Zellen kaputter Gelenke ersetzen defekten Knorpel

BERLIN (gvg). Wenn Orthopäden oder Chirurgen Knorpelzellen für eine autologe Chondrozytentransplantation (ACT) brauchen, holen sie sich die Zellen aus gesundem Knorpel an anderer Stelle. Bis jetzt. Denn künftig könnten auch kaputte Gelenke als Quelle für die Zellgewinnung dienen.

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Denkbar wäre zum Beispiel, bei einer Kniegelenksendoprothese das entfernte Kniegelenk als Knorpelzellquelle für andere geschädigte Gelenke zu benutzen. Auch bei Osteochondrosis dissecans (OD) finden sich im abgesprengten Knorpeldissekat wertvolle Zellen, für die es bisher keinerlei Verwendung gab.

Zwei auf einem Orthopädenkongress in Berlin präsentierte Untersuchungen legen jetzt nahe, dass beide Varianten tatsächlich funktionsfähige Zellen für die ACT liefern. So hat die Arbeitsgruppe um Dr. Matthias Aurich von der Universität Jena Knorpelzellen aus den Dissekaten von OD-Patienten zunächst in Zellkultur beobachtet und dann bei elf Patienten für eine ACT im selben Gelenk eingesetzt.

Nach Vermehrung in Kulturen unterschieden sich die Dissekatzellen bei Genexpression und Proteomanalyse nicht mehr von gesunden Knorpelzellen. Auch der klinische Erfolg der Behandlung und die MRT-Kontrollen nach zwölf und 24 Monaten entsprachen dem, was die Ärzte von einer ACT erwarteten. "Der Vorteil ist, daß wir im Dissekat sehr viel mehr Zellen haben als in einer Biopsie. Das verkürzt die Dauer der kulturellen Aufzucht", so Aurich.

Ähnlich gute Erfahrungen hat Dr. Dirk Albrecht von der Unfallklinik Tübingen mit Knorpelzellen aus arthrotischen Kniegelenken gemacht. Auch diese unterschieden sich in vitro nicht von Zellen, die aus gesundem Knorpelgewebe gewonnen wurden. Bei bisher 13 Patienten hat er 18 Monate nach ACT auch in in vivo demonstriert, dass intakter Ersatzknorpel gebildet wird. Beide Referenten betonten aber, dass noch Studien nötig seien, bevor geschädigte Gelenke routinemäßig für die Knorpelzellgewinnung eingesetzt werden könnten.

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