Psychosoziale Grundversorgung

Neuer Selektivvertrag zu Frühen Hilfen startet in Hamburg

Zunächst sind 24 geschulte gynäkologische und pädiatrische Praxen dabei. Die Hamburger Sozialbehörde stellt Förderung bereit. AOK Rheinland/Hamburg würde den Beitritt weiterer Kassen begrüßen.

Veröffentlicht:
Ziel der Initiatoren des Selektivvertrags ist es, psychosoziale Belastungen von Schwangeren, Wöchnerinnen und jungen Familien früh zu erkennen.

Ziel der Initiatoren des Selektivvertrags ist es, psychosoziale Belastungen von Schwangeren, Wöchnerinnen und jungen Familien früh zu erkennen.

© Comstock Images / Stockbyte / Th

Hamburg. Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen sind in gynäkologischen Praxen Standard, ebenso die Kinder-Gesundheitsuntersuchungen in pädiatrischen Praxen. In Hamburg werden diese Leistungen nun erweitert um eine strukturierte psychosoziale Grundversorgung. Möglich macht dies ein Selektivvertrag, den die AOK Rheinland/Hamburg mit der Stiftung SeeYou des Katholischen Kinderkrankenhauses Wilhelmsstift abgeschlossen hat. Gefördert wird der Vertrag, an dem zunächst 24 gynäkologische und pädiatrische Praxen teilnehmen, von der Hamburger Sozialbehörde.

Ziel der Initiatoren ist es, psychosoziale Belastungen von Schwangeren, Wöchnerinnen und jungen Familien früh zu erkennen, Hilfsangebote zu vermitteln und damit präventiv zu wirken. Damit das gelingt, werden teilnehmende Ärzte und Ärztinnen sowie ihre MFA vorher in frühen Hilfen geschult. In den Praxen führen in aller Regel MFA die orientierenden Gespräche mit den Frauen. Neben den MFA und Ärzten in den Praxen steht den Familien eine Babylotsin als direkte Ansprechpartnerin zur Verfügung, die bei Bedarf ebenfalls in die Praxen kommt.

Innovationsfondsprojekt als Vorbild

Der Vertrag fußt auf den Ergebnissen eines vorgeschalteten Innovationsfondsprojektes ("Kid-Protekt"). Daraus hat Mit-Initiator Dr. Sönke Siefert aus dem Wilhelmsstift die Erkenntnis gewonnen, dass die MFA die Gespräche als bereichernd empfinden und dass sich die Gespräche gut in die Praxisabläufe integrieren lassen.

AOK-Vorstandsvize Matthias Mohrmann und Siefert betonten bei der Vorstellung des heute startenden Selektivvertrags, dass sie auf eine Ausdehnung hoffen: Der Vertrag steht weiteren Krankenkassen offen und lässt sich auf andere Regionen übertragen. Die Beteiligung von zum Start nur 24 Praxen erklärte Siefert mit dem Stand der Teilnehmer im Innovationsfondsprojekt. Die finanzielle Förderung der Sozialbehörde (350.000 Euro) ist zunächst auf die Zahl der damals teilnehmenden Praxen ausgerichtet. Vor einer Teilnahme weiterer Praxen sei zunächst eine Schulung erforderlich.

Lange Vorgeschichte: Babylotsen schon seit 2007

Die Stiftung SeeYou hatte schon 2007 das Programm Babylotse am Wilhelmsstift ins Leben gerufen, damit Schwangere und Familien in belastenden Lebenslagen ihren Hilfebedarf erkennen und das passende Unterstützungsangebot finden. Später wurde das Angebot in Frauenarztpraxen erprobt, 2015 evaluiert und auf pädiatrische Praxen ausgeweitet. Im Innovationsfondsprojekt Kid-Protekt wurden die Vorsorgeuntersuchungen in den Arztpraxen ergänzt und Lotsendienste integriert. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass sich die Versorgung schon ab der Schwangerschaft verbessert und damit die Entwicklungschancen der Kinder erhöht. Ziel der Beteiligten ist nun die Überführung in die Regelversorgung. (di)

Mehr zum Thema

Kindergesundheit

Ärztekammer fordert die Stadt Hamburg zum Handeln auf

Zustimmungs- statt Einspruchsgesetz

Hamburg will Cannabis-Legalisierung nicht hinnehmen

Verdacht auf Vergiftung

Beratungen durch Giftnotruf leicht gestiegen

Kommentare
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Die Newsletter der Ärzte Zeitung

» kostenlos und direkt in Ihr Postfach

Am Morgen: Ihr individueller Themenmix

Zum Feierabend: das tagesaktuelle Telegramm

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Rechtsaufsicht

Ersteinschätzung: G-BA plant Klage gegen Gesundheitsministerium

Lesetipps
Ein älterer Mann bedient ein Smartphone.

© lolly66 / stock.adobe.com

Nachlassende Sinnesleistungen

Bei Diabetes sind passgenaue Helferlein gesucht