Sehstörungen

Was passiert im Gehirn bei Migräne?

In der einer Migräneattacke oft vorgehenden Aura sind auch Sehstörungen typisch. Warum das passiert, ist unklar. Magdeburger Forscher haben hier neue Erkenntnisse gewonnen.

Veröffentlicht: 22.12.2017, 17:01 Uhr
Was passiert im Gehirn bei Migräne?

Typisch für eine Migräne-Aura: Sehstörungen mit flimmernden Blitzen bis hin zu Gesichtsfeldausfällen.

© Dirima / Getty Images / iStock

MAGDEBURG. Sehstörungen während einer Migräneaura können unterschiedlicher Natur sein – von der Wahrnehmung von flimmernden Blitzen bis hin zu Gesichtsfeldausfällen. Die der Aura zugrunde liegenden Mechanismen sind allerdings aktuell nicht gut verstanden. Magdeburger Forscher haben nun mit Hilfe der funktionellen Kernspintomografie (fMRT) den neuronalen Mechanismen der visuellen Symptomen nachgespürt, um so vielleicht auch Zugang zu neuen Therapieansätzen zu bekommen, heißt es in einer Pressemitteilung.

Aufgrund der unvorhersehbaren kurzlebigen Natur der Aura, sei es sehr schwierig, systematische Studien bei Patienten während einer Aura durchzuführen. Tatsächlich hat es nach Angaben der Forscher bisher nur eine Untersuchung gegeben, in der die Aura mit MRT-Scans detailliert beschrieben wurde.

Wissenschaftler des Dänischen Kopfschmerzzentrums, der Neurologie der Universität Kopenhagen und der Universitätsaugenklinik Magdeburg haben herausgefunden, dass verschiedene Aura-Symptome unterschiedliche Funktionsveränderungen im Gehirn widerspiegeln. Mit fMRT untersuchten sie fünf Patienten während Aura-Attacken. Ihre Ergebnisse wurden in den "Annals of Neurology" aktuell publiziert (DOI:10.1002/ana.25096).

Die Aura wurde dabei nach Angaben der Wissenschaftler ausgelöst durch Inhalation von Luft mit reduziertem Sauerstoff, von atmosphärischer Luft oder durch Sport kombiniert mit Lichtstimulation. Sobald die Patienten das Auftreten und Fortschreiten von Sehstörungen berichteten, wurden sie sofort im Kernspintomographen untersucht. Dort wurden die Antworten der Sehrinde des Gehirns auf bewegte Schachbrettmuster gemessen.

Es zeigte sich, dass Patienten mit visuellen Aura-Symptomen wie Gesichtsfeldausfällen, erniedrigte Antworten der Sehrinde hatten, während Patienten, die beispielsweise Lichtblitze und Flimmern wahrnahmen, vergrößerte Antworten hatten, heißt es in der Universitätsmitteilung. Betrafen die visuellen Symptome beide Gesichtsfeldhälften, so wurden die Änderungen der Aktivität der Sehrinde auch in beiden Hirnhälften beobachtet. Somit zeigten die Arbeitsgruppen dieses Kooperationsprojektes, dass unterschiedliche Aura-Symptome mit unterschiedlichen Antworten der Sehrinde zusammenhängen. Das verbesserte Verständnis der Migräne-Aura könnte auch Konsequenzen für eine effektive Behandlung haben, hoffen die Forscher. (run)

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