Zusammenhang vermutet

Weniger Helicobacter pylori, mehr Adipöse

In der westlichen Welt sind immer mehr Menschen adipös. Das könnte mit der verbreiteten Eradikation von Helicobacter pylori zusammenhängen, meinen australische Gastroenterologen.

Von Beate Schumacher Veröffentlicht:
Helicobacter pylori: Nach Stichproben ist eine Bevölkerung umso dicker, je weniger sie durchseucht ist.

Helicobacter pylori: Nach Stichproben ist eine Bevölkerung umso dicker, je weniger sie durchseucht ist.

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WOOLLOONGABBA. Über eine Verbindung zwischen H. pylori und Körpergewicht wird schon länger diskutiert. So legten in einer japanischen Studie Patienten nach Eradikation des Magenkeims mehr Gewicht zu als Infizierte ohne Eradikation.

Dieser Befund war 2011 in einer größeren Studie aus Großbritannien bestätigt worden. Nach tierexperimentellen Daten senkt die Kolonisation mit H. pylori den Nüchternblutzucker und erhöht den Leptinspiegel; die Gewichtszunahme wird unterdrückt.

Australische Gastroenterologen haben nun auf Bevölkerungsebene nach einer möglichen Assoziation gesucht (Aliment Pharmacol Ther 2014; online 15. Mai).

Die Ärzte um Nele Lender vom Princess Alexandra Hospital in Woolloongabba haben Studien analysiert, die Angaben zur Prävalenz von Adipositas und der Kolonisation mit H. pylori in Bevölkerungsstichproben enthalten.

Dabei beschränkten sie sich auf Untersuchungen aus wohlhabenden Ländern - zehn europäische Staaten, Japan, die USA und Australien -, um auszuschließen, dass durch den H.-pylori-Status vor allem der Wohlstand und dessen Einfluss auf den BMI widergespiegelt wurde.

49 Studien, darunter sechs aus Deutschland, mit knapp 100.000 Teilnehmern wurden ausgewertet. Die H.-pylori-Prävalenz variierte zwischen 17 und 75 Prozent (in Deutschland zwischen 21 und 50 Prozent) und erreichte im Mittel 44 Prozent. Eine Adipositas bestand bei 2 bis 34 Prozent der Probanden (Deutschland: 13 bis 20 Prozent), im Mittel bei 16 Prozent.

Dabei zeigte sich eine signifikante inverse Assoziation zwischen dem Magenkeim und der Fettleibigkeit. Auch wenn das Bruttoinlandsprodukt berücksichtigt wurde, war eine Bevölkerung umso dicker, je weniger sie von H. pylori durchseucht war.

Auch wenn diese Daten nur auf Bevölkerungsebene erhoben wurden, sprechen sie ebenfalls dafür, dass H. pylori vor dem Dickwerden schützen könnte. Möglicherweise schmeckt es Patienten, die von dem Magenkeim befreit wurden, einfach wieder besser, weil ihr Appetit nicht durch ein frühes Sättigungsgefühl oder gar durch Ulkusbeschwerden gezügelt wird, vermuten die Studienautoren.

Auch scheint der H.-pylori-Status appetitregulierende Hormone zu beeinflussen. Nach der Eradikation wird zum Beispiel ein Anstieg des Ghrelin-Spiegels beobachtet. Ghrelin regt den Appetit an.

Die Kolonisation mit H. pylori könnte aber auch ein Marker für weitere schützende Faktoren sein. Möglicherweise unterscheiden sich Personen mit und ohne H.-pylori-Infektion auch bezüglich anderer Keime in ihrem gastrointestinalen Mikorobiom, wodurch Ernährung und Gesundheit ebenfalls beeinflusst werden.

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Kommentare
Dr. Wolfgang P. Bayerl 08.07.201420:15 Uhr

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