DIVI-Prognose

6000 COVID-Patienten auf Intensiv vor Weihnachten

Intensivmediziner warnen, der Goldstandard der Versorgung könne nur noch durch Verlegungen gewährleistet werden. Daher müssten härtere Kontaktbeschränkungen her.

Von Florian StaeckFlorian Staeck Veröffentlicht:
Am Mittwoch wird auf dem Flughafen Dresden ein COVID-19-Patient zur Verlegung in ein Spezialflugzeug der Bundeswehr befördert. Am Nachmittag wurden sechs Patienten nach Köln geflogen.

Am Mittwoch wird auf dem Flughafen Dresden ein COVID-19-Patient zur Verlegung in ein Spezialflugzeug der Bundeswehr befördert. Am Nachmittag wurden sechs Patienten nach Köln geflogen.

© Robert Michael/dpa

Berlin. Intensivmediziner rechnen vor Weihnachten mit bis zu 6000 COVID-19-Patienten auf Intensivstationen. Wenn es zu schärferen Kontaktbeschränkungen komme, könnten es auch etwas weniger werden, sagte Professor Andreas Schuppert, Modellierer bei der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), anlässlich des digitalen Jahreskongresses der Fachgesellschaft.

Am Mittwoch waren 4690 COVID-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung, 54 mehr als am Tag zuvor. Der bisherige Höchstwert wurde um den Jahreswechsel mit 5762 Patienten erreicht. Allerdings unterscheide sich diese vierte Welle von den vorherigen durch die regional stark unterschiedliche Belastung der Intensivstationen, sagte Professor Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters. In der vergangenen Woche seien bundesweit über 2300 Intensivpatienten neu aufgenommen worden, 889 COVID-Patienten starben im selben Zeitraum.

Zahl der Beatmungsbetten um 3000 gesunken

Die aktuelle Belegungsrate mit COVID-Patienten betrage aktuell in Nordrhein-Westfalen 13 Prozent, Sachsen hingegen seien es um die 40 Prozent. In Teilen Bayerns, so etwa in Oberbayern, würden sogar Belegungsraten vor bis zu 50 Prozent erreicht. Verschärft werde die Situation dadurch, dass sich die Zahl der Beatmungsbetten im Vergleich zum vergangenen Jahr von 12.000 auf 9000 verringert habe.

Die aktuelle Welle unterscheide sich auch dadurch, dass Flächenländer wie etwa Bayern nun flächendeckend betroffen seien, sagte Professor Karl-Georg Kanz, Bereichsleiter Chirurgische Notaufnahme am Klinikum rechts der Isar der TU München. „Es gibt keine einzelnen Hotspots mehr“, so Kanz. Was auch bedeutet: Hohe Belegungsraten in einzelnen Regionen können nur noch schwer durch Verlegungen in andere Teile des Landes kompensiert werden. Zudem beobachte man, dass die Inzidenzwelle „sich nach Norden bewegt“, so Kanz.

Kleeblatt-Verlegung bringt nur kurzfristige Entlastung

Schon aktuell könne der „Goldstandard“ der intensivmedizinischen Behandlung nur noch durch Verlegungen nach dem Kleeblatt-Prinzip noch aufrechterhalten werden, betonte er. Dabei sind seit einer Woche bisher rund 80 COVID-Patienten aus dem Osten und Süden vor allem nach Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen verlegt worden. Allerdings verschaffe dies den besonders betroffenen Regionen nur kurzfristig Entlastung.

Die DIVI fordert daher bundesweit einheitliche Schritte für eine Notbremse, die „größtmögliche Kontaktbeschränkungen“ nach sich ziehen. Das könne – wenn notwendig – „auch ein zeitlich begrenzter Lockdown sein“, so die Fachgesellschaft. Die DIVI spricht sich in dem Zusammenhang dafür aus, das Gesetz über die epidemische Lage nationaler Tragweite wieder zu reaktivieren. Seit Frühjahr 2020 hätten immer nur bundeseinheitliche Maßnahmen die Pandemiewellen brechen können, sagte DIVI-Präsident Professor Gernot Marx. (fst)

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