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Zerebrale Malaria

Warum sind meist Kinder betroffen?

Die Zerebrale Malaria breitet sich über "Wanderrouten" von Nervenzellen im Gehirn von Kindern aus.

Veröffentlicht:

HEIDELBERG. Nisten sich Malaria-Erreger in den Blutgefäßen des Gehirns ein, kann das bei Kindern lebensbedrohliche Hirnödem verursachen. Bei Erwachsenen kommt es dagegen nur selten zur Zerebralen Malaria.

Einer Ursache für die besondere Anfälligkeit von Kindern sind Forscher nun auf die Spur gekommen: Bei Mäusen mit vergleichbarer Erkrankung entdeckten sie mit Hilfe hochauflösender MRT, dass sich die Entzündung und damit das Ödem entlang eines bestimmten Hirnareals ausbreitet (PLoS Pathog 2016 online 10. März).

Dabei handele es sich um einen Korridor, den unreife Nervenzellen während der Hirnentwicklung zu ihrem Bestimmungsort durchwandern, heißt es in einer Mitteilung der Uni Heidelberg.

Er bildet sich im Verlauf der Kindheit zurück. Das Gewebe entlang dieser Wanderroute ist im Kindesalter offensichtlich besonders durchlässig und begünstigt die überschießende Immunantwort im Gehirn.

"Aktuelle MRT-Untersuchung von Kindern mit dieser schweren Form der Malaria in Malawi, Afrika, zeigen, dass sich die Schwellung vermutlich auf dem gleichen Weg ausbreitet. Da eine Verlaufskontrolle bei den erkrankten Kindern kaum möglich ist, ließ sich bisher kein Muster im Fortschreiten der Entzündungsreaktion erkennen.

Unsere Ergebnisse sind ein fehlendes Puzzleteil, um die Krankheitsmechanismen besser zu verstehen", wird Erstautorin Dr. Angelika Hoffmann, Assistenzärztin in der Abteilung für Neuroradiologie der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg in der Mitteilung zitiert.

Überschießende Entzündungsreaktion

Die Forscher verfolgten den zeitlichen Verlauf der Flüssigkeitseinlagerungen im Gehirn von Mäusen mit Zerebraler Malaria anhand wiederholter MRT-Messungen.

Dabei fanden sie heraus: Die überschießende Entzündungsreaktion nimmt ihren Anfang am Bulbus olfactorius, heißt es weiter. In diesem Bereich hat die Abwehrreaktion des Körpers gegen die Parasiten fatale Folgen.

Sie macht die Blut-Hirn-Schranke durchlässig. Entzündungsstoffe gelangen in den Riechkolben und aktivieren hirneigene Immunzellen, es bildet sich ein Ödem.

Noch bevor die Tiere Symptome zeigen, breitet sich das Ödem entlang eines röhrenförmigen Areals, dem Rostralen migratorischen Strom weiter aus. Über diese Struktur wandern im sich entwickelnden Gehirn junger Säugetieren Nervenzellen und Immunzellen in den Riechkolben ein.

Erreicht die Entzündung tiefere Hirnstrukturen, fallen die Tiere ins Koma."Riechkolben und Rostraler migratorischer Strom sind offensichtlich die Schwachstellen des Gehirns bei einer Cerebralen Malaria", so Hoffmann.

"Wir haben dagegen keine Hinweise darauf gefunden, dass Parasiten oder infizierte Blutkörperchen die Gefäße verstopfen und dadurch eine Art Schlaganfall mit Hirnschwellung hervorrufen, was ebenfalls als Ursache für die Cerebrale Malaria diskutiert wurde. Unsere Ergebnisse sind daher eine wichtige Basis für die weitere Erforschung der Krankheitsmechanismen." (eb)

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