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"WM hat Katastrophenschutz echten Kick gegeben"

NEU-ISENBURG (ner). Eine Katastrophe oder ein Anschlag mit vielen Verletzten könnten in Deutschland heute besser bewältigt werden als noch vor wenigen Jahren. "Die Fußball-WM hat dem Katastrophenschutz einen echten Kick gegeben", konstatierte Professor Peter Sefrin aus Würzburg.

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Sefrin hatte in der Vergangenheit häufig Defizite in der Katastrophenvorsorge kritisiert (wir berichteten). In Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft seien über die Republik verteilt Sanitätsmittel-Depots angelegt worden, so Sefrin. Damit sei im Katastrophenfall der Krankenhausbedarf an Pflege- und Behandlungsmaterialien für zwei Wochen gedeckt, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der in Bayern tätigen Notärzte (agbn) im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Weiterhin seien sogenannte Abrollbehälter sowie Gerätefahrzeuge angeschafft worden, mit denen rasch Behandlungsplätze aufgebaut werden können, so Sefrin. Ein Abrollbehälter ist ein mobiler Großcontainer, in dem medizinisch-technische Ausrüstungen transportiert werden können. Er enthält in der Regel die komplette Ausrüstung für einen Behandlungsplatz und ist innerhalb einer halben Stunde aufzubauen. "Dort ist man dann in der Lage, pro Stunde 50 Patienten akut zu versorgen", erklärt Sefrin.

Für den kontinuierlichen Abtransport der Patienten in die umliegenden Krankenhäuser seien neue Konzepte erarbeitet worden. Dafür stehe pro Behandlungsplatz ein Fuhrpark mit 40 Fahrzeugen zur Verfügung. Das gesamte Konzept zur Versorgung im Katastrophenfall habe man komplett verändert, so Sefrin. Grund dafür war die Garantie der Bundesregierung, während der Fußball-WM zwei Prozent der Stadienbesucher medizinisch versorgen zu können.

    Krankenhäuser wurden für den Ernstfall sensibilisiert.
   

Nach Angaben von Sefrin hätte das beispielsweise bedeutet, daß man in Nürnberg gleichzeitig 800 Personen und in München 1300 Personen hätte behandeln können müssen. An allen Stadien-Standorten waren Katastrophenschutz-Übungen mit mehreren hundert Personen vorgenommen worden. "Das gab es in diesem Umfang vorher nie", betonte Sefrin.

Auch seien die Verantwortlichen in den Kliniken für einen möglichen Ernstfall sensibilisiert worden. Eine Erhebung an allen Krankenhäusern in Bayern vor der WM hatte ergeben, daß in jedem siebten Krankenhaus keine Alarmpläne für den Katastrophenfall vorlagen, obwohl dies gesetzlich vorgeschrieben ist. Vorhandene Krisenpläne waren oft veraltet.

"Wir gehen davon aus, daß das für die WM geschaffene Konzept jetzt die Basis für die Katastrophenversorgung der Bevölkerung darstellt", meint Sefrin, der ab 2007 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM) sein wird. Jetzt komme es darauf an, daß die Bundesländer den Katastrophenschutz kontinuierlich weiter finanziell unterstützten und die Hilfsorganisationen regelmäßig Übungen organisierten.

Infos finden Sie auch im Internet: www.dgkm.org; www.agbn.de

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