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Kommentar zur Suizidstudie

Werther versus Papageno

Von Dr. Christine Starostzik Veröffentlicht:

Fast jeder fünfte Tod bei männlichen 15- bis 25-Jährigen in Deutschland ist ein Suizid, die weibliche Quote liegt bei rund elf Prozent. In einer US-Studie wurde jetzt deutlich, wie stark sich Jugendliche an Gleichaltrigen orientieren, sogar dann, wenn es um so endgültige Dinge wie den eigenen Tod geht.

So scheint der Werther-Effekt kein Mythos zu sein. Die Selbsttötung eines jungen Menschen löst bei vielen Mitschülern düstere Gedanken aus, die Rate der Suizidversuche steigt danach um ein Mehrfaches.

Wie lässt sich das verhindern? Zunächst scheint die Art der Berichterstattung eine wichtige Rolle zu spielen. Die detaillierte, sensationsträchtige Aufmachung der Todesnachricht verstärkt offenbar den Imitationseffekt.

Wird dagegen empathisch über Menschen berichtet, die schwere Krisensituationen konstruktiv bewältigen konnten, werden Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt, Hinweise auf Hilfsangebote gegeben und das öffentliche Bewusstsein für Anzeichen einer Suizidbereitschaft geschärft, sinkt die Zahl der Nachahmer.

Kriseninterventionsexperten nennen dies den Papageno-Effekt.

Vielen Suiziden geht eine längere Entwicklung voraus, die es zu erkennen gilt. Dies gelingt aber nur, wenn der Draht zu den Jugendlichen nie abreißt.

Lesen Sie dazu auch: Unter Jugendlichen: Suizid führt zu Suizidgedanken

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