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Verletzte sofort in die Klinik - das ist strittig!

MÜNCHEN (sto). Das Hannoveraner Konzept der Versorgung von mehr als 1000 Unglücks-Opfern widerspricht nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Katastrophenmedizin (DGKM) allen international üblichen derzeitigen Planungen.

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Das von dem Katastrophenmediziner Hans-Anton Adams von der Medizinischen Hochschule Hannover entwickelte Konzept (wir berichteten) verlagere das "Chaos des Schadensortes in die Kliniken", deren Versorgungsmöglichkeiten schon unter normalen Notfallbedingungen begrenzt seien, erklärte DGKM-Vizepräsident Professor Peter Sefrin aus Würzburg mit Blick auf die derzeit bundesweit laufenden Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.

Transport der Patienten könnte problematisch sein

Nur in Großstädten seien Akutkliniken in unmittelbarer Nähe eines Schadensortes vorhanden, erklärte Sefrin. Unklar sei dabei jedoch, ob ein rascher Transport durch eine verstopfte Stadt zu den Kliniken überhaupt möglich sei. Wenn der Patient im Krankenhaus ankommt, seien auch dort erhebliche Probleme zu erwarten, weil viele Krankenhäuser entweder keine Alarmpläne haben oder diese niemals erprobt hätten.

Zudem stünden wegen der Finanzierung im Krankenhausbereich weder ausreichend Personal noch genügend Betten für einen Massenanfall zur Verfügung. Die Großübung in Hannover vor wenigen Wochen habe das deutlich gezeigt: bereits nach 45 Minuten sei das Material zur operativen Versorgung aufgebraucht gewesen und die 120 Verletzten mußten unvertretbar lange auf eine Behandlung warten.

Verletzte sollten zunächst vor Ort behandelt werden

Die vom Katastrophenschutz und der DGKM favorisierte Lösung sehe deshalb die Einrichtung eines Behandlungsplatzes vor, erklärte Sefrin. Dort sei dann in unmittelbarer Nähe zum Geschehen eine Erstversorgung und vor allem Stabilisierung der Opfer möglich. Von dort könnten sie dann gezielt entsprechend den Verletzungen auf die Krankenhäuser der Umgebung verteilt werden.

WM-Planungen sehen Erstversorgung vor Ort vor

Dieses Konzept habe sich bereits beim ICE-Unfall in Eschede bewährt und stehe damit den negativen Erfahrungen beim Flugzeugabsturz von Ramstein entgegen. Problematisch sei auch, daß erfahrungsgemäß die zum Transport erforderlichen Rettungsmittel im Katastrophenfall nur begrenzt zur Verfügung stehen. "Aus diesem Grund sind auch die Planungen für die WM 2006 mit einer Erstversorgung vor Ort konzipiert", sagte Sefrin.

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