Thrombose/Embolie

Vorteil für langkettiges modernes Heparin

MÜNCHEN (wst). Niedermolekulare Heparine (NMH) werden primär renal ausgeschieden. Bei niereninsuffizienten Patienten unter NMH-Antikoagulation ist daher verstärkt mit akkumulationsbedingten Blutungen zu rechnen. Bei relativ langkettigen NMH wie Tinzaparin ist eine verzögerte renale Ausscheidung offenbar weniger klinisch relevant als bei kurzkettigen Mitteln.

Veröffentlicht: 01.10.2007, 08:00 Uhr

Mit dem Alter steigt nicht nur das Thrombose-Risiko, sondern auch die Wahrscheinlichkeit einer Niereninsuffizienz. Daran hat Professor Rupert Bauersachs aus Darmstadt beim Angiologen-Kongress in München erinnert. Bei Patienten mit Niereninsuffizienz müssten bei einer NMH-Therapie die Anti-Xa-Spiegel überwacht und individuelle Dosisanpassungen vorgenommen werden. Dadurch könne Kumulationseffekten mit gesteigerter Anti-Xa-Aktivität und einem bedingten erhöhten Blutungsrisiko gegengesteuert werden, sagte Bauersachs auf einem Satellitensymposium des Unternehmens LEO Pharma.

Inzwischen gelte allerdings als gesichert, dass bei Niereninsuffizienz nicht alle NMH gleichermaßen zu einer klinisch relevanten Akkumulation neigen, so Bauersachs. Riskant seien vor allem kurzkettige, in noch aktiver Form renal ausgeschiedene NMH. Langkettige NMH wie Tinzaparin (innohep®) würden bereits im Körper zu inaktiven Metaboliten abgebaut. Eine verzögerte renale Ausscheidung sei damit weitaus weniger klinisch relevant.

Bauersachs präsentierte hierzu eine aktuelle Studie mit 55 niereninsuffizienten geriatrischen Patienten, die eine Thrombose-Prophylaxe mit Tinzaparin oder Enoxaparin in jeweils üblicher Dosierung erhielten. Am achten Behandlungstag war die Anti-Xa-Aktivität im Blut mit Enoxaparin den gesamten Tag über im Vergleich zum ersten Tag signifikant höher. Unter Tinzaparin hingegen gab es dabei keinen Unterschied.

Mit Tinzaparin sei bei Niereninsuffizienten zumindest bis hin zu einer reduzierten Kreatininclearance von 20 ml/min selbst in therapeutischer Dosierung üblicherweise keine Dosisanpassung erforderlich, so Bauersachs.

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