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WHO warnt vor resistentem Tripper

Im Vergleich zu Aids mag der Tripper (Gonorrhoe) harmlos erscheinen. Doch infizieren sich jährlich über 100 Millionen Menschen. Und es gibt immer mehr Antibiotika-Resistenzen, warnt die WHO. Dadurch kann auch Gonorrhoe tödlich sein.

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GENF/BERLIN (dpa). Für Millionen von Menschen, die sich mit der Geschlechtskrankheit Tripper infizieren, könnte es in absehbarer Zeit keine Heilung mehr geben. Davor warnte am 6. Juni die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Gegen ein Breitband-Antibiotikum, das bislang allgemein als letzte Behandlungsmöglichkeit für die Gonorrhoe galt, seien in vielen Ländern Resistenzen beobachtet worden, erklärte die WHO in Genf.

Dadurch steige die Gefahr, dass sich ein mutmaßlich "harmloser" Tripper zu einer schweren und schließlich tödlichen Erkrankung auswachse.

"Die Gonorrhoe wird durch hohe Infektionsraten und schwindende Behandlungsmöglichkeiten zu einer bedeutenden Herausforderung für das Gesundheitswesen", sagte die zuständige WHO-Expertin Dr. Manjula Lusti-Narasimhan. Jedes Jahr würden sich weltweit 106 Millionen Menschen - fast ausschließlich beim Geschlechtsverkehr - mit der Krankheit infizieren.

In Deutschland besteht seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 keine Meldepflicht mehr. Neuere Zahlen gibt es allerdings aus Sachsen, wo die Daten noch erhoben werden müssen.

Dort waren die Zahlen stark angestiegen von 6,8 Infektionen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2003 auf 14,3 Infektionen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2010, wie das Robert Koch-Institut im vergangenen Jahr berichtete. Aufgrund der begrenzten Daten konnten damals keine genauen Angaben zu Resistenzen gemacht werden.

Alarmierende Berichte zu Resistenzen auch aus Europa

Nach Auskunft der WHO gibt es alarmierende Berichte unter anderem aus Australien, Frankreich, Japan, Norwegen und Schweden über Resistenzen der als Gonokokken (Neisseria gonorrhoeae) bekannten Erreger gegen Cephalosporine, eine Gruppe von Breitband-Antibiotika. Für die Eindämmung der Tripper-Gefahren veröffentlichte die WHO am selben Tag einen umfangreichen Globalen Aktionsplan.

Neben erheblich größerer "Wachsamkeit" von Medizinern bei der Anwendung von Antibiotika zur Bekämpfung von Gonorrhoe seien dringend Forschungen zur Suche nach alternativen Behandlungsmethoden erforderlich, forderte Lusti-Narasimhan. "Wenn Gonokokken unheilbar werden, sind die Folgen für die Gesundheit äußerst schwerwiegend", warnte sie.

Ohne Behandlung kann eine Infektion vom Urogenital-Trakt aus leicht auf andere Organe übergreifen. Durch die Wunden im Genitalbereich wird zudem das Risiko der Übertragung des Aids-Erregers HIV erheblich erhöht.

Antibiotikum-Resistenzen (AMR) wie sie in letzter Zeit verstärkt bei der Gonorrhoe beobachtet worden seien, "können töten", heißt es in dem WHO-Bericht. Zumindest aber würden sie Behandlungen erheblich schwieriger machen, die Leiden von Patienten und deren Familien vergrößern und zu erheblichen Kostensteigerungen führen.

Zu den vermeidbaren Ursachen gehöre eine zu häufige, leichtfertige und nicht zielgerichtete Anwendung von Antibiotika, aber auch die Verwendung von Medikamenten schlechter Qualität.

WHO-Aktionsplan zum Download

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