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Schlaganfall

Wann die Lyse nichts bringt

Bei Schlaganfall wird eine rasche Lyse-Therapie empfohlen. Doch was ist, wenn der Gefäßverschluss gar nicht sichtbar ist? Laut neuen Studienergebnissen bringt die Lyse dann gar nichts. US-Neurologen wollen trotzdem nicht auf sie verzichten.

Von Thomas Müller Veröffentlicht:
Computertomographie: Ohne positiven Befund eines Gefäßverschlusses bringt die Lyse nur wenig.

Computertomographie: Ohne positiven Befund eines Gefäßverschlusses bringt die Lyse nur wenig.

© C. Pueschner / Zeitenspiegel / SDSH

SAN DIEGO. Nicht selten sind Patienten mit klinischen Schlaganfallsymptomen in der Bildgebung unauffällig - ein Gefäßverschluss ist im MRT oder CT oft nicht erkennbar. Die Frage ist, ob ihnen dann eine Lyse mit tPA mehr schadet als nützt.

Antworten darauf hat sich Dr. Sourabh Lahoti von der Universität in Kentucky aus der retrospektiven Analyse von Registerdaten erhofft. Ergebnisse dieser Analyse hat Lahoti auf der Jahrestagung des US-amerikanischen Neurologenverbandes AAN in San Diego vorgestellt.

In der multizentrischen Analyse hatten Lahoti und seine Arbeitsgruppe das Schicksal von insgesamt 200 Schlaganfallpatienten genauer untersucht, bei denen in der Bildgebung kein arterieller Verschluss von Hirngefäßen festgestellt werden konnte.

65 von ihnen hatten eine Thrombolyse erhalten, die übrigen 135 Patienten hingegen nicht, zumeist, weil sie sich nicht mehr im Zeitfenster von viereinhalb Stunden für die tPA-Behandlung befanden.

Gutes Ergebnis auch ohne Lyse

Symptomstärke und Behinderungen lagen bei der Klinikeinweisung in beiden Gruppen in etwa auf demselben Niveau. Nach 90 Tagen, so das Hauptergebnis der Analyse, gab es ebenfalls keine signifikanten Unterschiede.

Im Schnitt erreichten 70 Prozent der Patienten in beiden Gruppen einen Wert auf der modified Rankin Scale (mRS) von 0 bis 2 Punkten - sie hatten nach drei Monaten also keine gravierenden Behinderungen mehr. 4 Prozent der Patienten mit Lysetherapie erlitten eine intrakranielle Blutung, ohne Lyse war dies bei keinem Patienten der Fall.

Die Mortalitätsrate war in der Gruppe mit Lysetherapie etwas höher als bei den Patienten ohne tPA (6,3 versus 4,4 Prozent), allerdings waren die Unterschiede nicht signifikant.

In einem weiteren Schritt wurden die Patienten nun nach den Ursachen für den intrakraniellen Infarkt eingeteilt. So gibt es im Wesentlichen zwei Gründe, weshalb die Bildgebung keinen Verschluss zeigt: Entweder hat sich der Thrombus spontan wieder gelöst, oder es handelt sich um einen lakunären Infarkt, bei dem die Okklusion zu klein für den Nachweis per Bildgebung ist.

Anhand der Lokalisation und der Infarktgröße im diffusionsgewichteten MRT haben die Wissenschaftler um Lahoti nun die Patienten in solche mit vermuteter spontaner Rekanalisation und solche mit lakunärem Infarkt eingeteilt.

Prospektive Studien nötig

Doch auch hier gab es keine signifikanten Unterschiede beim funktionellen Ergebnis nach drei Monaten, egal ob die Patienten mit tPA behandelt worden waren oder nicht.

Hier stellt sich nun die Frage, ob man Patienten ohne erkennbaren Gefäßverschluss in der Bildgebung überhaupt lysieren soll. Das gute funktionelle Ergebnis vor Augen, scheint die Lyse tatsächlich nichts zu bringen, sagte Lahoti.

Andere Neurologen auf dem Kongress warnten jedoch vor voreiligen Schlüssen. Zum einen müssten die Ergebnisse erst in prospektiven Studien bestätigt werden, zum anderen verliere man wertvolle Zeit, wenn man immer erst auf die Ergebnisse der Bildgebung warten würde.

Lahoti entgegnete, dass man mit Hilfe der CT-Angiografie recht schnell ein Ergebnis erzielen könne, regte aber ebenfalls größere prospektive Studien an, um den Nutzen oder Schaden der Lyse bei Patienten ohne arterielle Okklusion in der Bildgebung zu prüfen.

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