Direkt zum Inhaltsbereich

"Wichtig bei Schlangenbiß: Gliedmaß ruhigstellen!"

BERLIN (gvg). Jetzt wird es wärmer, und man kann wieder Schlangen begegnen. Wer von einer Kreuzotter gebissen wird, sollte die verletzte Extremität ruhig stellen. Nicht immer ist ein Antidot nötig. Gefährliche systemische Reaktionen wie anhaltend niedriger Blutdruck sind selten. Sie kommen besonders bei Kindern und Alten vor.

Veröffentlicht:

Kreuzottern leben in Deutschland vor allem am Niederrhein, in den südlichen Mittelgebirgen und in den Alpen. Doch auch Küsten sind ihr Jagdrevier - auf Rügen ist im Jahr 2004 eine Rentnerin nach einem Biß der Schlange gestorben.

Bisse der einzigen heimischen Giftschlange können sehr schmerzhaft sein. Mitunter sind sie aber auch völlig schmerzlos und werden erst im Nachhinein durch die typischen zwei Bißstellen, eine lokale Rötung und Schwellung auffällig. Systemische Vergiftungserscheinungen seien die absolute Ausnahme, berichtet der Infektionsmediziner Dr. David Warrel von der Universität Oxford in Großbritannien (BMJ 331, 2005, 1244).

Treten systemische Reaktionen auf, dann sind ein bis zwei Stunden nach dem Biß Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen und Schweißausbrüche typisch. "Vor allem ein anhaltend niedriger Blutdruck ist ein Alarmzeichen", so Warrel.

Todesursache ist in der Regel eine Atemlähmung. Aber auch schwere anaphylaktische Reaktionen kämen vor. Innere Blutungen träten dagegen, anders als oft angenommen, eher selten auf. Sie seien in Zusammenhang mit einer Heparinapplikation beschrieben worden - von einer solchen Therapie rät Warrel deshalb ab.

Unbedingt verzichtet werden sollte auf alle Versuche, die Wunde zu reinigen, auszusaugen oder auszuschneiden. Auch Kompressionsverbände oder das Abbinden der verletzten Extremität mit einem Stauschlauch oder Ähnlichem seien kontraindiziert.

Wichtigste Maßnahme ist es, die Extremität mit einer Schiene ruhig zu stellen und Spezialisten, etwa in Giftinformationszentralen zu fragen, ob und wann ein Antidot verabreicht werden muß.

Wegen der Gefahr von Serumreaktionen wird das nicht pauschal empfohlen, sondern nur dann, wenn Komplikationen drohen. Die Giftinformationszentrale der Universität Bonn schlägt für die Akutphase außerdem Kaffee oder Tee zur Kreislaufstabilisierung vor.

Von zunehmender Bedeutung sind übrigens Bisse von exotischen Schlangen, die als legale oder illegale Haustiere gehalten werden. Auch hier sind Ruhigstellung und die Beratung durch Experten die wichtigsten Maßnahmen. Und: Ein Foto der Schlange ist möglicherweise lebensrettend, weil man das Reptil erkennen und gegebenenfalls ein Antidot spritzen könnte.

Weitere Infos zu Kreuzotterbissen: www.meb.uni-bonn.de/giftzentrale/k-otter.html

Mehr zum Thema

Interview

Reisediarrhoe: Bei Fieber keine Selbstbehandlung

Ascariasis

Wurm in der Hose: Was tun bei hartnäckigem Spulwurmbefall?

Heimische Zoonosen

Wie Sie eine Hantavirus-Infektion erkennen

Das könnte Sie auch interessieren
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Glasglobus und Stethoskop, eingebettet in grünes Laub, als Symbol für Umweltgesundheit und ökologisch-medizinisches Bewusstsein

© AspctStyle / Generiert mit KI / stock.adobe.com

Klimawandel und Gesundheitswesen

Klimaschutz und Gesundheit: Herausforderungen und Lösungen

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein MRT verbraucht viel Energie, auch die Datenspeicherung ist energieintensiv.

© Marijan Murat / dpa / picture alliance

Klimawandel und Gesundheitswesen

Forderungen nach Verhaltensänderungen und Verhältnisprävention

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

© Frankfurter Forum für gesellschafts- und gesundheitspolitische Grundsatzfragen e. V.

Das Frankfurter Forum stellt sich vor

Ein Dialogforum von Fachleuten aus Gesellschaft, Gesundheitspolitik und Wissenschaft

Kooperation | In Kooperation mit: Frankfurter Forum
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

© CLIPAREA.com / stock.adobe.com

Transthyretin-Amyloidose mit Kardiomyopathie

ATTR-CM-Therapien im Wandel: Die Rolle von Acoramidis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Bayer Vital GmbH, Leverkusen
 Abb. 1: Anwendung von Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [1,8]

Ruxolitinib-Creme bei mittelschwerer AD

Topische steroidfreie Behandlungsoption bei atopischer Dermatitis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Incyte Biosciences Germany GmbH, München
Abb. 1: MATTERHORN-Regime beim GC/GEJC: ereignisfreies Überleben (EFS)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [10]

Perioperativ behandeln – kurativ denken

Durvalumab-basierte Therapie bei drei Tumorentitäten

Sonderbericht | Beauftragt und finanziert durch: AstraZeneca GmbH, Hamburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Herzbericht 2026

Das sind die aktuellen Trends in der Herzmedizin

Personalisierte mRNA-Therapien

Verheißungsvolle RNA-Krebsimpfstoffe: Wo steht die Forschung gerade?

ASS und P2Y12-Inhibitoren

So geht die Plättchenhemmer-Therapie in der Praxis!

Lesetipps
Eine Ärztin tropft Allergielösung auf den präparierten Unterarm einer Patientin für den Pricktest.

© Alexander Raths / stock.adobe.com

Steigende Prävalenz

Allergiediagnostik: Dos und Don’ts für die Hausarztpraxis