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Wieder Doping-Razzia im österreichischen Quartier

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Der Doping-Skandal um die österreichischen Biathleten und Langläufer sorgt bei den Winterspielen weiter für Wirbel. Ein Quartier der Langläufer in Pragelato ist am Montagabend erneut Ziel einer Doping-Razzia gewesen. Dies bestätigte Otto Jung, der Heimtrainer von Langläufer Martin Stockinger, gestern vormittag.

Demnach wurde die Unterkunft der Langlaufbetreuer durchsucht. "Ich war in einer Pizzeria essen. Als ich heim kam, sah es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen", berichtete er. Die Aktion der italienschen Behörden soll zwei bis drei Stunden gedauert haben. Offenbar wurde aber nichts Verdächtiges gefunden. Bereits am Samstag hatte es eine Doping-Razzia in den Häusern der österreichischen Langläufer und Biathleten gegeben.

Nach der ersten Durchsuchung durch Carabinieri am Samstagabend sollen auch die beiden Langlauf-Trainer Emil Hoch und Roland Diethart Italien verlassen haben. Dies wurde gestern aus Kreisen des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV) bekannt. Die beiden Biathleten Wolfgang Perner und Wolfgang Rottmann waren noch in der gleichen Nacht abgereist (wir berichteten).

Unterdessen sind drei österreichische Langläufer nach einem Bericht der Zeitung "La Repubblica" bei der ersten Razzia im Olympia-Quartier des Austria-Teams in Pragelato ins Visier der italienischen Fahnder geraten. Nach dem Bericht wurden bei Martin Tauber, Jürgen Pinter und Johannes Eder Geräte für einen sogenannten "Bio-Test" gefunden, die auch beim ehemaligen Biathlon-Trainer Walter Mayer gefunden worden waren, berichtete die Zeitung gestern.

Ex-Trainer Walter Mayer hat ein Geständnis abgelegt

Mayer hat bei einer Vernehmung gestern morgen durch einen Untersuchungsrichter in Klagenfurt ein Geständnis abgelegt. Nach seiner Amokfahrt mit dem Auto in Kärnten war der 48jährige am Sonntagabend wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, versuchter schwerer Körperverletzung sowie schwerer Sachbeschädigung von der österreichischen Polizei vorübergehend festgenommen worden. Unter anderem war ein Polizist verletzt worden.

Nach der Vernehmung begab sich der umstrittene Ex-Coach, den der ÖSV fristlos entlassen hat, wieder zur psychiatrischen Behandlung ins Landeskrankenhaus von Klagenfurt. Es soll zwischenzeitlich Selbstmordgefahr bestanden haben.

Der Doping-Skandal um die österreichischen Sportler überschattet die Spiele in Turin. Schon im Vorfeld der Olympischen Winterspiele allerdings haben die Dopingkontrollen sowie die Konsequenzen, die daraus erfolgen, für heftige Turbulenzen gesorgt.

Hintergrund ist ein Streit um Kompetenzen: hier die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), eine auch vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) legitimierte Institution des Sports; dort die italienische Justiz, die Verstöße gegen eines der härtesten Anti-Doping-Gesetze der Welt im eigenen Land verfolgen will.

Ein kurz vor Beginn der Spiele ausgehandelter Kompromiß sah eigentlich vor, daß es keine Polizei-Razzien in den Quartieren der Sportler geben soll, sich jedoch jeder während der Olympischen Spiele des Dopings überführte Athlet vor einem italienischen Gericht zu verantworten hat.

Allerdings muß niemand fürchten, in den Knast zu wandern. Schließlich werde der Termin für ein mögliches Gerichtsverfahren wohl Monate auf sich warten lassen, gab der italienische Vize-Sportminister Mario Pescante zu. Trotzdem hat es jetzt schon zwei Razzien gegeben.

Während der Olympischen Winterspiele sind insgesamt 1200 Dopingkontrollen vorgesehen. Dabei hat das IOC und nicht die italienische Justiz die Oberhoheit. Auch wird die aktuelle WADA-Liste von 2006 mit den verbotenen Substanzen als Grundlage für mögliche Sanktionen gelten und nicht die im italienischen Anti-Doping-Gesetz verankerte Liste von 2005.

IOC hatte Zusammenarbeit mit der Polizei angekündigt

Allerdings hatte IOC-Präsident Jacques Rogge schon vor Beginn der Spiele angekündigt, mit den Staatsorganen in Italien zusammenzuarbeiten: "Wir sind gut bei den Dopingkontrollen, aber nicht so gut beim Aufspüren und bei der Verfolgung der Drogen- und Doping-Mafia", sagte er.

Kontrollen - sowohl Blut- als auch Urintests - können prinzipiell zu jeder Zeit vorgenommen werden, weshalb die Verbände auch die Aufenthaltsorte der Athleten dem IOC mitteilen müssen. Sportler werden vor dem Wettkampf nach folgenden Kriterien für Dopingkontrollen ausgewählt: 1. Rangliste innerhalb des internationalen Verbandes, 2. Zufallsauswahl, 3. anderes Auswahlkriterium, welches das IOC nach alleinigem Ermessen festlegt.

Nach dem Wettkampf werden die fünf bestplazierten Athleten in allen Disziplinen plus mindestens zwei weitere, zufällig ausgewählte Sportler kontrolliert. In den Verfolgungs-, Staffel- und Teamsprintwettkämpfen wird ein zufällig ausgewählter Athlet aus jeder der fünf bestplazierten Mannschaften und ein zufällig ausgewählter Sportler aus zwei weiteren zufällig ausgewählten Teams einer Dopingkontrolle unterzogen. In Mannschaftssportarten wie Eishockey muß prinzipiell jeder Sportler zur Kontrolle bereit sein.

Die Dopingproben werden im übrigen eingelagert und können später noch einmal - vielleicht mit feineren Verfahren - auf verbotene Substanzen analysiert werden. Das IOC gilt laut Welt-Anti-Doping-Code acht Jahre lang als Eigentümer der Proben.

Sportler, die nachweislich aus medizinischen Gründen eine verbotene Substanz oder eine verbotene Methode anwenden müssen, müssen zunächst eine medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE - Therapeutic Use Exemption) einholen, heißt es in Punkt 4.3.1 der vom IOC erlassenen Anti-Doping-Regeln. Darüber befindet ein Komitee aus drei Ärzten, die von der Medizinischen Kommission des IOC ernannt worden sind.

Pete Smith/dpa

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