Der Schulterblick

Wie Ärzte mit der Schulter-Sono Diabetes erkennen

US-Radiologen haben Hinweise dafür entdeckt, dass eine sonografische Untersuchung der Schultermuskulatur die Diabetesdiagnostik erleichtert.

Peter LeinerVon Peter Leiner Veröffentlicht:
Bei Diabetes-Patienten war der Musculus deltoideus im Ultraschall oft echoreich.

Bei Diabetes-Patienten war der Musculus deltoideus im Ultraschall oft echoreich.

© ASTIER / BSIP / mauritius images

CHICAGO. Bereits vor zehn Jahren fiel dem Spezialisten für muskuloskelettale Erkrankungen Dr. Steven B. Soliman vom Henry-Ford-Krankenhaus in Detroit etwas Besonderes auf, wenn er sonografische Aufnahmen der Schulter auswertete: Bei einigen Patienten war der Musculus deltoideus echoreich, und zwar stets bei Patienten, die angaben, Diabetiker oder Prädiabetiker zu sein, ohne bereits medikamentös behandelt zu werden.

Diese Beobachtung veranlasste einer Mitteilung der Radiologischen Gesellschaft von Nordamerika zufolge Soliman und seine Kollegen, eine Studie zu starten, um zu prüfen, wie gut sich mithilfe der Schultersonografie Typ-2-Diabetes vorhersagen lässt. Die Ergebnisse haben die Ärzte bei der Jahrestagung der Gesellschaft in Chicago vorgestellt.

137 Ultraschallaufnahmen

Für ihre Studie standen Soliman, Paul Williams und ihren Kollegen 137 Ultraschallaufnahmen der Schulter von Typ-2-Diabetikern zur Verfügung, 13 davon von Patienten mit Prädiabetes, bestätigt durch den HbA1c-Wert und die antidiabetische Therapie. Dazu konnten sie auf die Aufnahmen von 49 adipösen Nichtdiabetikern zurückgreifen.

Drei erfahrene Radiologen mussten jeweils unabhängig voneinander angeben, ob die Aufnahme normal, möglicherweise oder ganz sicher von einem Diabetiker stammte.

Wie die Ärzte in ihrer Kurzzusammenfassung des Kongressbeitrages berichten, hatte die Aussage „definitiver Diabetes“ bei echoreicher Ultraschallaufnahme der Schulter einen sehr guten Vorhersagewert. Der positive prädiktive Wert für eine solche Diagnose habe 89 Prozent betragen. Sie habe bei 70 von 79 Patienten zugetroffen.

Solche Aufnahmeergebnisse hätten auch einen guten Vorhersagewert für „definitiven“ Prädiabetes gehabt, nämlich 77 Prozent (bei 10 von 13 Patienten), sowie 23 Prozent (bei 3 von 13 Patienten) für einen „wahrscheinlichen“ Prädiabetes.

Bei nicht adipösen Diabetikern erfolgte die Diagnose „definitiver Diabetes“ mit einer Sensitivität von 30 Prozent (bei 11 von 37 Diabetikern ohne Adipositas). Bei Diabetikern mit einem BMI um 30 kg/m2 wurden 22,6 Prozent der Bilder als normal gewertet, bei einem BMI um 32 insgesamt 36,2 Prozent als „wahrscheinlich Diabetes“ und bei einem BMI um 37 insgesamt 51,2 Prozent als „definitiv Diabetes“.

Mehr als nur Vermehrung von Fett

Soliman und seine Kollegen vermuten, dass die Entstehung echoreicher Ultraschallbilder von der Schulterregion mehr als nur auf eine Vermehrung von Fettgewebe zurückzuführen ist. Sie halten es für möglich, dass dieses Phänomen im Zusammenhang steht mit einer verminderten insulinstimulierten intramuskulären Glykogensynthese, die bei Diabetikern bis zu 65 Prozent niedriger als bei Gesunden liegen kann, oder mit der Kollagensynthese.

Sie erinnern daran, dass bei Gesunden 85 Prozent des Glykogens in der Muskulatur gespeichert werden. Geplant ist nun von den Ärzten, ihre qualitativen Ergebnisse durch quantitative Untersuchungen zu ergänzen.

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