Direkt zum Inhaltsbereich

Übergewicht

Zum Abspecken in die Arktis?

Setzen leicht frierende Menschen schneller Fett an? Eine evolutionäre Anpassung des Menschen fördert tatsächlich die Zunahme an Fettleibigkeit, haben Forscher nun herausgefunden.

Veröffentlicht:
Walross in der Arktis: Forscher Forscher vermuteten, dass es Gene gibt, die die Balance zwischen Wärmeproduktion und Fettspeicherung steuern.

Walross in der Arktis: Forscher Forscher vermuteten, dass es Gene gibt, die die Balance zwischen Wärmeproduktion und Fettspeicherung steuern.

© MAK/Fotolia.com

HEIDELBERG. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) haben an Fruchtfliegen ein Gen identifiziert, das die Balance zwischen Körperwärme und Fettverbrennung steuert. Fehle die Erbanlage, setzen die Fliegen Fett an und produzieren weniger Körperwärme, teilt das DKFZ mit.

Die Forscher vermuteten, dass es Gene gebe, die die Balance zwischen Wärmeproduktion und Fettspeicherung steuern. Ein Kandidat für ein solches Balance-Gen war THADA. "Wir hatten allerdings keine Vorstellung davon, welche Funktion oder Aufgabe THADA im Organismus ausübt und ob es tatsächlich in die Stoffwechselregulation eingreift. Um das herauszufinden, haben wir das Gen bei Fruchtfliegen ausgeschaltet", so Aurelio Teleman vom DKFZ in der Mitteilung.

Fliegen ohne THADA fressen viel, setzen Fett an und produzieren weniger Wärme, sodass sie schnell unter Kälte leiden. Nach einigen Stunden im Kühlschrank erstarren Fruchtfliegen. Während sich die normalen Fliegen rasch erholen, brauchten die Tiere ohne THADA dafür deutlich länger (Dev Cell 2017; 41(1):72-81.e6). "Ihr Fett isoliert sie also nicht und wir konnten nachweisen, dass sie tatsächlich weniger Wärme produzieren", so Erstautorin Alexandra Moraru.

THADA, so fanden die DKFZ-Forscher heraus, beeinflusst ein Protein, das Calcium aus dem Zellplasma in zelluläre Speicherdepots pumpt. Diese Pumpleistung steigt dramatisch an, wenn THADA fehlt. Wenn die Forscher die Leistung der Calcium-Pumpe experimentell drosseln, kompensiert dies den THADA-Verlust und schützt die Fliegen vor Fettleibigkeit.

Die aktuellen Ergebnisse lassen auch Krebsexperten aufhorchen: Verschiedene Defekte des THADA-Gens stehen mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebserkrankungen im Zusammenhang, etwa mit akuten Leukämien, Schilddrüsenkrebs, Prostata- und Darmkrebs. (eb/mmr)

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema

Prävention und Therapie

In fünf Schritten zu einer besseren Adipositas-Versorgung

Das könnte Sie auch interessieren
50 Jahre Jung-Preis

© Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung

50 Jahre Jung-Preis

Freiheit als Voraussetzung für medizinischen Fortschritt

Anzeige | Jung-Stiftung für Wissenschaft und Forschung
Kommentare
Eberhard Grütte 12.05.201712:15 Uhr

Neue Erfolge in der Adipositas-Forschung

Die außerordentlich verdienstvollen Veröffentlichungen der beiden Arbeiten aus Freiburg und Heidelberg über die genetisch-enzymatische Steuerung des Fettgewebeumbaus/Abbaus und der Fettverbrennung in Abhängigkeit von Lsd1- und THADA Aktivität eröffnen endlich eine kalorienneutrale Betrachtung und Erklärung von adipösen Stoffwechselstörungen. Es bleibt sehr zu hoffen, dass sich aus diesen Grundlagenforschungen auch therapeutische Konsequenzen für die Umsteuerung o.g. Gen- und Enzymaktivitäten ergeben. Dr.Eberhard Grütte

Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
Porträt: Dr. Jörg Sandmann | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

© Porträt: Dr. Jörg Sandmann | Hirn: grandeduc / stock.adobe.com

„ÄrzteTag extra“-Podcast

Der hypogonadale Patient in der Hausarztpraxis

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Besins Healthcare Germany GmbH, Berlin
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Haustiere

Kasuistik: Was passieren kann, wenn der Hund die Wunde ableckt

Patienten häufig überwässert

Praxistipps zur Hyponatriämie: „Trinken nur bei Durst!“

Lesetipps
Nicht alles können Ärzte in der Rheumatologie delegieren – die strukturierte Vorbereitung einer Anamnese allerdings schon.

© auremar / stock.adobe.com

Aufgabenteilung

Wie Delegation in der Rheumatologie funktionieren kann

Dreidimensionale gerenderte Illustration von Darmkrebs.

© appledesign / stock.adobe.com

Ergebnisse einer Vergleichsstudie

CT-Kolonografie oder FIT: Welches Verfahren Darmkrebs früher aufspürt

Ins Fitnessstudie statt zum Geburtstag der Oma: Wer eine starke Verpflichtung spürt, Sport zu treiben, könnte eine Muskeldysmorphie haben.

© ME Image / Stock.adobe.com

Krafttraining bis zur Erschöpfung

„Adonis-Komplex“: Was Ärzte beim Verdacht auf Muskeldysmorphie tun können