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Dänische Analyse

Weniger Darmkrebs nach fünf Jahren NSAR-Therapie

Eine Langzeittherapie mit NSAR in niedrigen Dosierungen scheint vor einem Kolorektalkarzinom zu schützen. Dafür sprechen nun auch Registerdaten.

Veröffentlicht:

KOPENHAGEN. Es dürfte kaum ein Jahr oder sogar ein Monat vergehen, in dem nicht irgendeine Arbeit einen Zusammenhang zwischen einer Therapie mit NSAR und Darmkrebs herstellt.

Doch die entscheidende Frage, ob eine Behandlung mit antientzündlichen Medikamenten tatsächlich das Darmkrebsrisiko senkt, ist bislang unbeantwortet geblieben, und zwar schlicht deswegen, weil es dazu keine großen randomisiert-kontrollierten Präventionsstudien gibt.

So liefert auch die Bevölkerungsanalyse von Dr. S¢ren Friis und Mitarbeitern letztendlich nicht mehr als den Hinweis, dass Patienten unter einer langjährigen Therapie mit ASS oder anderen NSAR seltener Darmkrebs bekommen als Personen ohne diese Medikation (Ann Intern Med 2015, online 25. August).

Ob das nun an den Erkrankungen liegt, die der Therapie mit ASS und NSAR zugrunde liegen, an der Begleitmedikation oder tatsächlich an den antientzündlichen Medikamenten, können natürlich auch die Forscher der Dänischen Krebsgesellschaft in Kopenhagen nicht sicher sagen.

Aber immerhin weisen sie den bereits bekannten Zusammenhang bei einer sehr großen Personenzahl nach. Dadurch lässt sich auch feststellen, welche Dosis und Anwendungsdauer von Bedeutung sind.

Dänische Krebsdiagnosen ausgewertet

Für ihre Analyse haben die Forscher sämtliche Krebsdiagnosen im Norden Dänemarks in den Jahren 1994 bis 2011 erfasst. In der Region mit rund 1,8 Millionen Einwohnern wurde in dieser Zeit 25.000 Mal ein Kolorektalkarzinom diagnostiziert.

Die Forscher berücksichtigten jedoch nur knapp 10.300 Patienten, die auch in den fünf Jahren vor der Diagnose in der Region gelebt hatten und für die Verschreibungsdaten seit 1989 vorlagen. Schließlich bildeten sie eine Kontrollgruppe, indem sie jedem Patienten zehn Personen ohne Darmkrebs zuordneten.

Diese mussten das gleiche Alter und Geschlecht haben, in derselben Gegend wohnen und ebenfalls seit fünf Jahren in der Verschreibungsdatenbank für die Region registriert sein.

Die Forscher schauten nun, wie häufig die Darmkrebspatienten und die Kontrollpersonen in der Vergangenheit ASS und andere NSAR bekommen hatten.

Ähnlich wie in Deutschland wird niedrigdosiertes ASS in Dänemark in der Regel als Herzmedikament verschrieben und hoch dosiertes als Schmerzmittel frei verkauft. Wie sich herausstellte, ergaben sich Unterschiede beim Konsum von niedrig dosiertem ASS (75-150 mg/d) nur dann, wenn ein Zeitraum von mehr als fünf Jahren betrachtet wurde.

So hatten die Personen in der Kontrollgruppe signifikant häufiger eine Dauertherapie über fünf Jahre hinweg erhalten als die Darmkrebspatienten. Daraus berechneten die Autoren ein um 27 Prozent reduziertes Darmkrebsrisiko bei ASS-Dauertherapie.

Da jedoch nur 0,5 Prozent der analysierten Dänen (Alter im Schnitt 70 Jahre) eine ASS-Dauertherapie über mehr als fünf Jahre hinweg bekommen hatten, steht diese Aussage statistisch betrachtet auf sehr dünnen Beinen.

Signifikanter kumulativer Effekt

Wesentlich häufiger wurde eine immer wieder unterbrochene ASS-Therapie beobachtet. Hierfür ließ sich jedoch kein erniedrigtes Darmkrebsrisiko feststellen, auch wenn die Behandlungszeiten zusammen mehr als fünf Jahre ergaben und auch nicht bei relativ hohen Tagesdosierungen von 150 mg.

Etwas besser sehen die Daten zur Therapie mit anderen NSAR aus. Für eine kontinuierliche Anwendung über fünf Jahre hinweg berechneten die Autoren eine Reduktion des Darmkrebsrisikos um 36 Prozent.

Hier fanden sie aber auch einen signifikanten kumulativen Effekt: Übersteigt die Gesamtbehandlungsdauer fünf Jahre, so lässt sich zumindest für relativ hohe Dosierungen eine Risikoreduktion ermitteln, und zwar um 30 Prozent für mehr als 0,3 definierte Tagesdosen (DDD) und 11 Prozent für 0,1 bis 0,3 DDD.

Insgesamt hatten auch mehr Personen eine NSAR-Therapie als eine ASS-Therapie bekommen, sodass die Ergebnisse hier statistisch belastbarer sind.

Wer nun eine medikamentöse Darmkrebsprophylaxe attraktiv findet, sollte vielleicht noch über ein anderes Ergebnis nachdenken: Eine Darmspiegelung hatten nur 4,5 Prozent der Darmkrebspatienten, aber 7,5 Prozent der Kontrollpersonen absolviert.

Und für diese Präventionsmethode gibt es immerhin belastbare prospektive Daten. (mut)

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