Diabetes mellitus

Veröffentlicht: 14.05.2010, 05:00 Uhr

Wie gut taugt HbA1c zur Diabetes-Diagnostik?

Eine internationale Expertenkommission hat im letzten Jahr die Empfehlung ausgesprochen, künftig den HbA1c-Wert für die Diagnostik eines Diabetes heranzuziehen. Wie steht es aber um die diagnostische Treffsicherheit dieses neuen Kriteriums? Deutsche Forscher sind dieser Frage jetzt in einer Studie nachgegangen.

Von Peter Overbeck

Aus dem Blut ergibt sich die Diabetes-Diagnose. Aber anhand welchen Kriteriums - das ist in der Diskussion. © Moments / fotolia.com

Aus dem Blut ergibt sich die Diabetes-Diagnose. Aber anhand welchen Kriteriums - das ist in der Diskussion. © Moments / fotolia.com

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STUTTGART. Bisher gilt ein Diabetes mellitus dann als diagnostisch gesichert, wenn der im Nüchternzustand oder nach oraler Glukosebelastung gemessene Plasmaglukosespiegel einen definierten Schwellenwert überschritten hat. Nach den neuen Empfehlungen ist ein Mensch künftig dann ein Diabetiker, wenn sein HbA1c-Wert gleich oder höher als 6,5 Prozent ist.

Bessere Standardisierung der HbA1c-Messung

HbA1c- zeige die chronische Glukosebelastung des Körpers verlässlicher an als Einzelmessungen der Plasmaglukose, argumentiert die Expertenkommission. Aufgrund von Fortschritten bei der Standardisierung sei die Genauigkeit der HbA1c-Messung heute mindestens so gut wie die der Blutzucker-Messung. HbA1c-Veränderungen korrelieren genauso eng mit der künftigen Entwicklung von Retinopathien wie Veränderungen der Plasmaglukose. Danach steigt das Retinopathie-Risiko bei HbA1c-Werten über 6,5 Prozent deutlich an, weshalb hier die Schwelle zum manifesten Diabetes anzusiedeln sei. Für den Patienten sei die HbA1c--Messung zudem mit weniger Aufwand verbunden.

Diabetes-Prävalenz niedriger bei HbA1c-Messung

Ein Team von Forschern um Dr. Bernd Kowall vom Deutschen Diabtes-Zentrum in Düsseldorf hat jetzt in einer Studie die diagnostische Treffsicherheit von HbA1c- und Glukosemessung bei der Identifizierung von Typ-2-Diabetikern genauer untersucht. Grundlage ihrer Untersuchung bildeten Daten aus der bevölkerungsbasierten Kohortenstudie KORA (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg).

Analysiert wurden die 7-Jahres-Daten von 1764 Personen ohne anfänglich bekannten Diabetes (KORA-F4-Studie) und im Zeitraum 1999/2001 erhobene Daten von 896 Teilnehmern (KORA-S4-Studie). Bei allen Teilnehmern waren HbA1c-, Nüchternblutzucker wie auch der 2-Stunden-Glukosewert nach oralem Glukosetoleranztest (OGTT) gemessen worden.

In der KORA-F4-Studie wurde anhand von Nüchternblutzucker- oder OGTT-Werten bei 41 Teilnehmern ein bislang unentdeckter Typ-2-Diabetes diagnostiziert. Anhand der Ergebnisse der HbA1c-Messung wurden davon aber nur 10 Personen (24 Prozent) korrekt identifiziert.

Der optimale HbA1c-Trennwert für die Identifizierung eines Typ-2-Diabetes lag in der untersuchten Population bei 5,7 Prozent und war damit deutlich niedriger als der von der Expertenkommission empfohlene Wert von 6,5 Prozent. Bei den Teilnehmern der älteren KORA-S4-Studie waren die Ergebnisse ähnlich.

Mit Blutzucker- und HbA1c-Messung werden somit offenbar unterschiedliche Populationen mit Typ-2-Diabetes identifiziert, folgern die Studienautoren. Dabei ist die mit der HbA1c-Messung ermittelte Prävalenz des Typ-2-Diabetes drastisch niedriger. Nach diesen Befunden dürfte der empfohlene diagnostische Trennwert von 6,5 Prozent für HbA1c deutlich zu hoch angesetzt sein.

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