eine sichere Behandlungsoption bei alten Patienten, so Schinzel.

* Die vereinfachte MDRD-Formel finden Sie im Internet unter www.laborlexikon.de oder www.labor-limbach.de/VereinfachteMDRD-Fo.220.0.html.

Das Kürzel MDRD steht für Modification of Diet in Renal Disease.

NMH mit hohem Molekülgewicht von Vorteil bei Nierenschwäche.

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Datenbankanalyse

Vorsicht bei der Kombination von Antikonvulsiva mit DOAK

Duale Thrombozytenaggregationshemmung

Welche KHK-Patienten von längerer DAPT profitieren könnten

Das könnte Sie auch interessieren
Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

© EAU

Ergänzung EAU-Leitlinie 2026

Neue Empfehlung zu HWI und Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Therapie bei unkomplizierter Zystitis

© Dr_Microbe | Adobe Stock

Evidenz, Resistenz & Wirksamkeit

Therapie bei unkomplizierter Zystitis

Anzeige | MIP Pharma GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

© APOGEPHA Arzneimittel GmbH | Generated by AI

Überaktive Blase

Interdisziplinäres Patienten-Management – ein Praxisleitfaden

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: APOGEPHA Arzneimittel GmbH, Dresden
Abb. 1: Ofatumumab-Konzentrationen in der Muttermilchh

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Aktive schubförmige Multiple Sklerose

Flexiblere Familienplanung durch kürzere Kontrazeptionszeit

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novartis Pharma GmbH, Nürnberg
Esteban Roman Garcia hat einen modernen OP eingerichtet, mit allen erforderlichen Geräten, um effizientes Arbeiten zu ermöglichen.

© privat

Praxismanagement

Arzt und Unternehmer: Chirurg in Ostwestfalen auf Expansionskurs

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: dem Finanzdienstleister MLP SE, Wiesloch
Vorteile des Logins

Mit unserem kostenloses Login erhalten Ärztinnen und Ärzte, Medizinstudierende sowie Fachkräfte im Gesundheitswesen vollen Zugriff auf unsere medizinischen und praxisrelevanten Inhalte.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Cholesterin

Intensive LDL-Senkung bei hohem Lp(a): Warum das schwierig werden kann

Lesetipps
Ausgestreckte Hand gegenüber einer Impfspritze.

© anyaivanova / Getty Images / iStock

Überprüft

5 Mythen übers Impfen im Faktencheck

Eine Frau in den Wechseljahren leidet unter Hitzewallungen.

© Diane Diederich / Getty Images / iStock

Über eine Million Datensätze

Wie die Menopause Körperprozesse beeinflusst