Achtung, Sonne

Wie UV-Strahlung maligne Melanome fördert

Mit dem Sonnenbaden steigt das Risiko für ein malignes Melanom. Britische Forscher haben nun die Pathogenese untersucht. Ihr Ergebnis: Sonnencremes bieten keinen 100-prozentigen Schutz vor den Tumoren.

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Eincremen schützt vor Sonnenbrand, aber nicht vollständig vor einem malignen Melanom.

Eincremen schützt vor Sonnenbrand, aber nicht vollständig vor einem malignen Melanom.

© Mauricio Jordan / panthermedia

MANCHESTER. Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor kann die Entstehung von schwarzem Hautkrebs verzögern, aber nicht vollständig verhindern. Das bestätigt eine britische Studie mit Mäusen.

Das Team um Richard Marais von der Universität Manchester fand außerdem einen Mechanismus, wie der ultraviolette Anteil des Sonnenlichts zur Entstehung von malignen Melanomen führt (Nature 2014, online 11. Juni).

Das maligne Melanom bildet früh Metastasen. Die häufigste Veränderung in Melanomen sei dabei eine bestimmte Mutation in einem Wachstumsgen namens BRAF, schreiben die Forscher. Sie führten diese Mutation bei Mäusen künstlich herbei, indem sie die rasierten Rücken der Tiere ultravioletter Strahlung aussetzten.

Die erste Dosis habe einem leichten Sonnenbrand beim Menschen entsprochen. Teile der Mäuserücken wurden bei der Bestrahlung mit einem Tuch abgedeckt oder mit einer Creme (Lichtschutzfaktor 50) eingerieben.

Im Ergebnis wuchsen auf allen Hautpartien, die wiederholt ungeschützt der UV-Strahlung ausgesetzt waren, binnen sieben Monaten Melanome. Die Stellen, die mit Sonnencreme eingerieben worden waren, blieben bis zu 17 Monate ohne Melanome. Rund 20 Prozent der mit einem Tuch abgedeckten Stellen waren auch nach zwei Jahren melanomfrei.

Mutationen bei Gen Trp53 in 40 Prozent der Fälle

Die Forscher untersuchten nun die Melanome der Mäuse auf genetische Veränderungen. Dabei fanden sie zu ihrer Überraschung in 40 Prozent der Fälle Mutationen bei einem Gen namens Trp53, das in seiner gesunden Form als Krebsunterdrückergen bekannt sei.

Marais und seinem Team zufolge gibt es eine direkte Verbindung zum entsprechenden Gen beim Menschen, das TP53 genannt wird.

"TP53 ist ein anerkanntes Zielobjekt für UV-Strahlung in menschlichem Hautkrebs, der kein Melanom ist. Bisher stand das Gen jedoch nicht im Verdacht, eine wichtige Rolle bei Melanomen zu spielen", so die Forscher. Das mutierte TP53-Gen unterstütze das ebenfalls mutierte BRAF-Gen bei der Entwicklung von Melanomen.

Einer früheren Untersuchung zufolge liegen in etwa 80 Prozent aller Leberflecke Mutationen des BRAF-Gens vor. Deshalb raten die Wissenschaftler allen Personen mit vielen Muttermalen, sich nicht allein auf Sonnencremes zu verlassen, sondern auch auf andere Weise eine erhöhte Sonneneinstrahlung zu vermeiden.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wird das maligne Melanom in Deutschland jährlich bei etwa 20.000 Menschen diagnostiziert. Hinzu kommen tausende Fälle von Krebsvorstufen. Auch durch die Screeningprogramme werden mehr Fälle frühzeitig erkannt, wie das RKI betont.

Die Zahl der Patienten verdoppelt sich laut Deutscher Krebshilfe derzeit alle zehn Jahre. Betroffen sind meist Menschen im Alter über 40. Aber auch 20-Jährige mit Melanomen seien aufgrund des geänderten Sonnenverhaltens und häufiger Solarienbesuche keine Seltenheit mehr. (dpa)

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