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Baden-Württemberg

Privatpatienten nicht entscheidend für Standortwahl?

Niedergelassene Ärzte im Baden-Württemberg erwirtschaften mit den Privatpatienten im Schnitt einen jährlichen Mehrumsatz von 56.200 Euro.

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Köln. In Baden-Württemberg gibt es überdurchschnittlich viele Privatpatienten. Der Anteil der privat Versicherten liegt bei 12,0 Prozent verglichen mit 10,6 Prozent in Deutschland insgesamt. Die niedergelassenen Ärzte erwirtschaften mit den Privatpatienten im Schnitt einen jährlichen Mehrumsatz von 56.200 Euro.

Das zeigt der neue Regionalatlas Baden-Württemberg des Verbands der privaten Krankenversicherung (PKV). Dabei ist die Spanne groß bei den zusätzlichen Umsätzen, die Ärzte dadurch erzielen, dass Patienten privat und nicht gesetzlich versichert sind. Der Mehrumsatz rangiert von 28.774 Euro in der Stadt Mannheim bis 80.494 Euro im Landkreis Waldshut.

Patienten auf dem Land häufig älter

Der von Sidonie Schulz und Frank Schulze Ehring erstellte Atlas verdeutlicht wie die Ausgaben für die Bundesländer Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Saarland, dass Praxen in ländlichen Regionen stärker von einem hohen Privatpatienten-Anteil profitieren als Praxen in den Städten.

Der PKV-Verband führt die Unterschiede vor allem darauf zurück, dass die Patienten auf dem Land häufig älter sind und die Ärzte in den Städten höhere Kostenstrukturen haben.

In Baden-Württemberg spielen die Kosten die entscheidende Rolle. Die regionalen Altersunterschiede seien dagegen eher zu vernachlässigen, schreiben Schulz und Schulze Ehring. „Denn die Privatversicherten in Baden-Württemberg sind – unabhängig vom Wohnort – auch im bundesdeutschen Vergleich relativ jung.“

Werben für Erhalt der Strukturen

Mit den regionalen Analysen will die PKV einen immer wieder gehörten Vorwurf widerlegen: Die Branche trage zu der ungleichen Verteilung von Ärzten in Deutschland bei, weil sich die Ärzte lieber in städtischen Regionen mit einem höheren Anteil von Privatpatienten niederließen.

Laut dem Regionalatlas für das Ländle gibt es im Kreis Schwäbisch-Hall 135 ambulant tätige Ärzte je 100 000 Einwohner, in Stuttgart 176. Der durchschnittliche Mehrumsatz durch Privatpatienten liegt in Schwäbisch-Hall bei 68.772 Euro im Jahr, in Stuttgart bei 54.297 Euro. Für die Wahl des Praxis-Standorts spielen offenbar andere Faktoren eine Rolle als die Privatpatienten, betonen die Autoren.

Die von Grünen und SPD auch in Baden-Württemberg angestrebte Bürgerversicherung würde nicht zu einer besseren Verteilung der Ärzte führen, sagt der Vorsitzende des PKV-Verbands Dr. Ralf Kantak. „Wer die Mehrumsätze der Privatpatienten streicht, gefährdet die medizinische Versorgung auf dem Land sogar noch stärker als in den Städten.“ (iss)

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