Kommentar zum Aus für Pflegekammer

Lieber ein Ende mit Schrecken

Die Pflegekammer Niedersachsen ist nicht primär am Widerstand gescheitert, sondern vor allem am Desinteresse an einer gemeinsamen Berufsvertretung.

Von Christian BenekerChristian Beneker Veröffentlicht:

Endlich!, möchte man rufen. Das Hin und Her um die Pflegekammer in Niedersachsen ist beendet. Die Pflegenden im Nordwesten haben sich in einer Online-Umfrage mehrheitlich gegen die Kammer ausgesprochen. Leider.

Das ambitionierte Vorhaben ist auf Grund gelaufen und es sieht nicht so aus, als ob der Kahn wieder flottgemacht würde. Denn bereits im Vorfeld der Umfrage hat das Sozialministerium angekündigt, ihr Ergebnis als bindend zu akzeptieren.

Diese Havarie hat das Projekt nicht verdient. Die rund 78.000 Pflegenden in Niedersachsen brauchen eine gemeinsame und starke Vertretung. Jetzt haben sie keine mehr. Das Ende der Kammer ist ein Rückschritt.
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Dass die Pflegenden in die Kammer kein Vertrauen fanden, ist aber auch dem holperigen Start 2018 geschuldet, bei dem es zum großen Durcheinander bei den Kammer-Beiträgen gekommen war. Der Ärger über den verkorksten Beginn ist verständlich. Die Zwangsmitgliedschaft und die Querelen um die Kammerpräsidentschaft haben für viele Pflegende im Nordwesten offenbar ein Übriges getan.

Andererseits muss man sich fragen, welche Kraft ein „OK“ der Mitglieder in der Abstimmung gehabt hätte. Denn es haben sich nur 15.000 von rund 78.000 Pflegenden aufgerafft, ihre Stimme abzugeben. Allein dieser Umstand zeugt von unglaublichem Desinteresse an einer gemeinsamen Vertretung, den allermeisten Pflegenden im Land ist sie nicht einmal ein „Nein“ Wert gewesen.

Wahrscheinlich wäre es noch schlimmer gewesen, hätte der größere Teil der 15.000 Abstimmenden der Kammer zugestimmt – sie hätte ohne Basis weiterwerkeln müssen.

Schreiben Sie dem Autor: gp@springer.com

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