KHK / Herzinfarkt

Vorteile für Enoxaparin bei Lyse-Therapien

MANNHEIM (grue). Bei Patienten mit Herzinfarkt kann eine antithrombotische Begleittherapie den Nutzen der Thrombolyse steigern. Das wurde in einer Multizenterstudie für die adjuvante Therapie mit dem niedermolekularen Heparin Enoxaparin nachgewiesen.

Veröffentlicht: 24.04.2006, 08:00 Uhr

An der EXTRACT-TIMI-25-Studie nahmen über 20 000 Patienten mit ST-Hebungsinfarkt teil. Sie erhielten zusätzlich zu einer Lyse entweder unfraktioniertes Heparin für mindestens 48 Stunden oder Enoxaparin (Clexane®) für bis zu acht Tage. 30 Tage nach dem Infarkt war in der Enoxaparin-Gruppe die Rate infarktbedingter Todesfälle und erneuter Herzinfarkte 17 Prozent niedriger als in der Standard-Heparin-Gruppe (zwölf versus zehn Prozent).

Bereits nach 48 Stunden war unter Enoxaparin die absolute Ereignisrate um 0,5 Prozent geringer, das entspricht einem relativen Vorteil von zehn Prozent. Darauf wies Professor Dietrich Gulba aus Düren bei einer Veranstaltung des Unternehmens Sanofi-Aventis beim Kardiologen-Kongreß in Mannheim. Ob die Patienten nachfolgend eine Koronarangioplastie erhielten oder weiter konservativ behandelt wurden, hatte keinen Einfluß auf die Ergebnisse.

"Die Rate an schweren Blutungen war in beiden Gruppen außergewöhnlich niedrig", sagte der Kardiologe. Sie betrug 2,1 Prozent mit Enoxaparin und 1,4 Prozent mit unfraktioniertem Heparin. Die besonders gefürchteten intrazerebralen Blutungen waren mit deutlich unter einem Prozent durchweg selten.

Auch bei Älteren war das Blutungsrisiko nicht erhöht. Offenbar hat sich die neue Strategie bewährt, die Enoxaparin-Dosis bei Patienten über 75 Jahren und bei Niereninsuffizienz anzupassen. "Somit läßt sich mit Enoxaparin in der adjuvanten Antithrombosetherapie bei Herzinfarkt ein Nutzen für alle Patientengruppen erzielen", sagte Gulba.

Dies sollte in künftigen Leitlinien zur Reperfusionstherapie Eingang finden. Der Kardiologe machte eine Hochrechnung: Er ging von jährlich 150 000 Infarkt-Patienten in Deutschland aus, von denen 70 Prozent eine Reperfusionstherapie erhalten. Durch zusätzliches Enoxaparin ließen etwa 300 Todesfälle durch Erstinfarkte verhindern.

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